Montag, 27. Januar 2014, 21:17 Uhr

Stefan Raab über den "TV-total"-Betriebsausflug nach New York

Neuer Betriebsausflug für das ‘TV total’-Team: Nach Stockholm, Istanbul und Oslo, wo die Show in den vergangenen zehn Jahren jeweils anlässlich des Eurovision Song Contests gastierte, zieht die Sendung ab heute 23.10 Uhr für eine Woche nach New York.

Diesmal ist der Super Bowl, das Finale der American Football-Profiliga am 2. Februar, der Anlass für den Ausflug.

Stefan Raab begrüßt heute den Sportexperten Frank Buschmann. An seiner Seite sind deutsche Sportler, die in den USA Fuß fassen konnten: die American Football-Spieler Markus Kuhn und Björn Werner sowie der Baseballer Donald Lutz. Außerdem zu Gast: Rapper und Schauspieler Ice-T und seine Gattin Coco Austin sowie Comedian Luke Mockridge.

Ein winziges Studio am Times Square sei gemietet worden, sagt Moderator Stefan Raab (47) im Interview der Nachrichtenagentur dpa – und erzählt, warum sich das deutsche Fernsehen seiner Meinung nach hinter dem amerikanischen nicht verstecken muss und was er in seiner freien Zeit in New York unternehmen will.

Warum New York?
Ja, das hat sich so ergeben. Unser Kommentator von «Schlag den Raab», Frank Buschmann, kommentiert den Super Bowl und da haben wir vor einem Dreivierteljahr mal drüber gesprochen. Das wird ja von Sat.1 übertragen, das gehört zur ProSiebenSat.1-Gruppe, und da haben wir gesagt, das wäre doch schön, wenn wir das mal wieder hinkriegen, dass wir mit dem gesamten Team auf Klassenfahrt gehen. Die Mitarbeiter freuen sich alle, dass sie mal, ohne selbst so tief in die Tasche greifen zu müssen, nach New York kommen und das bot sich halt so an – und jetzt sind wir hier.

Wie wird das Ganze ablaufen?
Wir haben ein kleines Studio am Times Square, das ist so ein ganz kleiner Club, da passen gerade wir rein und noch 15 Zuschauer. Aber hier kann man ja auch mal ein bisschen was anderes machen als in Deutschland. Hier kann ich auf der Straße drehen, ohne dass die Leute direkt aufmerksam werden, das ist in Deutschland mit zunehmendem Bekanntheitsgrad ein bisschen schwieriger geworden. Der Überraschungseffekt ist halt nicht mehr da, weil die wissen, jetzt kommt der, schnell weg, der will Späße mit uns machen.

Ist New York denn eine besondere Klassenfahrts-Station für Sie?
Hier passiert natürlich sehr viel und hier ist immer was los. Das bietet auch eine gute Möglichkeit, neben der Sendung Freizeitgestaltung zu betreiben. Ich schaue mir gerne Konzerte an in kleinen Clubs, irgendwelche Jazz-Gigs. Wenn sich das Praktische mit dem Nützlichen verbinden lässt, dann haben wir es richtig gemacht.

Was haben Sie denn für Gäste ausgesucht?
Das ist ganz unterschiedlich und ändert sich auch stündlich, die sind ja sehr flexibel hier, die Amerikaner. Heute wollen sie kommen, morgen geht es halt nicht mehr. Ich kenne den aktuellen Stand jetzt nicht, aber wir haben auch ein paar deutsche Gäste von Models bis hin zu Köchen, aber auch amerikanische Künstler wie John Legend. Sarah Jessica Parker hatte letzte Woche zugesagt, aber das ändert sich stündlich.

Die Deutschen stehen ja gar nicht so sehr auf American Football. Wie wollen Sie ihnen das näherbringen?
Das ist nicht meine Aufgabe, das den Deutschen näherzubringen. Ich kann ein bisschen für Aufmerksamkeit sorgen. In den letzten Jahren haben das bei Sat.1 schon einige verfolgt, dafür dass das mitten in der Nacht läuft, waren das Zuschauerzahlen deutlich oder zumindest knapp über einer Million, was eigentlich schon ganz ordentlich ist. Vielleicht können wir da ein bisschen dazu beitragen, dass das mehr Leute gucken – aber so ambitioniert bin ich da mit American Football auch nicht. Ich finde natürlich, wie es sich für jeden anständigen Deutschen gehört, Fußball deutlich besser und kann auch nicht verstehen, warum Fußball hier in Amerika so eine kleine Rolle spielt. Vielleicht ist der umgekehrte Weg der richtige, dass man hier in Amerika mal den Fußball populär macht. Aber das ist ja weder Franz Beckenbauer noch David Beckham ordentlich gelungen. Vielleicht muss Lukas Podolski mal hierher.

Das US-Fernsehen wird viel gelobt, während über das deutsche Fernsehen viel gemotzt wird. Wie sehen Sie das?
Das kommt darauf an. Da muss man zwischen Fiction und Show-Unterhaltung unterscheiden. Bei Fiction ist es natürlich so, dass die Amis für einen ganz anderen Markt produzieren, das heißt, da stehen ganz andere Budgets zur Verfügung. Das kann eine deutsche Produktion nicht leisten. In punkto Show braucht sich Deutschland überhaupt nicht zu verstecken, da kochen hier auch nur alle mit Wasser. Was Jay Leno oder Jimmy Fallon hier machen, ist auch nichts anders als das, was wir machen. Ehrlich gesagt ist die Variety bei uns noch größer.

Wo bekommen Sie denn die Ideen für all ihre Shows?
Das meiste kommt einfach so. In den seltensten Fällen ist es so, dass wir ein Meeting machen, diese klassischen Brainstormings, die man gerne in Firmen macht. Das bringt eigentlich gar nichts. Dadurch, dass wir so ein kreativer Haufen sind, die täglich aufeinander hocken durch die Sendung, gibt es da eine ständige Kommunikation und irgendwann lässt einer irgendwas fallen und der nächste sagt: “Das ist eine gute Idee, lasst uns das mal ausprobieren.” Viele unserer Formate laufen ja nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt, auch hier in Amerika.

Ihr Sender lässt Sie all diese Formate ausprobieren, Ihr Sender lässt Sie nach New York fahren – gibt es etwas, was Ihr Sender Sie nie machen lassen würde?
Das, was ich mache, hat in der Regel in der Argumentation immer Hand und Fuß, deswegen bleibt dem Sender gar nichts anderes übrig, als zuzustimmen, weil sinnvolle Ideen sind auch gut für den Sender.

Interview: Christina Horsten, dpa. Fotos: WENN.com, ProSieben/Willi Weber