Samstag, 04. Januar 2014, 19:45 Uhr

Andreas Dorau: Germanys subversivster Schlagerstar ist zurück

Am 19. Januar wird Andreas Dorau ein halbes Jahrhundert alt, was nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch einer für ein neues Album ist, das am 17. Januar erscheint.

Wer Andreas Dorau kennt, weiß, das textlich bei ihm in der Regel immer das passiert, was man gerade nicht erwartet.

Auf seinem neuen Album ‘Aus der Bibliothèque’, die erste Platte seit 1987, die er mit einer richtigen Band (!) aufgenommen hat, besingt er u.a. die Wochentage (“Mo, Di, Mi, Doofrrr, Sa, So”) oder den “Fli-Fli-Fla-Fla-Flaschenpfand”. Und da fliegen einem zu heimeligen Countryklängen beim Song ‘Tannenduft’ schon mal Zeilen wie diese um die Ohren: “Tannenduft und Leichengeruch, was mag in der Plastiktüte sein? Ein Frauenkopf, zwei Hände, zwei Brüste und ein Bein.” Wer ist dieser Mann?

klatsch-tratsch.de traf die Musik-Ikone zur Plauderei und zum Fototermin in Berlin und hakte nach, was hinter solch eigentlich sehr banalen Liedtexten steckt.

„Ich finde Flaschenpfand gar nicht banal. Da ging es mir eher um gesellschaftliche Ächtung und die Unsicherheit die man hat, wenn man Flaschensammlern begegnet. Dabei ist es doch eigentlich toll, dass eine Person, die keinen Job hat, nicht resigniert und versucht sich selber auf die Beine zu helfen und nicht in der Bude hockt und Fernsehen schaut. Aber gegenüber Flaschensammlern gibt es so eine Distanz und ich wollte das ein wenig auflockern“, so Dorau im Gespräch mit dieser Seite.

„In dem Song ‘Reden wir von mir’ geht es beispielsweise um eine Begegnung mit einem Freund und der hat immer so angefangen „Hey, erzähl doch mal etwas von dir“, doch bevor man Luft holen konnte sagte er ‘Ach quatsch, reden wir von mir’. Und diese Begegnung habe ich in dem Text verarbeitet. Es geht im Grunde darum, dass die Personen gar kein Interesse haben, gegenseitig etwas von sich zu erfahren, sondern am liebsten nur etwas über sich erzählen wollen und ihren eigenen Scheiß erzählen“, erklärt der Sänger.

Als 15-Jähriger landete Dorau den NDW-Hit „Fred vom Jupiter“ und seine Texte machen ihn in gewisser Weise zum subversivsten Schlagersänger Deutschlands, sozusagen zum Andy Warhol unter den deutschen Sängern.

„Für mich ist es ein großes Kompliment als subversivster Schlagersänger Deutschlands bezeichnet zu werden, allerdings hat sich Schlager in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt und mit Helene Fischer möchte ich nun auch nicht unbedingt verbunden werden“, sagt er schmunzelnd.

Die meisten der Texte auf seinem neuen, wahrlich ohrwurmreichen Album stammen wieder aus Doraus eigener Feder, doch für einige Songs hat er sich auch wieder Unterstützung geholt. Bei seinen Kompositionen ist immer zuerst der Text da, dann kommt die Musik. „Ich habe immer erst ein paar Zeilen da und beginne meist mit dem Refrain. Dann überlege ich mir, ob ich darum eine Geschichte erzählen will oder ob das Lied positiver oder doch negativer werden soll. Mir ist es schon passiert, dass ich die Straße entlanggelaufen bin und eine gute Idee hatte. Dann bin ich in den nächsten Schreibwarenladen, habe mir einen Block und einen Stift gekauft, mich an die nächste Häuserwand gelehnt und den Text runtergeschrieben. Viele Ideen kommen aber auch auf Bahnfahren oder beim Fahrrad fahren“, erklärt der 49-Jährige sein künstlerischen Schaffen.

Sein neues Album ist komplett “samplefrei” und anlässlich der neuen Platte und seines Geburtstages wird Andreas Dorau zwei fulminante Konzerte am 18. Januar in Hamburg und am 25. Januar in Berlin, spielen.

Im April/Mai wird er dann auf eine längere Tour durch Deutschland gehen.

Da bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Hat Andreas Dorau Angst vorm Älterwerden? „Ja, ich habe Angst vor meinem 50. Geburtstag, aber dann habe ich gedacht, wenn ich ein Konzert spiele und Gäste und Freunde da habe, werde ich so viel soziale Verantwortung für andere haben, dass ich dann selber gar nicht mehr darüber nachdenken muss, dass ich 50 werde. Das ist Selbstschutz sozusagen“. (KV)

Fotos: klatsch-tratsch.de/Michael Fricke (Planexi)