Dienstag, 21. Januar 2014, 12:46 Uhr

"Dallas Buyers Club": Ein Blick hinter die Kulissen

Ab 6. Februar 2014 kann man sich in ‘Dallas Buyers Club’ von der wahren Geschichte des Ron Woodroof (Matthew McConaughey) berühren, der sich trotz einer niederschmetternden Diagnose nicht unterkriegen ließ. Als Held wider Willen stellte er sich mit viel Zivilcourage gegen das System und kämpfte nicht nur für sein eigenes Leben, sondern auch für die Rechte der AIDS-Kranken.

In der Rolle des Ron Woodroof glänzt Matthew McConaughey, der am 16. Januar mit dem Critics’ Choice Award (in der Kategorie “Bester Hauptdarsteller”) eine weitere Auszeichnung für seine herausragende schauspielerische Leistung in  ‘Dallas Buyers Club entgegennehmen durfte. Als “Bester Nebendarsteller” erhielt zudem Jared Leto für seine Darstellung des transsexuellen Rayon einen Critics’ Choice Award. Auch bei den am Wochenende verliehenen Screen Actors Guild Awards konnten Matthew McConaughey (“Bester Hauptdarsteller”) und Jared Leto (“Bester Nebendarsteller”) wieder triumphieren. Dadurch steigen für die beiden Schauspieler, die erst vor Kurzem mit je einem Golden Globe® ausgezeichnet wurden, auch die Gewinnchancen bei der diesjährigen Oscar®-Verleihung. Insgesamt wurde  ‘Dallas Buyers Club’ für sechs der begehrten Academy Awards nominiert.

In einer bewegenden Featurette können wir  nun zusammen mit den Stars einen Blick hinter die Kulissen von ‘Dallas Buyers Club’ werfen.

Das chemische Derivat Azidothymidin (AZT) war Mitte der 80er Jahre das einzige Medikament, das eine erfolgreiche Behandlung von HIV und AIDS in Aussicht stellte. Doch in den USA war es nur im Rahmen klinischer Studien oder illegal auf dem rasch wachsenden Schwarzmarkt erhältlich. Ab 1987 durfte AZT dann offiziell verkauft werden und war zu dieser Zeit das teuerste zugelassene Medikament in den Vereinigten Staaten. Parallel setzten sich Aktivisten und Patienten für alternative und vor allem für günstigere Behandlungsmethoden ein.

Von der Food and Drug Administration (FDA), der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der USA, forderten sie eine Beschleunigung aller Zulassungsverfahren für potenziell hilfreiche Medikamente, die noch nicht in den USA erhältlich waren.

Auch der HIV-infizierte Elektriker Ron Woodroof wollte sich nicht von anderen vorschreiben lassen, welche Medikamente er nehmen durfte und welche nicht. Für den texanischen Cowboy, dessen Leben bis dahin vor allem Rodeo, Frauen, Alkohol und Koks bestimmt hatten, war die Diagnose wie aus heiterem Himmel gekommen – wurde die Krankheit zu jener Zeit doch von vielen Menschen irrtümlich als reines Homosexuellen-Problem angesehen. Die Ergebnisse von Woodroofs Bluttest, den die Ärzte im Krankenhaus nach einem Arbeitsunfall des 35-Jährigen durchgeführt hatten, waren allerdings eindeutig: Er hatte HIV und voraussichtlich nur noch 30 Tage zu leben.

Doch als geborener Kämpfer war Woodroof nicht bereit, das vermeintliche Todesurteil widerstandslos hinzunehmen. Nachdem das damals noch in der Erprobungsphase befindliche AZT, das er sich illegal beschafft hatte, seinen Zustand nicht verbesserte, stellte er umfangreiche Recherchen an und suchte intensiv nach alternativen Behandlungsmethoden – wozu auch Selbstversuche mit nicht zugelassenen Mitteln gehörten, die er sich bei einem US-Arzt in Mexiko besorgt hatte. Tatsächlich half ihm der neue Wirkstoff-Cocktail, die Symptome seiner Krankheit zu lindern. Sofort witterte er seine Chance und begann, die Präparate in die USA zu schmuggeln, um sie an andere Betroffene zu verkaufen.

Seine Aktivitäten riefen jedoch schnell die FDA auf den Plan, die alles daran setzte, den illegalen Handel zu unterbinden. Um Sanktionen der US-Behörden zu umgehen, gründete Woodroof im März 1988 kurzerhand den ‘Dallas Buyers Club’, der seinen Mitgliedern gegen eine Monatsgebühr die überlebenswichtigen Präparate überließ. In Windeseile wurde der Club landesweit bekannt. Doch unterstützt durch FDA und andere US-Behörden torpedierte die einflussreiche Pharmaindustrie Woodroof und andere Aktivisten mit immer härteren Mitteln, um sich das milliardenschwere Geschäft nicht vermiesen zu lassen. Als die FDA die Einfuhr einiger Medikamente aus bestimmten Ländern wie Mexiko blockierte, begann Woodroof auf der Suche nach neuen Quellen, um die ganze Welt zu reisen.

Im September 1992 starb Ron Woodroof im Alter von 42 Jahren an den Folgen von AIDS. Sieben Jahre zuvor hatten ihm die Ärzte eine Lebenserwartung von 30 Tagen eingeräumt. Inspiriert von seinem ‘Dallas Buyers Club’  gründeten sich ähnliche Einrichtungen auch in anderen Städten wie San Francisco, New York City oder Fort Lauderdale und versorgten Anfang der 90er Jahre schätzungsweise über 10.000 Kunden. Die Buyers Clubs wurden damals häufig von kleinen Büros, Lofts und Läden aus betrieben und waren bei ihren “Geschäften” auf Gesetzeslücken und das Wohlwollen der FDA angewiesen. Da neben Medikamenten, die noch nicht in den USA zugelassen waren, oft auch bereits zugelassene Medikament zu einem deutlich günstigeren Preis anboten wurden, rieten sogar einige Ärzte ihren Patienten einen Buyers Club aufzusuchen.

Durch deren Engagement sowie das weiterer Patientenvertreter und Aktivisten wurde im Laufe der Zeit erfolgreich Druck auf die Behörden ausgeübt, um die Einführung bestimmter Mittel zu beschleunigen und sie erschwinglich zu machen. Die Suche nach einem Heilmittel dauert bekanntermaßen bis heute an, genau wie die Suche nach der bestmöglichen Therapie für betroffene Patienten. Zehntausende Menschen mit dem HIV-Virus in den USA und viele Millionen im Rest der Welt hoffen auf einen baldigen Durchbruch der Forscher.

Fotos: WENN.com, Ascot Elite