Mittwoch, 29. Januar 2014, 17:20 Uhr

Türkisch für Umsteiger: Heute Abend läuft die TV-Komödie "Kückückskind"

Zwei Familien, zwei Kulturen und zwei vertauschte Kinder: Die Culture-Clash-Komödie „Kückückskind” mit Natalia Wörner und Adnan Maral am 29. Januar um 20.15 Uhr im ZDF

Bei der Geburt vertauscht: Bei einem Krankenhausaufenthalt ihres Sohns erfahren die erfolgreiche Kölner Modedesignerin Antonia Greve (Natalia Wörner) und ihr Ex-Mann Claus (Nicki von Tempelhoff), dass der 15-Jährige Dominik (Robert Alexander Baer, Foto oben und unten) nicht ihr leiblicher Sohn sein kann.

Schnell findet man heraus: Dominik wurde am Tag seiner Geburt mit Ayse (Ava Celik) vertauscht, die als Tochter der Gemüseladenbesitzer Erdal (Adnan Maral) und Hatice Güngör (Siir Eloglu) mit zwei Schwestern in einer traditionell türkischen Familie aufwächst.

Ratlosigkeit macht sich breit, doch dann entscheiden sich die beiden Jugendlichen für einen Tausch: Die aufmüpfige und rebellische Ayse zieht für zwei Wochen bei Antonia ein, Dominik wird 14 Tage bei den Güngörs leben. Klar, dass die neue Wohnsituation für zahlreiche chaotische Momente sorgt und frischen Wind ins Leben der beiden 15-Jährigen und ihrer Eltern bringt. Einzelkind Dominik lernt, dass er über drei Ecken mit sämtlichen Türken in Köln verwandt sein soll. Ayse freut sich über die neuen Perspektiven, die sich ihr als Deutsche bieten.

Hier ein Interview mit Hauptdarsteller Adnan Maral (Foto nten).

Herr Maral, was hat Sie an dem Drehbuch von „Kückückskind” gereizt?
Ich habe schon beim Lesen des Drehbuchs herzhaft gelacht. Die Figur Erdal Güngör hat sich immer einen Sohn gewünscht und plötzlich stellt sich heraus, dass nach der Geburt im Krankenhaus sein Kind vertauscht wurde. Auf einmal steht er seinem Sohn, der in einer typisch deutschen Familie aufgewachsen ist, gegenüber. Und seine Tochter, die traditionell türkisch erzogen wurde, gehört zur deutschen Mutter. Die Kinder gehen in ihre ‚echten Familien’ und da sind natürlich so manche komischen Situationen vorprogrammiert. Da prallen zwei Welten aufeinander und wir konnten so wunderbar mit den Klischees spielen. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Sie sind in der Türkei geboren, im Alter von zwei Jahren nach Deutschland gekommen und in Frankfurt am Main aufgewachsen. Gibt es für Sie typisch türkisch und typisch deutsch?
In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich glaube, das ist auch normal. Das Autofahren ist das klassische Beispiel. In Deutschland hält man die Spur und die Geschwindigkeitsbegrenzungen ein. Als Türke denke ich dann schon hin und wieder, da muss doch noch mehr gehen und dann meint es mein Temperament zu gut mit mir. Leider wurde ich deswegen auch schon das ein oder andere Mal geblitzt. Aber es hält sich noch im Rahmen (lacht). In der Türkei erlebe ich dagegen, dass aus einer zweispurigen plötzlich eine vierspurige Fahrbahn wird und von rechts noch jemand an einem vorbei zieht. Da mache ich dann natürlich gerne mit. Auf der anderen Seite hat Deutschland ein großes Qualitätsbewusstsein, was ich sehr schätze. In der Türkei improvisiert man in vielen Situationen, was auch toll ist. Aber oft wünscht man sich mehr Professionalität. Das Verrückte ist ja, dass man sich immer das wünscht, was man gerade nicht hat. Bin ich in der Türkei, wünsche ich mir weniger Improvisation. Bin ich in Deutschland, denke ich oft, macht euch mal ein bisschen locker.

Gibt es auch etwas, was die Türkei und Deutschland gemeinsam haben?
Der türkische Beamte und der deutsche Beamte liegen wahnsinnig nah beieinander. Sehr strikt sind sie und machen ihren Dienst nach Vorschrift. In der Hinsicht wird die Türkei immer deutscher.

Sie sind mit einer Schweizerin verheiratet, haben drei Kinder und leben auf dem Land in der Nähe von München. Der Culture Clash wie er im Buche steht. Wie funktioniert das bei Ihnen zuhause?
In der Schule sprechen die Kinder Deutsch, meine Frau spricht mit ihnen Schweizer-Deutsch und ich Türkisch. Was leider immer etwas schwieriger ist, da ich weniger Zuhause bin. Manchmal wollen sie mir nicht auf türkisch antworten, aber das fordere ich dann schon ein. Bei uns herrscht ein bisschen Kauderwelsch, doch die Kinder können das wunderbar trennen.

Bei „Kückskückskind” ist die Erziehung ein wichtiges Thema. Wie bekommen Sie die kulturellen Unterschiede unter einen Hut?
Das ist doch grandios, aus drei Kulturen zu schöpfen. Wir ziehen das Beste für uns heraus, um es an die Kinder weiterzugeben. Und am Ende des Tages muss man die Menschlichkeit leben – da gibt es dann auch gar nicht mehr die Unterschiede.

Besuchen Sie mit ihren Kindern ihre Heimatländer, um Ihnen ihre Herkunft zu zeigen?
Wir fahren regelmäßig in die Schweiz zu den Schwiegereltern, und bevor das erste Kind in die Schule kam sind wir mit einem Wohnmobil zweieinhalb Monate durch die Türkei gereist. Aber auch in unserem täglichen Leben versuchen wir die unterschiedlichen Kulturen einfach zu leben.

Fotos: ZDF/ Thomas Kost