Mittwoch, 30. Oktober 2013, 21:42 Uhr

Berliner Stadtschloss: Dieser Entwurf sorgt jetzt für Riesenwirbel

Der renommierte Münchener Architekt Stephan Braunfels sorgt seit letzter Woche für mächtig Aufregung mit einem (alten) neuen aufsehenerregenden Entwurf für das Berliner Stadtschloss. Was war passiert?

Der Mann hat vorgeschlagen, den brutal unsensiblen 113 Meter langen und etwa 30 Meter modernen hohen Ostflügel (“Kasernenwand”) zu eliminieren und damit den barocken Innenhof zur Stadtmitte hin in Richtung Fernsehturm zu öffnen. Der “Allerwelts-Schießscharten-Riegel” war Gegenstand des zu realisierenden Entwurfs des bis dato eher bedeutungslosen italienischen Architekten Franco Stella.

Die Berliner jubeln und die Betonköpfe der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum und dem Förderverein Berliner Schloss nannten Braunfels’ Entwurf “Scharlatanerie”. Tobias Nöfer, Chef des einflussreichen Berliner Architekten- und Ingenieurvereins (AIV), nannte die Braunfelsche Idee gar eine “Profilneurose eines Architekten im Rentenalter”.

Die Bauherrin des Berliner Schlosses sieht absolut keinen Anlass mehr für eine Umplanung des Projekts, das nach Braunfels Angaben 100 Millionen sparen würde, in letzter Minute. “Wir haben eine klare Entscheidung des Bundestags. Dabei bleiben wir”, sagte der Pressesprecher der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, Bernhard Wolter, letzte Woche der Nachrichtenagentur dpa.

Mit seinem Vorschlag war Braunfels beim Wettbewerb vor fünf Jahren allerdings gescheitert.

“Es gibt keinen Grund, etwas zurückzudrehen, nur weil Herr Braunfels seinen eigenen Entwurf toll findet”, zickte Wolter. Am Schlossplatz in Berlin-Mitte werde bereits das Erdgeschoss betoniert, bis 2014 soll der Rohbau stehen. Insgesamt wird derzeit mit Baukosten von 590 Millionen Euro gerechnet.

Wilhelm von Boddien, Chef des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, kenne den Entwurf schon seit 17 Jahren “und gerade deshalb hat er im Vorfeld des Wettbewerbs vor fünf Jahren dafür gesorgt, dass die Vorgaben so eng gezogen wurden, dass mein Vorschlag schon in der Vorrunde ausgeschieden werden MUSSTE”, schrieb Braunfels heute in der ‘Berliner Zeitung’.

In einer Presserklärung von Braunfels heit es: “Wenn der modernistische Osttrakt nicht gebaut wird, kann sich der Schlüterhof – der prächtigste barocke Innenhof der je in Deutschland gebaut wurde – ganz auf die noch zu gestaltende neue Mitte Berlins öffnen: eine grandiose Perspektive, vergleichbar mit der Öffnung des Louvre auf die Champs-Élysées in Paris!” (siehe Foto ganz unten)

Weiter heißt es: “Wenn sich der Schlüterhof auf die Mitte Berlins öffnet, dann öffnet sich das ganze Humboldtforum auf die Stadt! Dass das Schloss im Inneren so kleinkariert wiederaufgebaut wird ist leider nicht mehr aufzuhalten – aber zumindest das Äußere des Humboldtforums sollte Weltoffenheit ausstrahlen!”

Beim Architektenwettbewerb für den Wiederaufbau des Schlosses habe es zudem “keinerlei Idee wie die historische Innenstadt von Berlin wiederaufgebaut werden soll”, gegeben. “Die Entscheidung für Stellas Entwurf fiel also ohne jedes städtebauliche Gesamtkonzept (!). Das unfassbare Versäumnis, eine Beziehung zwischen Stadt und Schloss auch nur zu bedenken, kann und muss jetzt – in allerletzter Minute – korrigiert werden!”

Wir wollen der interessierten Leserschaft die grandios luftigen Entwürfe nicht vorenthalten! (KT mit dpa)

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Fotos: Architekturbüro Braunfels