Sonntag, 06. Oktober 2013, 18:10 Uhr

Albumkritik: Erdmöbel können auch Kung Fu Fighting

Erdmöbel haben es wieder geschafft. Nach ihrem allseits gefeierten Album ‘Krokus’ von 2010 gibt es neue Songs von der Band aus Köln, und wieder gehen einem die rätselhaft-schönen Texte und gediegenen Melodien nicht mehr aus dem Kopf.

Albumkritik: Erdmöbel können auch Kung Fu Fighting

Erdmöbel muss man verehren, oder man kann mit dieser sehr unzeitgemäßen deutschen Pop-Band definitiv nichts anfangen – dazwischen gibt es nichts.

Dabei steckten die vier Anfang des Jahres noch in der Schaffenskrise. Bloß nicht die Erfolgsmasche von «Krokus» weiterdrehen. Keine Stereotypen bedienen. Und dann hat es Klick gemacht beim Sänger und Texter Markus Berges, und die seltsamen Texte kamen. Vielleicht ist ihm ja im Traum ein Hauhechel-Bläuling erschienen. Und Bassist Ekki Maas, Produzent und Arrangeur der Band, hat zusammen mit Keyboarder Wolfgang Proppe und Schlagzeuger Christian Wübben wieder diese wundersam eingängige Popmusik geschrieben, die man nicht mehr aus dem Kopf kriegt.

Und jetzt kommt der Hauhechel-Bläuling wieder ins Spiel, ein Schmetterling, der durch das somnambule Erinnerungsstück «Cardiff» flattert, das nach dem schnellen Opener ‘Blinker’ wie auf Krücken in eine magisch glühende Vergangenheit wankt – eine über fünfminütige Elegie zwischen Tag und Traum, die mit der Zeile beginnt: “Wie duften, fragte Mutter, Rosen bei Korinth”. So etwas gibt es nur bei Erdmöbel.
«Was mir immer wichtig ist, das ist dieses Arbeiten am Geheimnis“, sagt Songwriter Berges, aber das Schöne an Erdmöbel ist, dass die Lyrics ihre ganz eigene Anmut bewahren, auch wenn Berges schon mal Cola auf Warhola reimt, und auch mal Herz auf Schmerz.

Wo-ho-ho-ho: Das Titelstück «Kung Fu Fighting» rückt gefährlich in Richtung Schlager, glänzt aber mit Textzeilen wie «Der Himmel eine Gegend über Biarritz schwebend». Und Emsdetten passt dann auch noch ins Lied.

Da gehen wir lieber schwimmen ins Kölner ‘Zollstockbad’, das schönste Liebeslied des Albums “am Beckenrand des Hades” zwischen Drehkreuz und Frotteehandtuch. Und es sind wieder Ohrwürmer wie ‘Club der Senkrecht Begrabenen’ oder ‘Gefäße’, die diese Platte nie langweilig werden lassen. Bis zum bläserseligen Finale. (dpa)

Foto: jippie!