Samstag, 11. Januar 2014, 18:20 Uhr

Marianne Rosenberg: Alles über die Diva links außen hinterm Jurypult

Noch nie hat so ein mondäne Lady wie Marianne Rosenberg in der Jury von ‘Deutschland sucht den Superstar’ gesessen. Und die Jüngeren werden sich fragen, wer ist die überhaupt, die da links außen hinterm Jurypult sitzt?

Wir geben ein wenig Nachhilfeunterricht.

Fakt ist, die deutsche Popgeschichte wäre ohne Marianne Rosenberg undenkbar. Und wer bitteschön, wippt nicht schon bei den ersten Takten von “Er gehört zu mir” mit den Füßen?

Die 58-jährige Schlagerkönigin ist seit 45 Jahren im Showgeschäft und dass sie nun im Jahr 2014 neben Dieter Bohlen in der Jury sitzt, begründete sie im Gespräch mit dem Münchener Magazin ‘Focus’ so: “‘Deutschland sucht den Superstar’ ist das Flaggschiff und die Urmutter aller deutschen Castingsshows, wenn ich nicht dort Platz nehme, wo dann?” Es sei natürlich “ungleich schwieriger sich einzubringen und an der Veränderung einer erfolgreichen Show mitzuwirken als von außen zu kritisieren.”

Zu dem üblichen Tralala bei den DSDS-Castings, bei dem total unbegabte Contestanten noch immer in die Rolle der Hampelmänner gepresst werden, hat Marianne Rosenberg auch eine ganz klare Meinung: “Es war und ist absolut mein Anspruch, weniger oder gar nicht begabte Kandidaten nicht vorzuführen, sondern ihnen auf eine respektvolle Art zu vermitteln, dass man nicht glaubt, dass sie eine Chance haben, durch den Wettbewerb durchzukommen.”

Es gäbe aber eben auch Kandidaten, die ihrer Meinung nach “vor Selbstbewusstsein strotzen” und eben nicht wahrhaben wollen, dass man eben nicht an sie glaube. “Da muss man dann manchmal deutlicher werden, als man es eigentlich möchte. Trotzdem sollte das niemals ein Grund sein, einen Menschen öffentlich vorzuführen.”

Mit 13 Jahren wurde die gebürtige Berlinerin bei einem Nachwuchswettbewerb entdeckt und landete gleich mit ihrer ersten Single “Mr. Paul McCartney” einen Hit. 1971 folgt das erste Album “Fremder Mann” und regelmäßige TV-Auftritte. Mitte der 70er Jahre wurden u.a. die großen Hits “Er gehört zu mir”, “Ich bin wie Du” und “Marleen” veröffentlicht. Allein zwischen 1971 und 1980 gab es von Marianne 17 Alben.

Anfang der 1980er fand Marianne Rosenberg den Mut, erst mal alle Räder anzuhalten und sich im aufgewühlten und inspirierenden Berlin der achtziger Jahre neu zu orientieren. 1982 tritt sie auf dem Höhepunkt der “Neuen Deutschen Welle” mit Kai Hawaii als “Duo Infernal” auf. Danach spielt Marianne bei einigen Filmen mit, zu denen sie teilweise auch die Soundtracks komponierte. 1989 wird das Album “Uns verbrennt die Nacht” veröffentlicht und das wieder “Goldstatus” erreichte.

Nach vier weiteren Alben in den 90ern beendet sie mit dem Produzent Reinhold Heil die Arbeit am Album “Luna” – ein sehr wichtiges und zum Teil auch sehr mutiges Album, auf dem die Künstlerin zum ersten Mal ihre Vorliebe für elektronische Sounds offenbart.
Im neuen Jahrtausend arbeitet sie mit dem Produzenten Peter Hoffmann an dem Album “Himmlisch” und übernimmt die Titelrolle in dem Kurt-Weill-Musical “Die Venus”.

Der gelungene Seitensprung in ein neues Genre ermutigt Marianne die Live-Produktion “La Vie En Rose” mit Jazz-Songs aus den 40ern zu entwickeln, die von Fans und Kritikern gefeiert wurde. Im darauf folgenden Jahr arbeitet sie u.a. mit Mousse T. und Die Söhne Mannheims an dem Pop-Album “Für immer wie heute”, das sich wochenlang in den Charts behauptete. 2006 erscheint eine ungewöhnliche Biografie von Marianne mit dem Titel “Kokolores”, die nicht nur bei den Fans große Beachtung findet. Kurz darauf veröffentlicht sie endlich die lang erwartete Jazz- & Chanson-CD mit dem Titel “I’m a Woman”.

Aber auch die Arbeit an einem weiteren Pop-Album hatte schon lange begonnen. Dabei hat Marianne ihre Arbeitsweise konsequent weiterentwickelt. Alle Texte stammen aus ihrer Feder, allen Songs hat sie mit ihren Partnern komponiert. Mit dem Musiker und Produzenten Dirk Riegner konnte sie während der Songproduktion eine perfekte und beinahe symbiotische Arbeitsbeziehung eingehen, die das neue Album “Regenrhythmus” beeinflusst und mit geprägt hat.

2013 geht Marianne schließlich noch einen konsequenten Schritt weiter und gründet mit Dirk Riegner das Glam-Pop-Duo „Schattenherz“, deren erstes Album „Das Leben ist schön“ im Oktober letzten Jahres veröffentlicht wird.

Marianne Rosenberg sagte weiter: “Das Showgeschäft ist so hart wie man sagt. Mit 13 Jahren gewann ich ein Casting und einen Plattenvertrag. Seit mehr als 40 Jahren, ist es mein Beruf Musik zu machen. Seit den 80ern schreibe und produziere ich meine Songs und inszeniere meine eigenen Shows. Dabei war es mir immer wichtig mich neu zu erfinden und mir gleichzeitig treu zu bleiben. Die Grenzen zwischen den Genres haben mich dabei nie aufgehalten. Musiker wie Rio Reiser, Extrabreit, Spliff, die Humpe-Schwestern, Mousse T., die Söhne Mannheims, Peter Heppner und auch Dieter Bohlen konnte ich für meine Projekte gewinnen. Mein Song „Lauf Kleine“ aus dem Album “Regenrhythmus”, hat die Formate, in denen junge, talentierte Menschen beurteilt werden scharf kritisiert. Mit diesem Titel wollte ich den Kandidaten Mut machen: ‘Mach dein Ding Kleine, in den Ring Kleine, gib nicht auf Kleine, renn und lauf Kleine…'”

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius, Markus Nass