Samstag, 01. März 2014, 13:01 Uhr

Stars machen Plus Size-Kleidung salonfähig

Einfach pfundig! Oder wie die Möchtegern-Gangster auf dem Schulhof sagen würden: Fett, Alter!

Auf der weltberühmten New York Fashion Week waren kürzlich zum ersten Mal Kollektionen UND Models in Übergrößen zu sehen (es berichtete beispielsweise die ‘Süddeutsche Zeitung’).

Das war ein Signal an alle Frauen jenseits der berüchtigten Größe 44: Ihr seid schön! Ihr braucht Euch nicht zuhause zu verstecken. Ihr müsst nicht nur in weiten, wehenden Kleidern durch die Welt wandeln und wie fliegende Kartoffelsäcke aussehen. Oder gefrustet daheim auf der Couch im Jogginganzug noch trauriger werden – und deshalb wieder Schokoeis naschen. Nein! Denn es gibt jetzt Kleider, die ihr tragen könnt, Kleider, in denen ihr super ausseht.

Dafür stehen nicht nur berühmte, starke Frauen. Jetzt finden sich auch immer mehr Designer und Labels, die das neue Credo der Mode-Welt verbreiten: Curvy is sexy. Dafür steht beispielsweise die selbst mollige und tätowierte Ex-Kostümbildnerin Eden Miller, die ihre teilweise hautenge und farbenfrohe Kollektion Cabiria bei der New York Fashion Week vorstellte. Doch damit steht die beleibte Lady beileibe nicht allein!

Alle modeinteressierten Damen, die genauer hinschauen, haben längst bemerkt, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Längst bieten sowohl Billigschneider wie H&M als auch Edelboutiquen wie Peter Hahn ein attraktives Sortiment an Mode im XL-Format an. Wer dort oder bei Anbietern wie Asos (Curve-Kollektion) oder Forever 21 bei den großen Größen stöbert, welche früher zur Kleidung geronnenes Schuldbewusstsein im wahrsten Sinne des Wortes verkörperten, der findet eine reichhaltige Auswahl. Statt Wollpullovern, die verschämt die Rundungen verschleiern, tragen die Models dort und sicher bald auch stolze Rubensfrauen weltweit Hosenröcke, figurbetonte Kleider mit Netzoberlage, wilde und trotzdem weiche Lederjacken im Rockerstil und Dessous, die das Blut von vorher fiesen Typen in Wallung geraten lassen dürften (Keine Witze mehr á la: „Deine Gürtellänge ist der Äquator!“). Solche miesen Typen gibt es nicht nur im Alltag, sondern auch in der glänzenden Promi-Welt.

Der jetzt dürre Modezar mit dem umstrittenen Geburtsdatum scheint bereit zu sein, auf Menschen herumzuhacken, um im Gespräch zu bleiben – beispielsweise auf Kosten molliger Frauen. Was Aussagen wie „Übergewicht ist viel gefährlicher als Magersucht und schlecht für die Gesundheit“ bei jungen Mädchen anrichten, kann sich jeder ausmalen (Bericht: Bild.de). Er ist der Meinung, dass die Defizite der Sozialkassen durch die Krankheiten dicker Menschen entstehen, wofür er von einer französischen Molligen-Vereinigung verklagt wurde. Er lästerte über die seiner Ansicht nach zu fette Sängerin Adele („Skyfall“). Und er ist überzeugt, dass auch das Publikum keine Frauen mit Rundungen sehen will.

Bei näherem Hinsehen wird der Modepapst allerdings zum Scheinheiligen. Schließlich ließ er die übergewichtige Sängerin Beth Ditto, die mit ihrer Band Gossip („A Heavy Cross“) weltweite Erfolge feierte, für sich auftreten. Und besonders vor seinem eigenen Hintergrund wirkt Lagerfeld nicht gerade glaubwürdig: Er wog zu Beginn der 2000er-Jahre 102 Kilo, hungerte sich aber durch eine Radikaldiät binnen 13 Monaten auf rund 60 Kilogramm herunter.

Keiner sollte vergessen, dass es schon immer VIPs gab, die sich nicht von ein paar Grämmchen zuviel auf der Waage nicht einschüchtern ließen. Die schwarze Sängerin und Pianistin Aretha Franklin (geboren 1942) wurde trotz ihrer Pfunde weltbekannt. Die blonde Schauspielerin und Sängerin Jessica Simpson („These Boots Are Made for Walking“) vertreibt eine Plus Size-Modekollektion, die beispielsweise beim Textilgiganten macy’s erhältlich ist. Das australische Übergrößenmodel Robyn Lawley posierte selbstbewusst für die Molligen-Kollektion Violeta des bekannten spanischen Labels Mango.

Doch auch im deutschsprachigen Raum finden sich genügend Beispiele. Schon immer stand die 1959 in Köln geborene Komikerin Hella von Sinnen für einen schrillen, selbstbewussten Kleidungsstil. Die sinnliche bayerische Schauspielerin und Autorin Christine Neubauer lässt noch immer Männerherzen höher schlagen, respektive Männerblicke in ihrem Dekolleté verschwinden. Und das blonde Schweizer Multitalent Beatrice Egli gewann trotz – oder vielleicht wegen? – ihrer üppigeren Formen den modernen Sangeswettstreit Deutschland sucht den Superstar (DSDS).

Es gab also schon bisher genug Beweise: Weder Plus Size-Frauen noch ihre Kleidung sind ein Hindernis, wenn das Talent stimmt. Dafür war es im Jahr 2014 auch endlich Zeit! Die Vorhersagen: Die Zukunft gehört den Molligen! (KTAD)

Foto: SonyMusic