Mittwoch, 15. Januar 2014, 18:50 Uhr

Widerlich: Testosteron hoch drei in "The Wolf Of Wall Street“

‘The Wolf Of Wall Street’ ist die fünfte Zusammenarbeit von Oscar-Preisträger Martin Scorsese (71) und Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio (39). Am Donnerstag kommt das Spektakel in die Kinos, für das DiCaprio am Wochenende gerade einen Golden Globe einheimste.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt „The Wolf Of Wall Street“ die Geschichte des New Yorker Börsenmaklers Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio, „Departed – Unter Feinden“). Der Broker Belfort ist unendlich gierig und er lernt sehr schnell von seinem Mentor Mark Janna (Matthew McConaughey (44, „Magic Mike“) sich einen Dreck um Verantwortung zu scheren.

Wichtig allein ist das Geld anderer Leute für die eigene Provision, sagen wir mal, umzuschichten. Erfolg kennt nur eine Maxime: hemmungslose Habgier. Als Broker feiert Belfort Ende der 80er-Jahre exzessive Erfolge mit seiner Maklerfirma „Stratton Oakmont“ und lebt schon mit Anfang 20 ein Leben in überbordendem Luxus und Überfluss – was ihm den Titel „The Wolf of Wall Street“ einbringt.

Die Bezeichnung “Wolf” ist durchaus als Kritik gemeint, entpuppt sich aber als größte Attraktivität in seinem Business: Jobsuchende rennen ihm die Bude ein. Scorsese zeichnet ein widerliches Bild von lauter durchgeknallten Peter Pans; Jungs die einfach nicht erwachsen werden wollen. Die Gründungspartner der Firma sind allesamt vom Typ Verkäufer, die zu Belfort mit Nibelungentreue stehen.

Belforts rechte Hand ist ein Pummelchen mit Intelligenz-Prothese in Form einer Fensterglas-Brille Donnie Azoff (Jonah Hill, „21 Jump Street). Fast alle Charaktere reflektieren direkt in die Kamera über ihr Tun, ihre Absichten, Sorgen usw.; Donnie nicht.

Ein Leben wie eine Karikatur: Armselig die schier endlosen “Wir-sind-die-Größten”-Sprüche, unterirdisch die Herrenwitze – wozu Frauen da sind ist ja wohl auch sonnenklar. Und da wären dann noch die Drogen. Massen über Massen von Betäubungsmitteln: eine Pille zum Munterwerden, eine zum Beruhigen, Kokain zum Durchhalten, Crack zum Beflügeln usw., usf.. Belforts Geschäfte sind von Grund auf verlogen und illegal, irgendwann stehen das FBI und die Börsenaufsicht vor der Tür.

Der Film hat unendlich viele Längen, Scorsese wiederholt immer wieder das Zeigen von Orgien, Supermännlichkeitsbeweisen und Abstürzen der allerpeinlichsten Art ehe das FBI endlich dem Treiben ein Ende bereitet. (KW)

Fotos: Universal Pictures