Dienstag, 14. Januar 2014, 23:37 Uhr

"... und Äktschn!" : Der letzte Kinosaurier trifft auf Adolf Hitler

Endlich kehrt Gerhard Polt auf die große Leinwand zurück, dem Medium, mit dem er schon in den 80er Jahren mit seinen legendären Filmen ‘Kehraus’ und ‘Man spricht Deutsh’ große Erfolge gefeiert hat. ‘… Und Äktschn!’ ist eine Provinzposse mit Kultpotenzial!

Zwischen beißender Ironie und melancholischem Witz bietet die österreichisch-deutsche Koproduktion (Regie: Frederick Baker) nicht nur ein Wiedersehen mit Gerhard Polt im Kino, sondern auch eines der schillerndsten Komödien-Ensembles der letzten Jahre!

Und darum geht’s: Finanzblase und Umschuldungsprogramme, die mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar sind, findet man nicht nur in der Hochfinanz, sondern auch in der kleinen bayerischen Gemeinde Neufurth. Dort beobachtet jeder den anderen ganz genau, sozialer Neid bestimmt das Leben und letztlich steht allen finanziell das Wasser bis zum Hals.

Der leidenschaftliche Amateurfilmer und letzter Kinosaurier Hans A. Pospiech (Gerhard Polt), der von sich selbst sagt „Zum Genie fehlt mir das Geld!“, hält sich nur über Wasser, indem er Weltkriegs-Memorabilien aus dem Nachlass seines Vaters verscherbelt.

Sein größter Konkurrent um den Rang des Filmexperten im örtlichen Amateurfilmclub ist dessen Direktor Nagy (Nikolaus Paryla), im Hauptberuf erfolgloser Immobilienmakler mit missgünstigem Charakter. Treffpunkt des Provinz-Hahnenkampfs ist die Schankwirtschaft von Grete Neuriedl (Gisela Schneeberger), die mit lauter klammen Kunden auch keinen Blumentopf gewinnen kann. Zu den örtlichen Pleitegeiern gehören: Pospiechs Neffe Alfons (Maximilian Brückner), der Musikalien-Händler Fleischbauer (Robert Meyer) und Hobbyhistoriker Brunnhuber (Olaf Krätke).

Die Posse beginnt, als Sparkassen-Direktor Faltermeier (Michael Ostrowski) ein kreatives Finanzmanöver ersinnt, das seine Bilanzen wieder auf Vordermann bringen soll: Kulturförderung heißt der Trick. Er schreibt einen Filmwettbewerb aus, wobei der Sieger für ihn schon feststeht: der mit dem größten Schuldenberg, also Pospiech.

In Faltermeyers Augen ein pekuniärer Tiefseetaucher… ohne Atemgerät. Nur Pospiech sieht endlich seine große Chance, Filmgeschichte zu schreiben. Und die will er sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Ein Film über Adolf Hitler als Privatmensch!? Da ist doch der persönliche Untergang gleichsam vorprogrammiert…

Gerhard Polts Charakter Hans A. Pospiech bringt seine Philosophie auf den Punkt: “Mei Vater hat’s immer gsagt: Ohne Film gäb’s gar keine Realität, weil die wird nur im Film bewiesen, weil, wenn’s beispielsweis bestimmte Personen oder Sachen im Film nicht gibt, hätt sie’s auch nicht gegeben, verstehen Sie? Ohne den Peter Ustinov wüsste doch heute kein Mensch mehr wer Rom angezündet hat.”

Zum satirischen Umgang mit der NS-Zeit meinte Christoph Schlingensief meinte mal “Hitler muss man kaputt reden.”

Regisseur Fredereick Baker sieht das ein klein wenig anders: “Ich finde, man sollte Hitler nicht nur kaputt reden, sondern auch spielen und recherchieren. Der Mann las Karl May als Inspiration, wenn es um militärische Führung ging! Er schickte Winnetou-Ausgaben an seine Generäle an der Front. Hitler war ein richtiger Provinzler und ist es geblieben. Die Wahrheit ist, je näher man an ihn ran kommt, desto provinzieller, absurder und witziger wird er. Humor ist eine wahre Wunderwaffe. Das wusste Hitler auch, denn auf Hitler-Witze stand die Todesstrafe. Auch im Namen aller, die für ihre Hitler-Witze starben, ist es wichtig, dass wir diese ‘wehrkraftzersetzende’ Tradition fortsetzen.”

Deutscher Kinostart ist am 6. Februar 2014.

Fotos: Majestic Filmverleih