Sonntag, 27. Oktober 2013, 17:45 Uhr

MC Rene: "Ich habe Pornos synchronisiert, um Geld zu verdienen"

Als MC Rene landete der Deutsch-Marokkaner René El Khazraje (37) u.a. mit dem DJ Tomekk-Song “1, 2, 3 Rhymes Galore (From New York to Germany)” 1999 einen Welthit.

MC Rene: "Ich habe Pornos synchronisiert, um Geld zu verdienen"

Damals hatte der Freestyle-Rapper sogar seine eigene Show bei VIVA. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um den HipHopper geworden. Anfang 2010 verschenkte er sein Hab und Gut, kaufte sich eine BahnCard 100 und lebt seitdem aus dem Koffer. Über seine Erlebnisse schrieb er das Buch “Alles auf eine Karte”, mit dem er gerade auf Lesetour ist. Reporter Thomas Kielhorn traf MC Rene in unserer sonntäglichen Videoserie “Zwischen Tür und Angel” vor seinem Auftritt in Hamburg.

Wie ist das Leben als rappender Autor?
Ich kann mich nicht beschweren. Mein Buch hat sich über 10.000 Mal verkauft. Ich habe über 80 Lesungen gehalten und habe bereits ein Exposé für ein zweites Buch geschrieben. Ich verhandele zwar noch mit Verlagen, aber momentan konzentriere ich mich wieder mehr auf meine Musik. Ich arbeite gerade an neuen Songs….

Hast Du denn eine neue Plattenfirma?
Nein, ich glaube auch nicht, dass jeder auf ein neues MC René-Album wartet. Aber vielleicht haben die Leute mal wieder Bock auf ein paar neue Songs von mir. Und die kann ich über andere Wege sofort rausbringen. Da bin ich viel flexibler, als wenn ich mich wieder an eine Plattenfirma binden würde. Ich möchte Narrenfreiheit haben. Außerdem gibt es noch so viele Geschichten, die ich erzählen will.

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Zum Beispiel die, dass Du in den letzten Jahren Pornos synchronisiert hast?
Ich fand, dass das eine künstlerische Herausforderung war. (lacht) Nein, ich habe Pornos synchronisiert, um Geld zu verdienen. Als Freestyle-Rapper war ich es ja gewohnt mit der Stimme zu arbeiten. Nur eben jetzt etwas anders…

Verliebt man sich beim Synchronisieren auch mal in die Mädchen, die man da in Aktion sieht?
Es ist schon ein rein professionelles Verhältnis, was man in der Arbeit pflegt. Das ist ja wie Schauspielerei. man muss sich ja auch beim Stöhnen in die Rolle reinversetzen und das spiegelt nicht unbedingt die eigenen sexuellen Neigungen wider, sondern die des Charakters.

Wie hießen die Filme denn, die Du synchronisiert hast?
Der Typ, bei dem wir synchronisiert haben, ist selber auch Produzent. Und seine Reihe hieß “Bauer sucht Sau” und ich glaube, dass er damit auch ganz gut Geld gemacht hat.

Wie lange willst Du denn noch mit der BahnCard 100 durch Deutschland reisen?
Das kann ich nicht so berechnen. Wenn ich jetzt zurückblicke, was in meinem Leben passiert ist mit Höhen und Tiefen– wie bei jedem anderen Menschen auch – kann ich einfach nur sagen: Ich möchte nichts davon missen. Natürlich ist keiner perfekt. Es gibt immer Dinge, die ich hätte besser oder schlechter machen können. Im Grunde genommen bin ich eigentlich ganz zufrieden, aber ich versuche auch eher, in der Gegenwart zu leben.

Stimmt es eigentlich, dass Du frisch verliebt bist?
Das ist richtig. Ich reise ja in der Weltgeschichte rum. Meine neue Freundin ist Lehrerin für Physik und Sport und ist eher der ruhigere Pol in unserer Beziehung. Sie ist gerade mein fester Dreh- und Angelpunkt, denn ich glaube, dass jeder Mensch jemanden braucht, dem er sein Herz ausschütten kann…

Interview: Thomas Kielhorn. Foto: Anna-Maria Seifert