Mittwoch, 22. Januar 2014, 9:15 Uhr

Lisa Stansfield plaudert hier über ihr Comeback

In den Achtzigern und Neunzigern landete Lisa Stansfield mit Songs wie „All Around The World“ und „This Is The Right Time“ Welthits.

Nach einer fast zehn Jahre währenden Albumpause veröffentlicht die „Queen Of Northern Soul“ jetzt ihr neues, siebtes Album „Seven“, das sie im Mai auch live in Deutschland vorstellen wird. Im Interview erzählt die 47-jährige Britin mit der Ausnahmestimme von modischen Entgleisungen, ihrer Männerstimme, ihrem Bezug zu Deutschland und ihrer Bewunderung für Lady Gaga.

Mrs. Stansfield, Sie sind kürzlich bei der Michalsky StyleNite im Rahmen der Berliner Fashionweek aufgetreten. Können Sie uns von Modesünden erzählen?
Ach, da müssen Sie sich doch nur mal mein Video zu „All Around The World“ aus den Achtzigern angucken. Auf meiner Stirn ist eine Haarsträhne als Kringel drapiert, und ich trage blauen Liedschatten. Es ist ein furchtbarer Look! Ein echter Mode-Fauxpas! Wenn ich das sehe, denke ich immer, ich wäre die hässlichste Frau der Welt. Leider wird es mich mein ganzes Leben verfolgen.

Sie sind aber hart zu sich!
Das musst du sein, zumindest in diesem Business. Man wird ja ständig mit seinem Aussehen konfrontiert und dafür verurteilt. Aber daran gewöhnt man sich, wenn man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt.

Und nun sind Sie stilsicher?
Heutzutage rüsche ich mich gerne mal mit einem netten Cocktailkleid auf. Das war für mich undenkbar, als ich jung war. Aber als etwas reifere Lady mag ich es, glamouröser daherzukommen.

Können Sie Ihren größten Hit „All Around The World“ noch hören?
Na klar. Er hat übrigens eine besondere Verbindung zu Deutschland. Der Song kam 1989 raus und passte mit seinem Titel bestens zu Berlin. Denn plötzlich konnten die Menschen jenseits der Mauer auch um die Welt reisen. Es war also ein prima Soundtrack für ein neues Freiheitsgefühl. Vielleicht kletterte die Single auch deshalb auf Platz 2 der deutschen Charts.

Reisen Sie selbst gerne?
Ich habe wohl die Hälfte meines Lebens mit Reisen zugebracht, aber davon habe ich die Nase voll. Das ist auch der Grund, warum mein Mann und ich unsere Villa in Dublin verkauft haben. Da war eh zu viel Trubel, weil in unmittelbarer Nachbarschaft U2-Sänger Bono wohnte und oft Studenten vor dem Tor standen, um sein Haus zu sehen. Wir sind nach London umgezogen. Und wir verbringen viel Zeit in Manchester im Norden Englands, wo ich eigentlich herkomme. Dort haben wir auch das neue Album aufgenommen.

Sie und Ihr Gatte Ian Devaney machen seit fast 25 Jahren zusammen Musik. Ist das nicht schwierig?
Im Gegenteil! Wir arbeiten quasi telepathisch. Es braucht keine Worte mehr. Wir sind quasi ein Körper.

Für Ihre neue Platte „Seven“ haben Sie mit den Streicher-Arrangeuren von Michael Jackson in Los Angeles zusammengearbeitet.
Ja, und ich denke, das hört man auch. Das Gleiche gilt für die Bläser. Wir kennen diese Musiker schon seit über 20 Jahren. Ich wollte nach diesen ganzen Jahren die beste Platte machen, die mir möglich ist. Ich will immer 100 Prozent, so war ich schon immer.

Was ist denn Ihr Lieblingssong auf dem Album?
Das ist „Conversation“. Der stimmt mich sehr emotional. Er handelt davon, im Leben eine zweite Chance zu bekommen.

Brauchen Sie die denn?
Ich sehe das hier als zweite Chance. Und ich denke, ich muss sie ergreifen. Ich werde nicht jünger. Ich vermute, es könnte mein letztes Album sein – das sagt mir jedenfalls mein Gefühl. Ich freue mich aber erst mal, dem Publikum wieder etwas geben zu können. Denn das habe ich lange nicht mehr getan.

Untätig waren Sie allerdings auch nicht: Sie haben in England in diversen Fernsehfilmen und – serien mitgespielt.
Stimmt. Ich werde trotzdem immer als Sängerin wahrgenommen werden. Aber es war schön, mal eine Weile nicht selbst kreativ sein zu müssen und gesagt zu bekommen, was man zu tun hat. Das habe ich nicht oft zugelassen in meinem Leben! Es war eine Herausforderung. Trotzdem amüsieren mich immer Kollegen, die den Schauspieljob so bierernst nehmen.

Was war für Sie daran die größte Herausforderung?
Ich musste meinen nordenglischen Akzent, den viele Briten als sonderbar erachten, ablegen. Ich habe in einer „Miss Marple“-Verfilmung mitgespielt – zu meinem Bedauern nicht als die Mörderin. Jedenfalls musste ich mich darin sehr gewählt ausdrücken. Leute aus meinem Umfeld haben das später gesehen und mich nicht mal wiedererkannt.

Ihre Sprechstimme sitzt auch unglaublich tief!
Haha, ja, wie bei einem Kerl, nicht wahr? Kein Scherz: Es gab schon Leute, die mich aufgrund meiner Stimme für einen Mann gehalten haben. Oder für eine Transsexuelle!

Sind Sie froh, dass Sie in den Achtzigern nicht so viel Aufwand betreiben mussten wie heutzutage eine Lady Gaga oder Miley Cyrus?
Ach, die müssen das doch auch nicht! Sie haben es sich so ausgesucht. Was einstige Kinderstars wie Cyrus oder Bieber betrifft, habe ich Mitleid. Sie wollen irgendwann aus dem ständig kontrollierten Umfeld ausbrechen und laufen zum anderen Extrem rüber. Ich hingegen hatte immer die Kontrolle über meine Karriere. Lady Gaga halte ich übrigens für sehr couragiert und großartig. Denn sie hat sich eine geheimnisvolle Aura bewahrt, regt die Fantasie der Leute an und gibt Rätsel auf, wer sie wirklich ist. Davor habe ich Respekt. Denn in einer Zeit, wo es durch das Internet und Reality-TV-Formate einfach keine Geheimnisse mehr gibt, ist das eine Leistung. Aber wie verdammt stressig muss es sein, in ihren Schuhen laufen zu können?

Apropos: Sind Sie schon mal als Kandidat ins „Dschungelcamp“ eingeladen worden?
Ja, das bin ich. Ich bin in sämtliche Reality-Shows gebeten worden, aber habe immer dankend abgelehnt. Ich esse keine Penisse! Ich hätte aber Lust, mal ein paar Dschungelnächte alleine ohne Kameras auszuprobieren.

Was können Sie uns über Ihre Deutschlandtour im Mai sagen?
Da geht es nur um die Musik, ehrliche Songs ohne Firlefanz. Es werden elegante Abende. Natürlich bringe ich eine fette Band mit. Und meinen Mann an Gitarre und Keyboard.

Interview: Katja Schwemmers. Fotos: WENN.com