Mittwoch, 05. März 2014, 22:13 Uhr

Am berühmten Büstenhalter-Zaun herrscht wieder Ruhe

Es ist wieder Ruhe eingekehrt in Cardrona. Seit die kleine neuseeländische Gemeinde Überwachungskameras an ihrem Wahrzeichen installiert hat, kann zumindest Sam Lee nachts wieder besser schlafen.

Lee hatte weniger um sich selbst gefürchtet als um den Zaun, den er um sein Land gezogen hat. Genauer gesagt, er fürchtete um all die Büstenhalter, die seinen Zaun seit Jahren schmücken und dem Ort auf der Südinsel Neuseelands mittlerweile internationale Bekanntheit eingebracht haben.

Diebe hatten sich zuletzt einen Spaß daraus gemacht, des Nachts BHs von dem Zaun zu stehlen. Doch die Kameras scheinen dem Spuk ein Ende gemacht zu haben. “Das war wie ein Schlag ins Gesicht für uns”, empört sich Lee noch heute über das respektlose Treiben der Unbekannten. Selbst ein Fernsehsender berichtete kurz vor Weihnachten unter dem Titel “Wer ist der BH-Dieb von Cardrona” über die mysteriösen Vorgänge.

Bis heute sei nicht geklärt, wer die Diebe seien, sagt Carla Munro, die ebenfalls in Cardrona lebt. Es gebe zwar Gerüchte, entlarvt worden seien die Täter aber nicht, sagt sie. “Das ist eines dieser Dinge, die irgendwann Legende werden – die Geschichte vom BH-Dieb.”

Munro kommt jeden Tag an dem Zaun vorbei und berichtet von zahllosen Touristen die Fotos der farbenfrohen Attraktion schießen. Einige bereichern den Zaun auch mit eigenen Büstenhaltern. “Die Leute hängen nicht nur abgetragenes Zeug hier hin, das sie loswerden wollen, es gibt einige richtig schöne BHs dort”, sagt Munro. Nicht wenige der Wäschestücke stammen übrigens auch von deutschen Frauen.

Allerdings hat nicht jeder in Cardrona Freude an der im Wind flatternden Wäsche. Die Gemeinde, die aus noch nicht mal zwei Dutzend Haushalten besteht, ist gespalten. Während die einen den BH-Zaun lieben, ist er den anderen verhasst. So kritisieren die Gegner, der Zaun sei anstößig und stelle eine Verkehrsgefährdung dar.

Im Jahr 2006 kam das vorübergehende Aus für die eigenwillige Installation. Zuvor hatte es Beschwerden gegeben, das Ganze lenke die Autofahrer ab. Doch Sam Lee gab nicht auf und erweckte das Kuriosum vor knapp einem Jahr wieder zum Leben. Damals richtete er eine eigene Facebook-Seite ein und hängte vier BHs seiner Freundin auf. Andere taten es ihm nach, und so wurde der Zaun wieder zudem, was er einst gewesen war.

Begonnen haben soll alles bereits im Jahr 2000, als vier Frauen von einer Silvesterparty kamen und sich auf dem Heimweg entschlossen, ihre Büstenhalter an eben jenen Zaun zu hängen. Sein Zaun spiegele eine unbeschwerte Einstellung zum Leben wider, sagt Lee. “Wir sind Kiwis. Wir lachen gerne über uns selbst und der BH-Zaun ist die Versinnbildlichung dessen, was es heißt ein Kiwi zu sein.”

Fotos: Mary Lee/Facebook