Sonntag, 12. Januar 2014, 12:24 Uhr

Dschungelcamp-Steckbrief (4): Alles über Winfried Glatzeder

‘Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!’ startet am Freitag, 17. Januar 2014um 21.15 Uhr bei RTL in die achte Runde. U.a. sind auch Bachelor-Granate Melanie Müller und Corinna Drews, die Ex des selbsternannten “Königs von Mallorca”, dabei.

In einer losen Serie stellen wir alle elf Kandidaten vor, die diesmal an den Rand des australischen Dschungels an der Gold-Coast ziehen.

Warum Glatzeder ins Dschungelcamp geht, erklärte er so: “Eigentlich weiß ich das selber nicht. Vielleicht weil Winter in Deutschland ist? Es ist ähnlich wie bei einer neuen Theaterinszenierung: Es gibt immer zehn Leute, die ich vorher noch nicht kenne und wo dann Konflikte entstehen während der Probenarbeit. Auch im Dschungelcamp gibt es Menschen, die vielleicht ungeduldiger sind, wenn es darum geht mit anderen auszukommen. Und das ist das eigentliche Abenteuer, das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Persönlichkeiten. Außerdem macht es mir Freude, die entsetzten Gesichter meiner Schauspielkollegen zu sehen, die sich fragen, warum ich da mitmache. Das Honorar ist natürlich auch schön. Ich habe gerade in Wien einen Kinofilm abgedreht, bei dem ich gebeten wurde, für wenig Geld zu arbeiten. Ich bin ein Nachkriegskind und kann mit Entbehrungen leben, aber natürlich ist es ein gutes Gefühl, ein kleines Polster zu haben, gerade wenn man Kinder und Enkelkinder hat.“

Glatzeder, oft auch als “Belmondo des Ostens” betitelt, räumt auch ein, dass er durchaus auch Angst vor den Dschungelprüfungen hat: “Ich empfinde das gleiche, wie die Frau, die vor dem Fernseher sitzt und sagt: ‚Igitt, was isst er denn jetzt da? Das würde ich mich ja nie trauen.‘ Das ist ja der Schlüssel zum Erfolg dieser Sendung, dass ich mich stellvertretend für Leute überwinden muss und Dinge mache, wo sie sagen: ‚Muss der alte Mann das nun auch noch machen?‘“

Der Titel des Dschungelkönigs ist dem einstigen DDR-Kinostar egal: Ehre brauche ich nicht, ich will kein Vorbild oder stolz auf irgendwas sein. Das heißt, es ist verlockend relativ schnell aus dem Dschungel wieder rauszukommen um in der Sonne zu sitzen und alle anderen müssen leiden. Es ist aber auch spannend zu sehen, wenn einen die Zuschauer gut finden und drin lassen. Mal sehen, wie lange man es aushält. Der Weg ist das Ziel. Ich kann nicht dafür trainieren, sondern nur aus der Erfahrung lernen. Das fällt mir eigentlich schwer. Neuen Situationen bin ich skeptisch gegenüber und im Dschungelcamp habe ich kaum Zeit mich daran zu gewöhnen.“

Geboren wurde Winfried Glatzeder am 26. April 1945 in Zoppot bei Danzig.

Nach dem Abitur und einer Facharbeiter-Lehre als Maschinenbauer absolviert er ab 1965 ein Schauspiel-Studium an der Deutschen Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, u.a. bei den Regisseuren Fritz Marquardt und B. K. Tragelehn.

Nach einem Engagement am Potsdamer Stadttheater geht er 1971 an die Volksbühne in Ostberlin zu den Regisseuren Benno Besson, Matthias Langhoff, Manfred Karge und Fritz Marquardt und spielte in Stücken von Shakespeare, Molière, Goethe, Gorki, Kopkow, Berthold Brecht und Heiner Müller.

Von 1978 bis zur Ausreise aus der DDR 1982 hatte er einen Schauspielvertrag bei der renommierten Filmgesellschaft DEFA.

In mehr als 20 DEFA-Kino- und Fernsehfilmen wurde Glatzeder ab Mitte der 60er Jahre in der DDR neben seiner Theaterarbeit einem größeren Publikum bekannt. Man sah ihn in “Zeit der Störche”, “Der Mann, der nach Oma kam”, in “Die sieben Affären der Dona Juanita” uvm…

1973 kam dann der Film, auf den er heute noch angesprochen wird und der vermutlich auch seine Karriere am meisten beeinflusst hat: “Die Legende von Paul und Paula” unter der Regie von Heiner Carow. Anschließend spielte Glatzeder in diversen Produktionen unter anderem den “Till Eulenspiegel” nach der Film-Erzählung von Christa Wolf unter der Regie von Rainer Simon oder in Serien wie “Unbekannte Bürger” unter Ulrich Thein oder “Die sieben Affären der Doña Juanita” von Frank Beyer.

1982 übersiedelte Glatzeder mit seiner Familie nach West-Berlin. Es folgt ein Engagement am Schiller-Theater. In den Jahren 1982-1991 spielte er in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen wie z.B. in “Rosa Luxemburg”, “Vergesst Mozart”, “Luther”, “Bali”, “Haus Excelsior”, “Der Kunstfehler”, “Va Banque”, “Gossenkind”, “Der Tod des weißen Pferdes” oder “Tanz auf der Kippe” und arbeitete mit namhaften Regisseuren wie István Szabó, Margarete von Trotta, Peter Beauvais, Diethard Küster, Peter Kern, Eberhard von Itzenplitz und Berengar Pfahl.

In den Jahren 1986 bis 1996 war er ständiger Gast am Schauspielhaus Düsseldorf. Ab 1997 spielte er Theater an mehreren Häusern, u.a. Theater am Kurfürstendamm, Renaissance-Theater Berlin, Komödie am Winterhuder Fährhaus in Hamburg, Komödie Dresden und Theater in der Josefstadt. Mit den Komödien “Mein Freund Harvey”, “Pension Schöller”, “Freunde zum Essen”, “Treue, oder der Hochzeitstag” tourte er durch ganz Deutschland.

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Glatzeder als Haupt-Kommissar Ernst Roiter im Berliner Tatort, den er ab 1996 zwölf Mal verkörperte.

2006 spielte er bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg den Schurken Santer. Im darauffolgenden Jahr spielte Glatzeder nach 30 Jahren wieder zusammen mit Angelica Domröse am Hans Otto Theater Potsdam im Stück “Filumena”. 2008, 2010 und 2011 übernahm er bei den Jedermann-Festspielen im Berliner Dom die Hauptrolle des “Jedermann”. Am Meininger Theater inszenierte er dieses Stück und spielte zugleich die Hauptrolle.

Seine Autobiographie “Paul und ich” ist 2008 im Berliner Aufbau-Verlag erschienen.

Ab März 2014 tourt Winfried Glatzeder mit “Die Nervensäge” durch Deutschland, ab Mai nächsten Jahres wird er 60 Mal mit dem Stück “Toutou” am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg zu sehen sein.

Winfried Glatzeder ist verheiratet und lebt in Berlin.

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius. ‘Alle Infos zu ‘Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!’ im Special bei RTL.de.