Dienstag, 14. Januar 2014, 20:14 Uhr

Berliner Fashion Week eröffnet, aber "es sind zuviele Blogger da"

Ein lindfarben geblümter Hosenanzug oder ein wehender Leopardenmantel für den Herrn, Kapotthütchen mit Blumenstrauß und zehenfreie Plateaustiefel für die Dame – bei der Berliner Fashion Week beginnt die Modenschau schon lange vor dem Laufsteg.

Das Publikum im Modezelt am Brandenburger Tor ist so bunt, schräg und schrill wie die Stadt selbst. Sehen und gesehen werden ist für vier Tage das erste Gebot.

Als am Dienstagmorgen um 10.00 Uhr vier Herren die Schutzfolie vom jungfräulich weißen Laufstegteppich ziehen, wird schnell klar, wie unterschiedlich auch auf dem Runway die Vorstellungen sind. Der aus Laos stammende Designer Hien Le (siehe Fotos) zeigt zur Eröffnung der Modewoche eine radikal puristische Kollektion für den kommenden Herbst und Winter. Raffinierte Schnitte, weichfallende Stoffe – kein Knopf, kein Kragen, keine Schnalle stört die klare Linie. Bei den Farben dominieren dunkles Türkis, Rost und Mauvetöne.

Die Österreicherin Lena Hoschek, die bei der britischen Mode-Legende Vivienne Westwood in die Schule ging, schwelgt dagegen weiter in weiblichen, verspielten Formen. Der weit schwingende Glockenrock bleibt uni oder geblümt das Markenzeichen, die durchsichtigen Spitzenblusen dazu werden vorzugsweise „unten ohne“ getragen. Dazwischen mischen sich Bleistiftröcke und atemberaubende Abendkleider. Die Models dürfen bei Hoschek auch mal ein paar Gramm mehr auf den Hüften haben – viel Applaus und ein riesiger Blumenstrauß für den Berliner Modeliebling.

Insgesamt stehen bei der Mercedes-Benz Fashion Week 50 Laufstegschauen auf dem Programm. Und die Namensliste liest sich wie das „Who is Who?“ der Berliner Kreativszene: Kaviar Gauche, Kilian Kerner, Lala Berlin, Achtland, Perret Schaad, Marcel Ostertag, Augustin Teboul. Allerdings fehlen erneut internationale Aushängeschilder wie Hugo Boss, Rena Lange und Escada.

Daneben gibt es zahlreiche Showrooms und rund ein Dutzend Einzelmessen. Bei der größten, der Bread & Butter auf dem ehemaligen Flughafengelände am Tempelhofer Feld, herrschte am Dienstag riesiger Andrang. Schon lange vor Öffnung der Tore warteten Einkäufer, Händler und Fashionistas auf die Präsentation der neuen Straßen- und Sportmode. Bis in den frühen Morgen hatten Tausende in der riesigen Messehalle Eröffnungsparty gefeiert. Mit dabei US-Soulstar Cody Chesnutt und der Pionier der Synthesizer-Disco-Musik, Giorgio Moroder.

Die großen Stars machten sich zum Auftakt der Modewoche eher rar. Model Rebecca Mir und Tänzer Massimo Sinato schauten im Fashionzelt vorbei, auch Schauspielerin Julia Malik und ihre Kollegin Friederike Kempter. In den nächsten Tagen kann die Promi-Dichte erfahrungsgemäß zunehmen. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Uwe Ochsenknecht, Iris Berben und für das Label Esther Perbandt in der Volksbühne sogar Götz George alias Kommissar Schimanski.

Überraschung am Laufsteg: Die inzwischen 77-jährigen Kessler-Zwillinge Alice und Ellen ließen sich erstmals als Models anwerben – sie präsentierten bei der Sava Nald Fashion Show im Hotel Adlon klassisch-elegante Garderobe. Und das bekannte Tatoo-Model Lexy Hell war bei Marc Stone für einen züchtigen Männerauftritt gebucht. Sie liebe die Modewoche für ihre Vielfalt, sagte die gebürtige Österreicherin der dpa. „Aber langsam muss Berlin etwas tun. Es sind zu viele Blogger hier, zu viele Leute, die nichts mit Mode zu tun haben.“ (Nada Weigelt, dpa)

Fotos: Bernd von Jutrczenka (3), WENN.com