Mittwoch, 29. Januar 2014, 12:56 Uhr

Papst Franziskus krönt "Rolling Stone"-Titel: "Alles tadellos geschnitten"

Papst Franziskus (77) ist auf dem aktuellen Cover der US-MusikSzenezeitschrift ‘Rolling Stone’ zu sehen und steht damit in einer Reihe mit Popgrößen wie David Bowie, Rihanna und John Lennon.

Der Name der umfangreichen Titelstory heißt “The Times They Are A-Changin” (“Die Zeiten ändern sich”) – eine Anspielung auf einen bekannten Bob-Dylan-Song. Über einen päpstlichen Auftritt am Petersplatz in Rom schreibt ‘Rolling Stone’-Autor Mark Binelli: “Obwohl er bekanntlich von den schillernden päpstlichen Accessoires Abstand genommen hat, ist er doch überraschend stylish, heute trägt er einen weißen zweireihigen Übermantel, einen weißen Schal und eine eher etwas cremefarbene Soutane, alles tadellos geschnitten.”

Zum Wechsel von Benedikt XVI. zu Franziskus schreibt Binelli: “Nach dem verheerenden Pontifikat von Benedikt – einem standhaften Traditionalisten, der aussah, als ob er (wie die Kino-Horrorfigur Freddy Krueger) mit einem gestreiften Hemd und Handschuhen mit scharfen Klingen an den Fingern Jugendliche in deren Alpträumen bedrohen sollte, erschien es dem Durchschnittskatholiken wie ein kleines Wunder, dass Franziskus grundlegende Fähigkeiten wie das Lächeln in der Öffentlichkeit meisterhaft beherrscht.”

Papst Franziskus ist als Zeitschriftentitel beliebt: Er war 2013 beim ‘Time’-Magazin “Person of the Year”, auch die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins ‘Der Spiegel’ ziert der römische Pontifex.

Im Internet bietet der ‘Rolling Stone’, der seinen Schwerpunkt sonst für bei Musik- und Szenethemen setzt, eine Klickstrecke zur Papst-Story an: “Außer Franziskus: 10 Konservative, die sich zu Liberalen entwickelten”. In der Liste finden sich unter anderem der ehemalige Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck (1871-1890) und der frühere US-Präsident Richard Nixon (1969-1974).

Den Kommentar der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’ wollen wir unsere Leserschaft nicht vorenthalten: Generationen von Rockmusikern träumten davon, mal auf dem Titelblatt des “Rolling Stone” zu erscheinen – und jetzt hat es ausgerechnet Papst Franziskus geschafft, ganz ohne E-Gitarre und Lederjacke. Man mag das abgeschmackt finden oder überdreht – es markiert allemal einen gewichtigen Wandel. Franziskus I. ist nur wenig älter als Mick Jagger, dessen Gesichtsgebirgslandschaft an dieser Stelle ja auch niemanden wundern würde.

Entscheidender aber dürfte sein, dass ausgerechnet der Papst, der gegen das Establishment der Kirche vorgeht, jenes Rebellentum verkörpert, das die Rockstars früher umwehte wie ein Parfüm aus Freiheit. Franziskus, wenn man es flapsig sagen wollte, rockt den Vatikan.

Der wiederum hat den Artikel im ‘Rolling Stone’ kritisiert: Er sei zu oberflächlich; er stelle Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. zu negativ dar, um dessen Nachfolger umso glänzender dastehen zu lassen. Da ist etwas dran. Franziskus will mit seinem beinahe reformatorischen Programm ja nicht zu neuen Ufern aufbrechen, sondern die Kirche zu ihrem Kern, zu ihren alten Werten zurückführen. Mit Rock ‘n’ Roll haben die nicht ganz so viel zu tun. (dpa/KT)

Fotos: Rolling Stone, Agostino Fabio/WENN.com