Samstag, 18. Januar 2014, 16:58 Uhr

"Das finstere Tal": Western-Rachedrama in einem entlegenen Alpendorf

Ein düsteres Geheimnis, ein entlegenes Hochtal und ein schweigsamer Fremder. Am 13. Februar startet in den deutschen Kinos der Film ‘Das finstere Tal’.

Über einen versteckten Pfad, irgendwo hoch oben in den Alpen, erreicht ein einsamer Reiter ein kleines Dorf, das sich zwischen unwirkliche Gipfel duckt. Niemand weiß, woher dieser Fremde kommt, der sich Greider nennt, und niemand will ihn hier haben. Unverhohlenes Misstrauen schlägt ihm entgegen. Die Söhne des Brenner-Bauern, der als Patriarch über Wohl und Wehe der Dorfbewohner entscheidet, hätten ihn wohl weggejagt, wenn Greider ihnen nicht eine Handvoll Goldmünzen gegeben hätte.

Greider, der sich als Fotograf ausgibt, wird bei der Witwe Gader und ihrer jungen Tochter Luzi von den Brenner-Söhnen den Winter über untergebracht. Luzi, die kurz vor ihrer Heirat mit ihrem Lukas steht, ist voll Furcht, ob des bevorstehenden Ereignisses. Denn eine Hochzeit ist in diesem Dorf mit einer furchtbaren Tradition verknüpft. Wer sich dem widersetzt, ist einer erbarmungslosen Abstrafung ausgesetzt.

Nachdem der Schnee das Dorf eingeschlossen hat und kaum ein Sonnenstrahl mehr das Tal erreicht, kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem einer der Brenner-Söhne stirbt. Als der nächste Sohn auf mysteriöse Weise umkommt, wird klar, dass es sich wohl nicht um einen Zufall gehandelt hat: Die Brenner-Familie muss büßen – Greider hat eine Rechnung aus längst vergessen geglaubten Zeiten zu begleichen …

Die Verfilmung des spektakuläre Romandebüts des Kulturjournalisten Thomas Willmann mit Sam Riley in der Hauptrolle des Greider ist eine furiose Mischung aus vielschichtigem Western und packendem Drama. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft in einem karstigen Alpenhochtal am Ende des 19. Jahrhunderts. Die rigide Herrschaft des Brenner-Bauern und seiner Söhne bestimmt den Mikrokosmos dieses fesselnden Epos von Schuld, Rache und Liebe – eine Welt, die sich mit dem harten Leben hoch oben arrangiert hat und ein düsteres Geheimnis deckt, das alles und jeden in seiner unbarmherzigen Umklammerung hält.

Und selbst die Hochzeit der jungen Luzi (Paula Beer) liegt wie ein dunkler Schatten über den Bewohnern des Tals. Alle wissen warum. Auch Greider?

Unter der Regie von Andreas Prochaska brillieren Sam Riley (On The Road, Control) mit seiner coolen, großartigen Präsenz als Greider und Paula Beer (Poll) mit ihrer facettenreichen, eindringlichen Darstellung der Luzi zusammen mit dem hochkarätigen Cast um Tobias Moretti, Clemens Schick, Florian Brückner bis zu Erwin Steinhauer und Hans-Michael Rehberg.

Ein Mitarbeiter von Produzent Stefan Arndt hat ‘Das finstere Tal’ mal als ‘Django Unchained’ trifft ‘Das weisse Band’ umschrieben und damit die beiden wichtigsten Schlagrichtungen dieser Verfilmung auf den Punkt gebracht – auf der einen Seite Rachethriller mit einem unbekannten ‚Fremden’, auf der anderen authentisches Heimatdrama in einem archaischen Alpenhochtal Ende des 19. Jahrhunderts.

„Normalerweise versuchen ja alle, den internationalen Markt zu erobern in dem man auf englisch dreht und auch deutsche Schauspieler englisch sprechen lässt“, sagt Regisseur Andreas Prochaska. „Wir sind aber den umgekehrten Weg gegangen und holten mit Sam Riley als Greider einen britischen Star und haben ihn deutsch sprechen lassen. Das war auch für mich sehr reizvoll, weil man diese zwei Welten durch die Besetzung bedienen kann. Der Fremde ist sozusagen aus dem Wilden Westen. Der Akzent, wenn er deutsch spricht, ist nicht gemacht, sondern echt. Und diese Begegnung des Fremden mit den Österreichern hat ein ganz eigenes Spannungsfeld.“

Als Luzi Gader, die auf der Leinwand noch wichtiger fu?r die Geschichte als im Roman ist, wurde die 18jährige Berlinerin Paula Beer gefunden, die für ihren Part in Chris Kraus ‘Poll’ als neue junge Schauspielentdeckung und Naturtalent gefeiert wurde.

Gedreht wurde der Film 2013 an 44 Tagen, verteilt auf einmal sechs Wochen im Winter und noch mal zwei Wochen im Frühjahr für die Herbst- und Frühlingszenen des Films. Und eine der schwierigsten Szenen des gesamten Drehs wurde, trotz all der Härten davor ausgerechnet eine Szene, die im Frühjahr gedreht wurde, erklärt Mitproduzent Helmut Grasser.

„Die ärgste Szene war die mit dem Schlamm. Das war einfach ein Horrordrehtag. Das Wetter hatte uns ein Schnippchen gespielt. Es durfte auf keinen Fall schneien, weil die Szene im Herbst spielen sollte, dann hat es aber angefangen in Kübeln zu regnen und später kam auch noch Schnee dazu. Es war ein Elend unter diesen Bedingungen zu drehen, aber die Bilder, die wir bekommen haben, waren grandios. Das, was wir da an sichtbarer Stimmung und Unwirtlichkeit für die Leinwand bekommen haben, hätten wir uns normalerweise niemals leisten können.“

Hauptdarsteller Sam Riley sagte dazu: “Ich muss gestehen, dass ein Kindheitstraum damit wahr wurde. Als kleiner Junge habe ich mir das gemeinsam mit meinen Brüdern vorgestellt, so als ruhiger, geheimnisvoller Held mit Gewehr und Pferd umher zu reiten. Diese Rolle jetzt spielen zu dürfen, war großartig für mich. Western bekommt man schließlich nicht häufig angeboten – es war also eine echte Chance.”

Fotos: X-Filme