Donnerstag, 13. März 2014, 12:30 Uhr

George Michael arbeitet schon an neuem Album - Das Interview

Dass er die Dinge überstürzen würde, kann man George Michael (50) sicher nicht vorwerfen.

Seit immerhin 32 Jahren steht der Brite nun schon im Rampenlicht, und doch erscheint diesen Freitag mit “Symphonica” erst sein sechstes Soloalbum. Auf dem neuen Live-Album, das im Rahmen der gleichnamigen Tour in den Jahren 2011-2012 entstand, präsentiert der 50-jährige Superstar eine Reihe von Neuinterpretationen seiner eigenen Songs sowie Coverversionen ausgewählter Tracks seiner Lieblingskünstler.

A.J. Delafield hat George Michael getroffen, um mit ihm über seine Eltern, das Geheimnis seines Erfolgs, die Arbeit mit Phil Ramone, dem inzwischen verstorbenen Produzenten des Albums, und kommende Veröffentlichungen zu sprechen.

Mehr zum Thema: George Michael ist fast 900 Wochen in den deutschen Charts

Ihre zuletzt absolvierte “Symphonica”-Tour war eine Tournee mit Orchesterbegleitung; was für ein Gefühl war das für Sie, besonders, wo doch laut Ihrer Aussage “die eigene Stimme” im Mittelpunkt stehen sollte bei dieser letzten Tour?
Eine derartige Tour zu machen war eine tolle Erfahrung und eine ausgesprochen ehrliche Angelegenheit. Ich mag neue Herausforderungen, ich arbeite gerne an meiner Stimme, und wenn man dann plötzlich mit einem ganzen Orchester gesanglich mithalten muss, dann lernt man ja automatisch dazu!

Wie kam eigentlich die Auswahl der Coversongs für die Tour und das Album zustande, das nun erscheint?
Nun, das Album ist so aufgebaut, dass es einerseits Stücke von mir sind, die sich einfach für eine derartige Aufnahme mit Orchester eignen, und der Rest sind persönliche Favoriten von mir und Songs, die gut dazu passen und mir neue Möglichkeiten geben, mich als Sänger zu entfalten. Mir hat wirklich die komplette “Symphonica”-Tour, jeder einzelne Moment davon, ungemein viel Spaß gemacht.

Was war so besonders an diesen Auftritten? War es die Art und Weise, wie das Publikum auf diese Versionen reagiert hat?
Oh ja, ich bin mir sicher, dass da Stücke dabei waren, die das Publikum noch nie zuvor gehört hatte, aber trotzdem waren die Leute einfach dazu bereit, sich darauf einzulassen und mit mir zusammen auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen. Daran sieht man auch, was für wunderbare Fans ich habe.

Es gab aber auch einen herben Rückschlag während dieser Tour: Eine akute Lungenentzündung, die einen Abstecher in ein österreichisches Krankenhaus nach sich zog, schließlich ging es da ja geradezu um Leben und Tod!
Es stimmt, ich wäre daran beinahe gestorben. Was da wohl im Unterbewusstsein passiert ist, kann einem schon Angst machen, und ich glaube auch, dass ich mich wohl nie wieder so sicher fühlen werde wie davor. Aber andererseits: Ich war einfach so unglaublich dankbar, diese Sache überlebt zu haben, und so glücklich, als ich dann wieder in London war.

Das nun erscheinende “Symphonica”-Album wurde von der Legende Phil Ramone co-produziert, der vor ziemlich genau einem Jahr verstorben ist – was dieses Album zu seiner allerletzten Produktion macht…
Eine wahnsinnige Ehre ist das, der letzte Künstler zu sein, für den Phil Ramone hinter den Reglern stand. Er war mir gegenüber so respektvoll, und ich werde für immer dankbar dafür sein, dass ich die Gelegenheit hatte, einmal mit ihm ins Studio zu gehen.

Apropos Studio: Angeblich arbeiten Sie ja schon wieder an Ihrer nächsten Veröffentlichung, die eventuell schon im kommenden Jahr erscheinen soll. Können Sie jetzt schon was darüber verraten?
Es ist wahr, ich bin momentan an der Arbeit an neuem Material. Und ich kann auch verraten, dass es insgesamt ziemlich optimistisch und ausgelassen klingen wird; es sind sogar ein paar Dance-Tracks dabei.

Wie genau also wird das klingen, gerade im Vergleich zu älteren Sachen?
Viele meiner Hits – und sogar die Dance-Songs – klopfen einem gewissermaßen auf die Schulter und sagen dann: “Also, jetzt hör mich doch ein paar Mal an, und dann wird der Groschen schon fallen.” Die Songs, die ich für das kommende Album geschrieben habe, gehen hingegen eher so in Richtung: “Okay, hier bin ich – Bang!” Allerdings bin ich momentan wohl zu dicht dran, um einen exakten Vergleich zu früheren Songs ziehen zu können, aber ich bin jetzt schon gespannt darauf, welche Songs die Leute als potenzielle Klassiker identifizieren werden, wenn das Album dann erst mal veröffentlicht ist. Es gibt da nämlich diesen einen Song, den finde ich persönlich mehr als außergewöhnlich. Der Text ist einfach unglaublich, und der Aufbau dieses Songs – einfach nur wunderschön.

Das klingt ja alles fantastisch. Überhaupt scheinen Sie momentan bester Dinge zu sein, oder täuscht das nur?
Nein, es stimmt, und es hat auch damit zu tun, dass ich immer noch sehr dankbar dafür bin, als Künstler eine kleine Rolle im Leben der Menschen spielen zu dürfen. Das ist ein absolutes Privileg, und es war schon immer mein größter Traum.

Nur hat Ihr Vater damals nicht damit gerechnet, dass dieser Traum in Erfüllung gehen könnte…
Ich habe meinen Eltern ja nie erzählt, dass ich ein Popstar werden wollte. Sie wussten allerdings auch so, dass ich vollkommen musikverrückt war. Und es stimmt, mein Vater hat tatsächlich immer gesagt, dass er von meinen Gesangskünsten nicht gerade überzeugt war. Im Gegenteil.

Womit er sich offensichtlich geirrt hat. Was meinen Sie: Was braucht es sonst noch, um Musik zu machen, die heraussticht und auch nach Jahren noch Relevanz hat?
Ich denke, das Wichtigste ist, mit Herzblut bei der Sache zu sein. Man muss dieses Verlangen haben, sich selbst ganz ehrlich in der Musik ausdrücken zu wollen – anstatt einfach nur den Wunsch zu haben, ein wenig anzugeben und ein bisschen schnelles Geld zu machen. Mein Ziel war es schon immer, in meinen Stücken ganz direkt zu sein, wirkliche Emotionen zu zeigen, und daran hat sich auch nie etwas geändert. Wenn Musik wirklich von Herzen kommt, dann kann sie ein genauso eindringliches künstlerisches Statement sein wie ein Gemälde oder ein Roman. Na ja, ich bin jetzt schon so lange erfolgreich – was ja eigentlich der Traum jedes Künstlers ist, nicht wahr? Was genau dazu geführt hat, kann ich selbst auch nicht sagen, ich kann’s wirklich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute diese Energie noch immer raushören können, diesen Wunsch, für die Musik wirklich alles aus mir herauszuholen. Aber wer weiß?

Das Interview führte A.J. Delafield. Fotos: Universal Music