Donnerstag, 20. März 2014, 16:50 Uhr

"Die Frau des Polizisten": Dreistündiges Gewaltmartyrium

Ein still erzähltes Gewaltmartyrium über knapp drei Stunden: ‘Die Frau des Polizisten’ des Deutschen Philip Gröning ist eine Herausforderung – aber eine, die sich lohnt.

Gewalt in Familien ist ein Tabuthema. Häufig finden die Misshandlungen im Verborgenen statt, die Opfer schweigen aus Scham oder Angst. Genau diesen Aspekt thematisiert nun das beklemmende Drama ‘Die Frau des Polizisten’ von Philip Gröning. Beim Filmfestival Venedig wurde der deutsche Regisseur dafür im Herbst bereits gefeiert und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Immerhin nimmt sich Gröning für die Geschichte von Gewalt in der Ehe knapp drei Stunden Zeit. Außerdem teilt er sein Werk dann noch in fast 60 Kapitel ein, von denen er jedes einzeln langsam ein- und ausblendet.

Langsam, sehr langsam entwickelt der in Düsseldorf geborene Regisseur so sein Schreckensszenario: In verschiedenen Sequenzen fängt er den – scheinbar normalen – Alltag einer jungen Familie ein. Die Mutter Christine spielt mit der kleinen Tochter im Hinterhof. Zusammen mit dem Vater Uwe suchen sie im Wald Ostereier. Am Esstisch unterhalten sie sich über imaginäre Tierfreunde.

Dann aber gibt es erste Anzeichen von Gewalt, die sich in die Bilder und damit das Leben des Paares einschleicht. Ein heftiger Streit, der Mann ohrfeigt die Frau. Unsicherheiten und Verletzungen, die Gewalt eskaliert. Irgendwann ist der Körper der Mutter dauerhaft mit blauen Flecken übersät. Dennoch will sie die Fassade wahren, vor allem ihre gemeinsame Tochter Clara soll von all dem Terror nichts mitbekommen.

Er habe bei seinen Recherchen mit zahlreichen betroffenen Frauen und Männern gesprochen, erzählte der 54-Jährige im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Dabei habe er gemerkt, dass es auf beiden Seiten starke Abhängigkeiten und Schutzlosigkeiten gebe. “Auch wenn man sich als Außenstehender fragt ‘Warum geht die Frau nicht einfach?’, dann gibt es diese Möglichkeit des Gehens in der Realität so einfach nicht. Das war sehr berührend zu merken.”

Spannend ist dabei, dass Gröning, der zuvor mit seinem Polit-Drama ‘Die Terroristen’ Aufsehen erregte und mit der Kloster-Doku ‘Die große Stille’ 2005 Erfolg feierte, nicht die Gewaltexzesse in den Mittelpunkt stellt. Stattdessen gelingt ihm mit ‘Die Frau des Polizisten’ die eindringliche Studie einer Beziehung, die sich von einer liebevollen Zweisamkeit zur brutalen Alltagshölle entwickelt.

Die strenge Struktur der vielen Kapitel strapaziert dabei sicher die Geduld einiger Zuschauer und hält sie dabei zunächst zwar eher auf Distanz. Gleichzeitig imponiert ‘Die Frau des Polizisten’ mit einer wuchtigen Intensität, löst der Film doch auch eine innere Angespanntheit aus, durch die er noch länger in den Gedanken haften bleibt und nachwirkt.

Fotos: 3L-Filmverleih