Dienstag, 22. Oktober 2013, 20:08 Uhr

Katy Perry über ihr neues Album, Berlin und den Ex: Das große Interview

Aus dem Schmusekätzchen ist eine Raubkatze geworden: Mit ihrer Single„Roar“ hat es Popstar Katy Perry wieder weltweit in die Hitlisten geschafft und brüllt sich den Liebesfrust von der Seele.

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Fragen zu ihrem Ex-Ehemann Russell Brand und ihrem neuen Musiker-Boyfriend John Mayer sind beim Interview im Berliner Soho House eigentlich nicht gestattet, heißt es. Dabei handelt die Hälfte von Katy Perrys neuen Albums „Prism“ überaus deutlich von nichts anderem!

Mrs. Perry, wie war Ihr Tag bisher?
Der Tag ist ermüdend, denn ich bin heute um 7.30 Uhr von New York nach Berlin eingeflogen. Ich fühle mich etwas sonderbar und noch zwischen den Zeitzonen. Aber es ist OK.

Und nun sitzen Sie im grauen, nassen Berlin! Das ist nichts für ein California Girl, oder?
Berlin zeigt sich gerade wirklich nicht von seiner schönsten Seite. Aber ich liebe das Soho House, in dem ich untergebracht bin. Es hat eine nette Atmosphäre, ist sehr behaglich. Generell halte ich Berlin für eine der großartigsten Städte der Welt, speziell aber in Deutschland.

Was mögen Sie daran?
Die Geschichte. Auch die Kultur, aber primär die Geschichte. Ich mag, dass es hier so viele Museen gibt.

Waren Sie denn in einem?
Nein, aber es ist gut zu wissen, dass sie da sind. Ich komme kaum aus meinem Popstar-Käfig raus. Ich bin ja heutzutage sehr beschäftigt, wenn ich in solche Städte komme. Aber zu wissen, dass das alles existiert, fühlt sich sehr kosmopolitisch an. Berlin ist da wie London.

Ihr letztes Album „Teenage Dream“ hat fünf Nummer-1-Hits in den USA hervorgebracht, was den bisherigen Rekord von Michael Jackson einstellte. Hatten Sie sich Ihr Popstarleben so erträumt?
Schon. Ich habe ja viel dafür gearbeitet, dass es so kommt. Der Erfolg hat alles verändert – und auch irgendwie gar nichts. Es hängen jetzt Scharen von Fans vor meinem Hotel, aber die Leute in meinem innersten Kreis sind immer noch dieselben. Das Maß an Verrücktheit bei den Fans ist auch nicht in allen Ländern gleich hoch, was mich normal fühlen lässt.

Erledigen Sie Arbeiten im Haushalt noch selber?
Nein, wenn ich ehrlich bin, tue ich das nicht. Es würde eine Woche dauern, wenn ich das Bad putzen würde, so unbegabt bin ich in Hausarbeiten. Ich bin auch nicht gerade begeistert davon, mit der Bürste über der Kloschüssel zu hängen. Wenn ich mal Freizeit habe, versuche ich wirklich zu entspannen und mir was Gutes zu tun. Ich arbeite so hart, dass ich mir glücklicherweise jemanden leisten kann, der mir diese Arbeit abnimmt.

Katy Perry über ihr neues Album, Berlin und Russell Brand: Unser großes Interview

Für Ihr letztes Album posierten Sie auf einer Wolke von Zuckerwatte. Diesmal sieht alles etwas weniger bunt aus.
Es hatte fast schon etwas Comic-Artiges. So was kann man nicht lange machen, ohne sich oder das Publikum zu langweilen. Ich will mich als Künstlerin ja auch entwickeln. Diesmal wird es also weniger Make-up und verrückte Kostüme geben. Ich setze auf Natürlichkeit, weil auch die Songs organischer und verletzlicher sind.

Hat der Albumtitel „Prism“ eigentlich irgendetwas mit Barack Obamas Abhörprogramm zu tun?
Nein, nie davon gehört. Ich habe mich an der originalen Definition orientiert: Ein Prisma ist etwas, das Licht reflektiert, und ich reflektiere es in den Songs.

Da sind viele Dance-Songs mit R’n’B-Einschlag auf der Platte.
Oh ja. Mir gefällt besonders „This Is How We Do“ – der hat so einen „Der Prinz von Bel-Air“-Vibe – die Fernsehshow mit Will Smith habe ich damals geliebt.

Mindestens vier Stücke handeln von Ihrer gescheiterten Ehe mit dem britischen Comedian Russell Brand. Sind Sie wütend?
Ach nein, ich lasse nur wenig Zorn raus auf dieser Platte. Die Songs zu schreiben war für mich eher Therapie. Es hat Wunden geflickt – zumindest ein wenig. Als ich im November 2012 mit dem Schreiben anfing, waren noch viele dunkle Flecken auf meiner Seele. Aber in diesem Frühling habe ich wieder Licht in mein Leben gelassen und jede Menge Positivität. Deshalb sind auch nur ein paar Lieder so ernsthaft.

Aber nun mal ehrlich: Wenn Sie in „Ghost“ singen: „So Rest In Peace“ klingt das erst mal gar nicht nett.
Das ist nur eine Metapher. Denn es geht darum, dass da jemand, der dich längst verlassen hat, als Geist weiter in deinem Leben rumspukt. Man will ihn abschütteln, aber es gelingt nicht so einfach. (Teil 2 des Interviews folgt!)

Interview: Katja Schwemmers. Fotos: Universal Music