Sonntag, 19. Januar 2014, 20:36 Uhr

"Spuren": Die Geschichte eines 2.700km einsamen Fußmarschs

Sie suchte die Einsamkeit – und wurde weltberühmt.

Mit ihrem Buch ‘Spuren’ über ihre einzigartige Reise durch die Wüste ihrer Heimat, begeisterte und inspirierte die Australierin Robyn Davidson Millionen von Lesern. Nun endlich kommt diese auch heute noch bemerkenswerte emotionale und körperliche Gewaltritt auf die Leinwand.

Shootingstar Mia Wasikowska (24, Alice im Wunderland, The Kids Are Alright) verkörpert dabei die Entschlossenheit und Verletzbarkeit Davidsons auf unvergleichliche Weise. Unterstützung bekommt sie dabei von Adam Driver (30, Inside Llewyn Davis), einem der derzeit angesagtesten Jungdarsteller Hollywoods.

‘Spuren’ feierte seine Weltpremiere auf dem Filmfestival von Venedig 2013 und entwickelte sich auch auf den Festivals von Toronto und London zum Publikumsliebling. Produziert wurde der Film von den Oscar-Gewinnern Emile Sherman und Iain Canning (The Kings Speech). Die Regie übernahm John Curran (Der bunte Schleier). Der deutsche Kinostart ist am 10. April 2014. In unserer losen Preview-Reihe stellen wir den Film ausführlich vor.

Und darum geht’s: 1975 kommt die junge Robyn Davidson (Mia Wasikowska) mit einem scheinbar verrückten Traum nach Alice Springs: Sie will zu Fuß die australische Wüste bis zum Indischen Ozean durchqueren – 2.700 Kilometer durch eine lebensfeindliche Wildnis, begleitet nur von vier störrischen Kamelen und ihrem geliebten Hund. Ihre Freunde und Eltern können Robyn ebenso wenig zurückhalten wie die vielen Widrigkeiten, die mit ihrem Plan verbunden sind.

Als sie nach langer Vorbereitung plötzlich mit leeren Händen dasteht, macht Robyn einen Deal mit dem Fotografen Rick Smolan (Adam Driver): Er finanziert ihre Reise und darf sie dafür gelegentlich für ein Magazin fotografieren. Fern der Zivilisation erkennt Robyn langsam, was sie wirklich zum Glücklichsein braucht. Doch nicht nur die Fototermine mit Smolan stören ihr neu gewonnenes Gleichgewicht. Je länger die Reise dauert, desto öfter gerät Robyn in lebensgefährliche Situationen…

Obwohl das Ziel fast direkt vor ihr liegt und das Blau des Indischen Ozeans endlich zum Greifen nahe ist, verliert Robyn zusehends den Willen, ihre Reise zu Ende zu bringen. Ganz zu schweigen davon, dass sie seit einiger Zeit von einer Traube von Reportern belagert wird, denn ihr außergewöhnlicher Trip macht mittlerweile Schlagzeilen weit über die Region hinaus. Immer wieder stören die Reporter sie bei ihrer Wanderung, ohne ihre Motivation zu verstehen.

Die Suche nach der passenden Besetzung begann schon, als sich das Drehbuch zu ‘Spuren’ noch mitten in der Entwicklung befand. Denn die geeignete Hauptdarstellerin zu finden, war der Schlüssel zum Gelingen des gesamten Films. Die Produzenten zogen die unterschiedlichsten, internationalen Möglichkeiten in Erwägung, doch schon früh fiel der Name der Australierin Mia Wasikowska, wie sich die Produzenten Emile Sherman und Ianin Canning erinnern.

„Uns war immer wichtig, dass die Wahl unserer Hauptdarstellerin noch Einfluss nimmt auf das Skript, schließlich stellt die Protagonistin das Herz und die Seele dieses Films dar. An Mia Wasikowska dachten wir schon relativ früh in der Entstehungsphase des Films, doch damals war sie eigentlich noch ein wenig zu jung für die Rolle. Aber glücklicherweise dauert die Entwicklung eines Films ja immer länger als man zunächst vermutet, und als wir schließlich soweit waren, hatte Mia dann doch das richtige Alter. Wir hatten nicht das Gefühl, dass es irgendjemanden geben könnte, der besser als Mia all das auf die Leinwand bringen könnte, was Robyns Persönlichkeit ausmacht. Diese Figur ist in vielerlei Hinsicht schwer zu fassen, deswegen brauchten wir eine Schauspielerin, die diese Rätselhaftigkeit verkörpern konnte und uns trotzdem mit in dieses unglaublich inspirierende Abenteuer führen würde.“

Robyn Davidson wurde auf einer Viehfarm im australischen Bundesstaat Queensland geboren. Sie besuchte das Saint Margaret’s Girl’s School Internat in Brisbane, wo sie 1966 gleich mit zwei Stipendien bedacht wurde, darunter einem für das Brisbane Conservatorium of Music.

Die Stipendien lehnte Davidson beide ab und übernahm stattdessen zwischen 1967 und 1972 lieber etliche Gelegenheitsjobs, während sie sich an allerlei Studiengängen an den unterschiedlichsten Institutionen versuchte: ein Jahr lang Zoologie und Philosophie an der Queensland University, ein Jahr Klavier am Sydney Conservatorium of Music und zwei Jahre lang Japanisch, abermals an der Queensland University.

Mitte der 1970er Jahre ging sie nach Alice Springs im Northern Territory um sich auf eine von Kamelen begleitete Wanderung zur Westküste vorzubereiten. Dort brach sie Anfang 1977 auf und reiste alleine über 2.700 Kilometer durch die Wüste. Ihr Ziel an der Westküste erreichte sie neun Monate später.

Die Geschichte dieser Reise wurde erstmals 1978 im Magazin National Geographic und im folgenden Jahr auch von der Sunday Times in London veröffentlicht. Beim National Geographic wurde die Ausgabe mit Davidson auf dem Cover zur bestverkauften seit mehreren Jahren. Rund 90 Zeitschriften auf der ganzen Welt nahmen die Geschichte in der Drittverwertung ebenfalls auf ihren Titel. Später baute die Australierin ihre Aufzeichnungen weiter aus und veröffentlichte sie unter dem Titel ‘Spuren – Tracks’ als Buch.

Fotos: Ascot-Elite