Samstag, 05. Oktober 2013, 16:15 Uhr

Dieser Mann organisierte den Welt-Toiletten-Gipfel

Jeder braucht sie, niemand redet darüber: Toiletten.

Der Singapurer Jack Sim versucht seit 13 Jahren, die stillen Örtchen ins Rampenlicht zu rücken. Jedes Jahr organisiert er einen Welt-Toiletten-Gipfel.

Am Mittwoch begann die dreitägige Veranstaltung in Solo in Indonesien, mit Workshops zur richtigen Reinigung, Vorträgen über das beste Design und anderem.

Warum gehört das Thema Toiletten auf die Tagesordnung?
Weltweit haben 2,5 Milliarden Menschen keine Toiletten oder Abwassersysteme. Eine Million Kinder sterben jedes Jahr an Durchfall, so viele, wie durch Aids, Masern und Malaria zusammen. Toiletten sind ein Gesundheitsthema mit weitreichenden Auswirkungen.

Was muss getan werden?
Vor allem muss ordentlich geputzt werden. Reinigungskräfte putzen öffentliche Toiletten oft wie ihre eigenen zu Hause. Dabei verlangt die hohe Zahl der Benutzer schärfere Maßnahmen: Zum Beispiel sammeln sich Salzkristalle in der Kloschüssel, die mit speziellen Chemikalien beseitigt werden müssen – sonst stinkt’s. Zuhause wischt man feucht um das Klo. Öffentliche Toiletten müssen immer trocken sein. Sonst wird der Boden schnell dreckig, und wenn einmal etwas unsauber ist, geben auch die folgenden Benutzer nicht mehr Acht.

Wie sieht die Toilettenversorgung in Industrieländern aus?
Das Design der meisten öffentlichen Toilettenräume lässt zu wünschen übrig. Die Anlagen für Herren und Damen sind meist gleich groß – ein Fehler. Wo bei den Herren auf der Fläche zum Beispiel vier Urinale und vier Kabinen stehen, passen bei den Damen nur fünf Kabinen. Dabei brauchen sie länger: Frauen im Durchschnitt 96 Sekunden, Männer 35 Sekunden. In Singapur steht in Bauvorschriften heute, dass mehr Platz für die Damentoiletten eingeplant werden muss. Das sähen wir gerne in allen Ländern der Welt.

Vom Hygiene-Standpunkt: Was ist besser, die Hocktoilette oder das Sitzklo?
Was die persönliche Hygiene angeht, ist die Hochtoilette die bessere. Auf der Sitztoilette wird der Darm nicht so gut entleert und man kann sich nicht so gut säubern. Nur: Wenn rund um die Hocktoilette alles nass wird, ist es auch schlecht. Der Trend geht Richtung Sitzklo, unter anderem, weil die Menschen überall älter werden und das Hocken schwieriger wird.

Interview: Christiane Oelrich