Donnerstag, 03. Oktober 2013, 18:34 Uhr

"Stalingrad 3D" nach Pressevorführung: "Grotesk" und "höllischer Schwachsinn"

Russlands erster 3D-Film ‘Stalingrad’ mit Heiner Lauterbach und Thomas Kretschmann als Wehrmachtsoffiziere ist bei Kinokritikern in Moskau auf wenig Begeisterung gestoßen.

“Grotesk”, “höllischer Schwachsinn”, “schöne Bilder, aber emotionslos und leer erzählt”, “platte Dialoge” – solche Kommentare gaben Experten nach einer Pressevorführung im Beisein von Regisseur Fjodor Bondartschuk (46, ‘Die Neunte Kompanie’) an ihre Redaktionen durch. Der Applaus vor der offiziellen Premiere am Mittwochabend war kurz und leise.

Kretschmann lobte aber das 30 Millionen US-Dollar (22,2 Mio Euro) teure Weltkriegsdrama um die Schlacht in der Wolgastadt und sagte, er wünsche sich “mutigere” deutsche Filme über den Krieg. Es wäre zum Beispiel schön gewesen, wenn statt Tom Cruise ein Deutscher den Film ‘Operation Walküre’ über den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg geprägt hätte, sagte der 51-Jährige in Moskau.

Vor 20 Jahren hatte Kretschmann am ‘Stalingrad’-Film von Joseph Vilsmaier mitgewirkt. Er spielt in Bondartschuks Version einen Hauptmann, der sich mitten im erbitterten Häuserkampf in eine Russin verliebt – eine Rolle, die nicht alle Kritiker gelungen finden. So gab es ungeplantes Gelächter im Saal, als Kretschmann als zweifelnder Offizier zu seiner russischen Geliebten sagt: “Ich bin als Soldat hierhergekommen – und du hast mich zum Tier gemacht.”

Kretschmann verteidigte die Rolle. “Es geht nicht um einen Gutmenschen, sondern um einen Menschen, der im Überlebenskampf hin- und hergerissen ist zwischen Pflichtgefühl und Werten.” Er verstehe den Film auch als Würdigung sowjetischer Weltkriegsopfer. “Die Russen haben mit wahnsinniger Leidensbereitschaft die Welt vor Hitler bewahrt”, betonte Schauspieler. Der Film läuft am 10. Oktober in Russland an.

‘Stalingrad’ soll für das Riesenreich erstmals seit fast 20 Jahren einen Oscar gewinnen. Eine Kommission nominierte den Film über eine der entscheidenden Schlachten des Zweiten Weltkriegs für die Academy Awards im März 2014 in Los Angeles. Zuletzt hatte Russland 1995 mit ‘Die Sonne, die uns täuscht’ von Regisseur Nikita Michalkow den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewonnen.

Experten beklagen, dass in Russland nur patriotische Filme mit Staatssubventionen bedacht werden. Darunter leide die Kreativität. (dpa)

Foto: WENN.com