Donnerstag, 30. Januar 2014, 19:08 Uhr

Larissa und Wahnfried im Endspurt: Warum sie Dschungelkönigin wird

Zur ersten “Dschungelkaiserin” hat RTL Larissa Marolt schon erklärt, als sie für einen Tag die Campleitung übernahm – in Anspielung auf ihre österreichische Herkunft und Monarchin Sissi.

Dass das 21-jährige Model am Samstag das Finale der achten Staffel von ‘Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!’ tatsächlich gewinnen wird, gilt als wahrscheinlich. Zumal schon vor Tagen mit der ‘Bild’ und  ‘Spiegel Online’ zwei große, publikumsrelevante Medien dafür plädiert haben. Überhaupt drehte sich in den vergangenen zwei Wochen fast alles um Larissa, die wegen ihrer Art auch die Stempel Nervensäge und Tollpatsch aufgedrückt bekam. Weitere Höhepunkte:

REKORDJAGD: Mit acht Dschungelprüfungen in Folge hält Larissa nach Angaben des Privatsenders den “internationalen Rekord” (die Show wird nur noch von den Briten und den Deutschen kontinuierlich ausgestrahlt). Zur ersten hatten sie noch die anderen Camper geschickt, danach votierten die Zuschauer sieben Mal nacheinander per Telefonabstimmung für sie. Erst als die Kandidaten wieder bestimmen durften, wer antreten soll, riss die Serie ab. Auch Ex-“Ruck Zuck”-Moderator Jochen Bendel geht mit einem Weltrekord in die Geschichte ein: Als erster Camper musste der 41-Jährige zu 40 000 Schaben in den “Kakerlaken-Sarg”. Bis dahin lag die höchste Marke bei 30 000 Tieren. Zudem könnte die achte Staffel für RTL zur erfolgreichsten seit der Premiere vor zehn Jahren werden. Schon am vergangenen Wochenende verbuchten die Macher Halbzeitrekord: im Schnitt schauten an den ersten Tagen 7,79 Millionen Menschen zu.

IRRUNGEN: Selten haben die Rollen und das Ansehen der Bewohner so schnell gewechselt wie in dieser Staffel. Larissa wird scheinbar innerhalb weniger Sekunden von der Kämpferin zum Sündenbock. Meist davon abhängig wechselt Schauspieler Winfried Glatzeder (68) seine Laune: gerade noch gutmütig-altersweise ist er schlagartig auf 180. Den größten Widerspruch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung gab es wohl bei Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi (40). Zweimal musste er mit Larissa in die Prüfung – und während sie ihre Aufgabe ziemlich beachtlich meisterte, brach er sogar einmal ab (schlecht gelaunt an dem Tag). Im Camp jedoch rühmte er sich, dass Larissa nur dank seiner “Strenge” Leistung erbracht und er einen tollen Job gemacht habe.

WINFRIED “WAHNFRIED” GLATZEDER: Der ostdeutsche Schauspieler (“Ich werde alles unternehmen, damit Larissa nicht Dschungelkönigin wird.”) hat sich mit seinen zunehmenden Wutausbrüche gegenüber Larissa für die Dschungelkrone längst disqualifiziert. Das Fass zum Überlaufen brachte der stimmgewaltige Komödiant (“Sie ist die Königin, und ich bin ihr Hofnarr”) am Mittwochabend, als er nicht nur die Hand gegen die 24-Jährige erhob, sondern sie auch noch ordentlich schubste. RTL-Sprecher Claus Richter erklärte gegenüber dem  Kölner ‘Express’: “Wir entscheiden immer situativ, ob wir jemanden aus dem Camp nehmen. Da gibt es keine festen Regeln. In diesem Fall haben wir Winfried noch drin gelassen, aber wenn er richtig schlägt, würden wir ihn aus dem Camp nehmen.”

LÄSTEREIEN: Olivia Jones, die im letzten Jahr die Camp-Mutti im RTL-Pritschenlager gab, sagte gege nüber RTL: “Es wird langsam ein Spiel, aber alle sind strategisch und hacken auf Larissa rum und versuchen sie auszuspielen. Aber das sieht der Zuschauer und im Grunde genommen spielen sich die anderen gerade ins Aus und lassen dadurch Larissa als Siegerin hervortreten. Wenn die das sehen, dann kriegen die einen Anfall!”

WENDLERWENDE: Erst kündigte Schlagersänger Michael Wendler (41) vor Beginn der Show an, keine einzige Dschungelprüfung machen zu wollen. Dann absolvierte er direkt die erste mit Bravour. Danach verließ er am vierten Tag freiwillig das Camp (zu unhygienisch, zu wenig zu essen). Schnell traf er seinen Begleiter und hörte, dass er sich glamourös geschlagen habe. Dann wollte er wieder zurück ins Camp – und bot dann in einer Videobotschaft an den Sender sogar noch an, er unterschreibe, keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt zu haben.

WIEDERHOLUNGSTÄTER: Mit “ever, ever, ever” texten die Moderatoren Sonja Zietlow (45) und Daniel Hartwich (35) so ziemlich jeden Beitrag an, der in irgendeiner Weise unter Superlativverdacht stehen könnte. Hartwich erklärte dazu schlicht: “Das ist irgendwie bei den ersten Proben entstanden und seitdem machen wir das halt.” Seinen Ursprung haben könnte es bei der früheren Camp-Bewohnerin Sarah Knappik, die einst von der “härtesten Dschungelprüfung ever” sprach. Der zweite Running “Gag” des Duos, “Good Morning in the Morning”, stammt vom Wendler, der mit dem selten dämlichen Spruch aus dem Hotel via Video seine Fans grüßte. Darüber hinaus gleichen die Moderationen jenen vergangener Staffeln: lästern über die Promis, ein bisschen Scherze über das Weltgeschehen jenseits des Buschs sowie ab und zu ein selbstironischer Seitenhieb auf RTL.

DSCHUNGELFIEBER: Ein Großteil der Zuschauerschaft scheint infiziert. An einigen Abenden schalteten mehr als acht Millionen Menschen das Urwaldtreiben ein. Hin und wieder sind das mehr als ein Drittel der Leute, die zu dieser Zeit fernsehen. RTL bringt das Camp in fast all seinen Magazinen unter – mal mit Live-Schalten nach Australien, mal mit Aufklär-Beiträgen etwa über den Effekt der Reis-und-Bohnen-Diät. In Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter ist das Camp ein Megathema. Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher hat bis zu 200 Tweets pro Minute gezählt. Auf den Zug sprang selbst der Internetdienst “ImmobilienScout24” auf und ließ ein Marktforschungsinstitut mehr als 1000 Deutsche befragen, mit welchem Dschungel-Kandidaten sie gerne eine WG gründen würden und welchen der Teilnehmer sie unter keinen Umständen in ihrer Nähe haben wollen.

STUHLGANGPHILOSOPHIE: “Ich brauch’ jetzt einen Kaffee, ich kann nicht kacken ohne Kaffee”, krakeelt Larissa durchs Camp. Und auch sonst macht sie mit allerlei – sagen wir mal “denkwürdigen” – Sprüchen auf sich aufmerksam. Eine Auswahl: “Mein Herz ist tot. Ich schwör’ dir, ich werde sterben.”, “Wo ist Gott, wenn man ihn braucht?”, “Für mich ist es schon genug Abenteuer in einem Bett zu schlafen.”, “Ruft für mich an, weil ich bin noch am Leben”, “Ich konnte das nicht runterschlucken – mein Körper ist dafür nicht gebaut.”, “Ich überleb’ seit fünf Jahren in Großstädten”, “Sterben können wir nicht, das haben wir vertraglich unterschrieben”, “Ich schwör’, ich bring die Hängematte um.”. ‘Bild.de’ kreierte dazu sogar einen Rap.

Marco Krefting, dpa