Mittwoch, 09. Oktober 2013, 17:29 Uhr

Das sind "Captain Capa": Megafrische Popmusik aus der Provinz

Wer sich Zeit für eine ausgedehnte Kindheit nimmt, wird eben erst Mitte 20 erwachsen.

So durchleben auch Captain Capa erst jetzt mit dem neuen, dritten Album “Foxes” sozusagen ihr musikalisches Coming-Of-Age.

Zur Erinnerung: Die Herrschaften gewann im September 2011 den ‘New Music Award’, der von den jungen ARD-Radioprogrammen verliehener Musikpreis.

Captain-Capa-Pressebild 02_Credit_Timo Roth

Dort, wo Captain Capa behütet, aber alles andere als bürgerlich in Bad Frankenhausen aufgewachsen sind, leben sie noch immer. Die thüringische Provinz liefert jedoch nicht unendlich Input für kreative Mittzwanziger, was Hannes Naumann und Maik Biermann immer wieder ausbrechen lüsst, um Großstadtluft zu schnuppern. Seit 2011 ist das Duo fast unentwegt auf Tour – mit rasant wachsendem Erfolg.

Nach der Veröffentlichung des Albums „Saved My Life“ (Audiolith, 2011) hat es Hannes und Maik ganz schön hin- und hergeworfen: das kräftezehrende Tourleben, der New Music Award, TV-Auftritte, die Vans Warped Tour durch die USA-Tour und 2013 dann über 40 Festival-Shows von Groningen (Eurosonic) bis Budapest (Sziget).

Captain-Capa-Pressebild 01 _Credit_Timo Roth

Doch zwischen anonymen Backstage-Räumen und nebulösen Aftershow-Partys, zwischen Songwriting in Berlin und Studiowoche in Hamburg stürzt immer wieder der Kontrast des stillstehenden, ostdeutschen Provinzlebens auf die Band ein. Was als Anker funktionieren soll, wird zum Klotz am Bein – zu einer Welt, in die man immer weniger hineinpasst, je öfter man sich von ihr entfernt. Während alte Schulfreunde Häuser bauen, Geld verdienen und Kinder kriegen, verliert man sich selbst im Pendelspiel von Touralltag und Slackertum.

So werden Schattenseiten nicht nur im Mikrokosmos Band sichtbar, auch im Selbst entstehen plötzlich Risse und Brüche. Wo hast du letzte Nacht deine Würde liegen lassen? Ist deine Moral schon vor Monaten über Bord gegangen? Kannst du bitte ein einziges mal kein Arschloch sein?

Fragen, die Sänger Hannes in aufwühlender Emo-Theatralik skandiert, zerbrechlich ins Mikrofon flüstert oder in die Zerre schreit. Wenn dann auch noch bitterböse Selbstzweifel wie Gift über dunkle R’n’B-Melodien gestreut werden, kann einem das schon mal die Beine wegziehen.

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Fotos: Timo Roth