Sonntag, 19. Januar 2014, 18:26 Uhr

Ist Chrysta Bell die aufregendste Pop-Diva des neuen Jahres?

Es gibt momentan nur wenige Sängerinnen, die so eine mystische Aura umgibt wie Chrysta Bell.

Einerseits erscheint sie unnahbar und in anderen Sphären schwebend, andererseits zieht sie einen mit ihrer sirenenhaften Anmut in den Bann und lässt einen nicht mehr los, wenn man sich ihrer klanglich und visuell einzigartigen Welt einmal hingegeben hat.

Chrysta Bell wuchs im texanischen San Antonio auf. Ihre Mutter war professionelle Sängerin, ihr Stiefvater besaß ein Tonstudio, weswegen es nicht überrascht, dass sie bereits im Alter von elf Jingles einsang und mit 13 beim Musiktheater auf der Bühne stand. Star-Regisseur David Lynch wurde erstmals auf sie aufmerksam, als sie als Leadsängerin der Gypsy-Swing-Truppe 8 ½ Souvenirs fungierte.

Im Jahr 2000 begann dann die intensive Zusammenarbeit der beiden, die bis heute anhält und zum großen Teil auf Lynchs anhaltender Begeisterung für Chrysta Bell fußt: “Sie ist nicht nur eine unglaubliche Künstlerin, sondern besitzt auch die intuitive Fähigkeit, eine bestimmte Stimmung einzufangen und dabei eine Melodie zu finden, die einfach nur spektakulär ist.”

Kennt man David Lynch und seine Arbeiten, ist es nicht verwunderlich, dass die rothaarige Sängerin eine solche Faszination auf ihn ausübt: Sie verkörpert seine Vision der Urform der Femme Fatale, die, sobald sie auf der Bühne steht, Referenzen an Julie London, Rita Hayworth und Isabella Rossellini vor Augen ruft. Bei einem Auftritt in London wurde sie kürzlich sogar mit Portishead und Massive Attack verglichen.

In David Lynch hat sie vor gut 13 Jahren einen musikalischen Ziehvater gefunden, der ihre herausragenden Eigenschaften mit seinen Produktionen filigran herausmeißelt, bestens zu hören auf ihrem Erstlingswerk “This Train”, das in Deutschland am 31. Januar erscheint. Ein erster Appetizer war die vor einem Monat erschienene EP “Friday Night Fly”.

Die elf Songs des Albums knüpfen an Lynchs Filme und TV-Produktionen an und beschwören mit ihren dunklen und gleichzeitig graziösen Klanglandschaften eine dramatische Atmosphäre, die ihre zärtlich gehauchten Zeilen und gefühlvollen Melodien perfekt in Szene setzen.

Fotos: Elias Tahan, Arseni_Jabiev