Dienstag, 28. Januar 2014, 23:21 Uhr

Der letzte Schrei sind Holzbrillen, gezimmert wie Skateboards

Ein Blick ins Gesicht von Enzo Forciniti und man könnte darauf kommen, was die Leidenschaft des 32-Jährigen ist. Man könnte – oder auch nicht, denn so auffällig ist die Holzbrille auch wieder nicht, die Forciniti auf der Nase trägt.

Er hat das Gestell selbst entworfen und angefertigt. Einen kleinen Werkstatt-Laden hat er in Leipzig eröffnet. Und es läuft gut, sagt er. „Die Anfragen sind da, mehr als ich abarbeiten kann“, sagt der Grafiker. Branchenverbänden zufolge liegen Brillen aus Naturmaterialien – Holz, Horn, Bambus – schwer im Trend.

Vor mehr als zwei Jahren habe er die Idee mit den Holzbrillen gehabt, sagt der 32-Jährige. „Ganz banal, als ich selbst beim Optiker stand und eine Brille brauchte.“ Er fing an zu tüfteln. Mit den ersten Exemplaren sei er buchstäblich auf dem Holzweg gewesen, erzählt der Italiener und holt zum Beweis einen klobigen Erstling aus Vollholz aus der Schublade. „Viel zu dick, viel zu schwer, viel zu hässlich“, sagt er. Und überhaupt nicht bruchsicher. „Die sind von ganz allein kaputtgegangen, ich musste sie nicht mal runterfallen lassen.“

Inzwischen baut Forciniti seine Holzbrillen wie Skateboards: Dünne Holzschichten, für die Brillen sieben bis neun, werden miteinander verleimt und gepresst. Aus diesem neuen Holzstück sägt Forciniti dann die Brillengestelle aus – alles in Handarbeit. Darauf legt er viel Wert. „Ich habe keine CNC-Fräse. Eine Fräse würde in einer Minute schaffen, wofür ich mehrere Stunden brauche“, sagt Forciniti. „Aber dann würde ich ja einer Maschine dabei zuschauen, wie sie meine Brille fräst – das wollte ich nicht.“

Laut Kerstin Kruschinski, Sprecherin des Kuratoriums Gutes Sehen e.V., sind Brillen aus Naturmaterial derzeit das angesagte Thema in der Branche. „Es gibt ja insgesamt einen Trend zur Nachhaltigkeit, zur Natur. Das spiegelt sich auch in der Brillenmode wider.“ Und auch wenn Holz ein bisschen nach Schwere klingt, sei das Gegenteil der Fall, sagt Kruschinski. „Die Holzbrillen sind sehr leicht und angenehm zu tragen, und sie fügen sich auch gut ins Gesicht ein.“

Eines sind die Gestelle, insbesondere aus kleinen Manufakturen, jedoch nicht: günstig. Enzo Forciniti verlangt 600 Euro aufwärts für die Rahmen, die Kosten für die Gläser kommen noch dazu. „Dass es viel Geld ist, ist mir klar. Es ist teuer im Vergleich zu dem, was sich sonst die meisten Menschen kaufen. Wenn man aber bedenkt, wie viel Arbeit dahinter steckt, ist das eben der Preis“, sagt der Designer. Dafür bekämen die Kunden Unikate aus Nussbaum oder Olive.

Nach Einschätzung von Peter Frankenstein, Leiter des Spectaris-Fachverbandes Consumer Optics, besetzen Hersteller von Holzbrillen eine Nische, für die es durchaus eine Nachfrage gibt. Gleichwohl sei es für kleine neue Produzenten schwer, Fuß zu fassen. „Wir haben 450 bis 500 Anbieter von Fassungen in Deutschland“, sagt Frankenstein. „Da wird es schwierig.“

Forciniti sieht seine Brillen-Manufaktur zunächst erstmal als „Projekt“. Nach Jahren der Arbeit als Grafiker habe er zurück zum Handwerk gewollt. „Ich wollte mir wieder richtig die Hände schmutzig machen“, sagt der 32-Jährige. Und dafür, dass es erstmal eine Art Versuch ist, sagt er, „läuft es verdammt gut“. (Birgit Zimmermann, dpa)

Foto: Hendrik Schmidt