Samstag, 01. März 2014, 13:36 Uhr

"Der reine Wahnsinn": Sechs Studenten stehen Sonntag auf der Oscar-Bühne

Tayo Amos und Bryson Kemp dürfen viele goldüberzogene Oscar-Trophäen in der Hand halten. Zudem werden sie Stars wie Angelina Jolie, Jennifer Lawrence und Harrison Ford am Oscar-Sonntag sehr nahe kommen.

Amos?, Kemp? Bis vor wenigen Wochen kannte niemand ihre Namen. „Wir sind ja nur College-Kids“, erzählt der 19-jährige Kemp der Nachrichtenagentur dpa. Der schlaksige Musikstudent aus dem US-Staat Maryland und die kalifornische Stanford-Studentin Amos gehören zum ‚Team Oscar‘. Sechs Studenten im Alter von 19 bis 22 Jahren stehen in diesem Jahr auf der Oscar-Bühne im Rampenlicht.

„Wir werden die Oscar-Trophäen den Promi-Helfern in die Hand drücken. Die überreichen die Statuen dann den Gewinnern“, erklärt Amos. „Ein toller Job“, strahlt die junge Afroamerikanerin. Sie träumt davon, Regisseurin und Filmproduzentin zu werden. „Das ist ein kleiner Vorgeschmack und eine enorme Motivation, vielleicht einmal selbst als Nominierter auf der Bühne zu stehen“.

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Doch erst einmal hat sie andere Wünsche. „Ich möchte unbedingt Jennifer Lawrence und Lupita Nyong’o treffen. Die sind beide so talentiert und so schön“, schwärmt die Studentin. Beide Schauspielerinnen sind für den Nebenrollen-Oscar nominiert.

Den Glamour-Job verdanken die Studenten den Oscar-Produzenten Craig Zadan und Neil Meron. Im vorigen Jahr feierte „Team Oscar“ Premiere. Bis dahin standen langbeinige Models am Bühnenrand und reichten die Trophäen an die Stars weiter. In diesem Jahr wählte die Akademie ihre „studentischen Hilfskräfte“ aus einer Gruppe von über 2000 Kandidaten aus. In einem einminütigen Video mussten die Studenten ihre Filmleidenschaft überzeugend darstellen. Schauspieler Channing Tatum stimmte über die sechs Gewinner mit ab.

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„Dies ist die größte Live-Show in Hollywood und wir sind dabei, weil sie Leute auf der Bühne haben wollen, die sich für Filme begeistern. Das ist der reine Wahnsinn“, grinst Kemp. Der 19-jährige will Filmkomponist werden. In seinem Video spielt er am Klavier die Melodien von Filmen wie ‚Der weiße Hai‘, ‚Titanic‘ und ‚Fluch der Karibik‘. „John Williams ist mein Idol“, nennt er den Clip. Der 82-jährige US-Komponist Williams ist in diesem Jahr mit der Musik für ‚Die Bücherdiebin‘ zum 49. Mal für einen Oscar nominiert. „Das wäre die größte Ehre, ihn zu treffen“, meint Kemp.

Eine Woche lang geht es für die Studenten in Hollywood rund. Filmstudios besichtigen, ein Oscar-Konzert besuchen und natürlich ins Modeatelier. Für den großen Auftritt wirft sich ‚Team Oscar‘ mit Frack und Abendkleid in Schale, wie die richtigen Stars. „Ich bin ein armer College-Student und habe mir noch nicht einmal alle Filme anschauen können“, gesteht Kemp. Dies sei sein erster Trip nach Kalifornien, auch Palmen habe er noch nie zuvor gesehen. Die Oscar-Akademie kommt für die Kosten der „Traumreise“ auf.

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Ein bisschen arbeiten müssen sie schon. Bis zum Show-Beginn stehen noch viele Proben auf der Oscar-Bühne an. Jeder Schritt und jede Handbewegung muss sitzen. Millionen Menschen in aller Welt schauen sich das Live-Spektakel an. Schon der Testlauf an der Seite von Superstars ist aufregend. „Angelina Jolie kam auf uns zu und stellte sich vor“, erzählt Amos mir glänzenden Augen. Gut möglich, dass sie am Sonntag „Angie“ eine Trophäe anreicht. Jolie und ihr Partner Brad Pitt treten beide als Preisverteiler auf.

Und wie behalten sie die Nerven? „Noch bin ich einigermaßen ruhig, denn es fühlt sich alles wie ein Traum an“, erzählt Amos zwei Tage vor der Show. „Doch wenn sie das Signal geben ‚Ab auf die Bühne‘, dann wird es verdammt ernst“. (Barbara Munker, dpa)

Fotos: Barbara Munker, A.M.P.A.S.