Sonntag, 19. Januar 2014, 14:20 Uhr

Bei "Miss Germany" wird der Laufsteg zur Berufsbörse

Topmodel-Casting und Superstar-Suche im Fernsehen, Schaulaufen der Schönheitsköniginnen auf der Bühne: Die Organisatoren der Wahl zur „Miss Germany“ spüren das starke Interesse junger Frauen an einer Karriere im Rampenlicht.

Die Zahl der Kandidatinnen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Der Beruf Model ist heiß begehrt“, sagt Veranstalter Ralf Klemmer (49). Davon profitiere die Miss-Wahl, die seit 1927 jährlich über die Bühne geht. Sie ist der traditionsreichste und bedeutendste Schönheitswettbewerb der Republik. Und die „älteste aller Castingshows“, sagt Klemmer.

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Am Wochenende im Europa-Park in Rust bei Freiburg: Fotografen rücken die jungen Frauen ins rechte Bild, an den Kleidern wird letzte Hand angelegt. Hochhackige Schuhe sind Pflicht. Es ist das erste Mal, dass sich alle Kandidatinnen treffen. Es geht um die diesjährige Wahl zur „Miss Germany“. Gewählt wird am 8. Februar in Rust. Es treten 24 Kandidatinnen im Alter von 17 bis 27 Jahren an. Sie müssen sich dann im Abendkleid und auch in Bademode einer Jury präsentieren.

Deutschlandweit haben sich in 165 Vorwahlen 5450 Frauen beworben. Im Jahr zuvor waren es 5115 Bewerberinnen gewesen. Im Schnitt bemühen sich jedes Jahr 5000 bis 6000 Kandidatinnen um einen Platz im Finale. Vor 2009 waren es deutlich weniger.

„Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert“, sagt Klemmer. „Das Interesse ist gewachsen, gleichzeitig aber auch die Ernsthaftigkeit und Disziplin der Bewerberinnen.“ Viele von ihnen hätten die Karriere und ihren Wunschberuf als Model, Moderatorin oder Schauspielerin fest im Blick und sähen die Miss-Wahl als Sprungbrett. „Die Sehnsucht nach dem Rampenlicht war noch nie so stark.“ Dies zeigten auch die entsprechenden Shows im Fernsehen.

Von diesen will sich der 87 Jahre alte Schönheitswettbewerb absetzen. „Im Gegensatz zu einigen Casting-Shows sollen sich die Kandidatinnen hier so zeigen, wie sie sind„, sagt Klemmers Ehefrau, Ines Kuba-Klemmer. Die 42-Jährige, die 1991 „Miss Germany“ und ein Jahr später „Queen of the World“ wurde, arbeitet heute in der Miss-Wahlen-Organisation.

„Früher ging es bei den meisten Kandidatinnen allein um den Spaß, dabei zu sein. Heute ist der Schönheitswettbewerb eine Berufsbörse“, sagt sie. Die Teilnehmerinnen seien bereit, hart an sich und der Karriere zu arbeiten. Dazu gehöre das Training vor der Wahl.

Von diesem Montag (20.1.) an bereiten sich die Teilnehmerinnen im brandenburgischen Krausnick bei Berlin zehn Tage lang mit einem „Missen Camp“ auf die Wahl vor. Auf dem Programm stehen Laufübungen für den Laufsteg, Schminktipps, Fitnesstraining, aber auch Ernährungsberatung, Benimmkurse, Gesangstraining und Wissensvermittlung. Gefördert werden soll der Teamgeist.

Denn: „Mit Alleingängen, Eskapaden, theatralischem Drama und Rumgezicke wird man nicht Siegerin“, sagt Kuba-Klemmer. Manche müssten das erst lernen. Vor einigen Jahren ist eine der Kandidatinnen vor der Wahl aus dem Rennen genommen worden, weil sie die Bühne für sich alleine wollte.

Drei der diesjährigen Kandidatinnen bringen entsprechende Routine bereits mit. Mareen Wehner (27) aus Heilbronn, Magdalena Motl (23) aus Radebeul bei Dresden in Sachsen und Sarah Stroh (23) aus Wettenberg in Hessen haben vor Jahren schon einmal teilgenommen und wollen es nun erneut wissen.

„Es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, sagt eine von ihnen, Mareen Wehner. Vor zwei Jahren kam sie unter die letzten Drei, die Siegerkrone verfehlte sie jedoch knapp. „Obwohl ich damals nur Vize-Miss wurde, hatte ich nach der Wahl viele Auftritte und Karrierechancen“, sagt die Studentin. Parallel zum Studium modelte sie verstärkt und trat als „Vize-Miss Germany“ auf. Ihren beruflichen Werdegang habe das Schaulaufen auf dem Laufsteg befördert. (Jürgen Ruf, dpa)

Foto: Patrick Seeger