Donnerstag, 21. November 2013, 22:19 Uhr

Monty Python: Alles über das Bühnen-Combeback im Juli in London

Wer einmal John Cleese in seiner Rolle als Beamter des ‘Ministeriums für komische Gangarten’ gesehen hat, hat ziemlich genau zwei Möglichkeiten: Entweder er ist Fan von Monty Python. Oder er hasst den absurden und teils rabenschwarzen Humor der britischen Komikertruppe abgrundtief.

Fangemeinde und Gegner haben nach vielen Jahren wieder Grund zum Diskutieren. Die fünf lebenden Mitglieder von Monty Python kommen zurück auf die Bühne. 15 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt und 30 Jahre nach der offiziellen Trennung kündigten sie für den nächsten Juli ein Live-Show in der riesigen O2-Arena im Osten Londons an. Ticketpreis: 80 Pfund (rund 95 Euro). “Nur 300 Pfund billiger als die Stones”, witzelten die Barden.

Auf viel Neues dürfen sich die Fans dabei wohl nicht einstellen – die Truppe mit einem gemeinsamen Alter von 357 Jahren setzt auf die Zugkraft dessen, was sie in ihrer Blütezeit in den 1970er und 1980er Jahren geschaffen hat. “Das Schlimmste auf einem Rockkonzert ist, wenn die Band ankündigt, dass sie jetzt ein paar Stücke von ihrem neuen Album spielt”, sagte Eric Idle. “Das ist der Zeitpunkt, wenn man aufs Klo geht.” Der Sketch aus dem “Ministerium für komische Gangarten” wird dennoch fehlen. «Ich habe ein künstliches Knie und eine künstliche Hüfte, das wird wohl nicht mehr gehen», sagte John Cleese (74).

Die fünf Barden nutzten schon die Pressekonferenz, um ganz wie in alten Zeiten herumzublödeln. In ihrer Blütezeit schafften sie es – in der Originalbesetzung noch um den inzwischen gestorbenen Graham Chapman bereichert – mit ihrem Humor zu Weltruhm. In den 1980er Jahren füllten ihre Live-Auftritte mehrmals den Hollywood Bowl in Los Angeles. Die Filme – stets scharf entlang der Grenze des guten Geschmacks – wurden zum Comedy-Kult.

‘Das Leben des Brian’, mit Chapman in der Titelrolle 1979 auf die Leinwand gekommen, gilt noch heute als die Mutter aller Persiflagen. Ganze Generationen sprachen auf dem Schulhof die Dialoge aus der Bibel-Parodie mit dem lispelnden Pontius Pilatus nach und schickten den ‘Purchen zu Poden’. Sketche aus den Liveprogrammen, etwa der mit John Cleese als geprellter Käufer eines toten Papageien (“Er ruht sich nur aus”), gehören zur Weltliteratur der Komik.

Nach dem Tod von Chapman und der Trennung im Jahr 1983 gingen die Monty-Python-Mitglieder eigene Wege. John Cleese und Michael Palin machten weiter als Filmschauspieler von sich reden, etwa in ‘Ein Fisch namens Wanda’. Cleese hatte auch einige Auftritte als Nachfolger des Bastlers «Q» in James-Bond-Streifen. Versuche einer Wiedervereinigung scheiterten jedoch – offenbar auch an internen Spannungen. 2005 kam das von Eric Idle geschriebene Musical «Spamelot» auf die Bühne – basierende auf dem Python-Film «Die Ritter der Kokosnuss».

In der Vergangenheit hatte es immer mal wieder Versuche einer Wiedervereinigung der Truppe gegeben – sie scheiterten allesamt, auch an inneren Spannungen. Warum es jetzt klappen soll, darüber spekuliert die Fachwelt. “Ich muss meine Hypothek abzahlen”, hatte Terry Jones bereits vor zwei Tagen bekanntgeben. Eric Idle fand einen noch pragmatischeren Grund: “Lange haben wir dazu nicht mehr Gelegenheit”, sagte der 70-Jährige. In London wird dennoch spekuliert, dass der Auftritt im Juli nur der Versuchsballon für größere Projekte sein könnte – wenn die Resonanz stimmt, so heißt es, sei sogar ein neuer Film im Bereich des Möglichen. (Michael Donhauser, dpa)

Foto: WENN.com