Samstag, 22. März 2014, 14:51 Uhr

Dieter Birr: Die "Maschine“ von den Puhdys über seinen neuen Soloausflug

Als Sänger, Musiker, Komponist und Texter der „Puhdys“ hat Dieter Birr, besser bekannt unter dem Spitznamen Maschine, deutsche Musikgeschichte geschrieben. Am Dienstag ist der erfolgreiche Sänger 70 Jahre alt geworden und veröffentlichte vor wenigen Tagen sein zweites Soloalbum, auf dem er Puhdys-Lieder neu interpretiert und mit völlig neuen Songs überrascht. klatsch-tratsch.de sprach mit der Ost-Legende über die neue Platte, das Erfolgsrezept der Puhdys und die Magie der Musik.

Maschine, du stehst seit 1965 auf der Bühne und giltst als Puhdys-Urgestein. Dein erstes und bisher auch letztes Soloalbum kam 1986 auf den Markt. Warum ist die neue Platte erst jetzt erschienen?
Ich hätte überhaupt nicht gedacht, dass ich nochmal ein Soloalbum mache. Das stand irgendwie nie zur Debatte und hat sich jetzt durch einen Zufall ergeben. Ich war im Studio und habe gegenüber dem Produzenten (Ingo Politz) immer mal wieder erwähnt, dass ich gerne eine Soloplatte machen würde und da meinte er „Lass uns doch mal eine machen.“

Auf deinem neuen Album ist das Thema Tod sehr präsent. Der erste Song ist ein Duett mit Wolfgang Niedecken und behandelt auch dieses Thema. Inwieweit hast du dich damit auseinander gesetzt? Hast du das Gefühl, dass die Zeit zu schnell vergangen ist?
Die Zeit vergeht immer so schnell und sie vergeht schneller, wenn man älter wird. Das Album soll aber nicht den Tod thematisieren. In den Liedern wird auch ausgedrückt, dass man das Leben genießen soll, solange es möglich ist und das man das beste aus allem machen sollte.

Mehr zum Thema Dieter Birr: Das Puhdys-Urgestein mit erstem Soloalbum seit 28 Jahren

Hattest du ab einem gewissen Punkt Angst vor dem Älterwerden?
Wenn ein runder Geburtstag ansteht, denkt man schon darüber nach. Ich erinnere mich noch an eine Reportage, in der es um jemanden ging der 35 wurde und da wurde gesagt, dass nun quasi die Hälfte des Lebens rum sei. Ich war damals in demselben Alter und da hab ich auch gedacht, die Hälfte ist rum. Jetzt kannst du nochmal genauso lange leben. Als Kind denkt man sich, dass man unendlich viel Zeit hat und das ist auch irgendwie so. Aber ich hatte nie ein Problem mit dem Älterwerden und bin sehr glücklich, wie mein Leben verlaufen ist. Ich habe eine intakte Familie, ich bin gesund und habe einen Beruf den ich sehr gerne mache. Dafür bin ich sehr dankbar.

Würdest du in den 45 Jahren Musikgeschichte aus heutiger Sicht irgendwas anderes machen?
Nein, das hatte schon alles seinen Grund, dass es so verlaufen ist. Es gibt allerdings einen Song, „Jodelkuh Lotte“, den wir (Puhdys) nicht hätten aufnehmen sollen und dafür schäme ich mich auch. Zu allem anderen stehe ich. (lacht)

Mit den Puhdys hast du Millionen Tonträger verkauft und tausende Konzerte gespielt. Worin siehst du dein Vermächtnis?
Ich habe Lieder in die Welt gesetzt, die für viele Menschen immer noch eine sehr große Bedeutung haben. Für viele Menschen, die mit uns im Osten des Landes groß geworden sind, aber auch für Leute im Westen waren und sind wir Wegbegleiter und sie können sich sehr gut mit unseren Texten identifizieren.

Was ist denn das Erfolgsrezept der Puhdys?
Man macht das, woran man selbst glaubt. Und wenn man selbst an etwas glaubt, dann kann man auch überzeugend sein. Wenn man überzeugend ist, überträgt sich das auch auf die Zuhörer. Das Publikum merkt, wenn man irgendwelche Phrasen einfach runter singt, oder etwas singt, woran man selbst glaubt. Das könnte unser Erfolgsgeheimnis sein. Es gibt keine Regel dafür, aber man sollte authentisch sein. Musik hat eine bestimmte Magie, das kann man nicht erklären. Das ist wie wenn jemand verliebt ist, das kann man auch nicht richtig beschreiben.

Welche aktuell angesagten Musiker findest du toll und hörst du dir an?
Ich mag die Musiker mit einer Rockerattitüde, also John Mayer, Rammstein, Placebo. Arcade Fire mag ich auch sehr, sehr gerne.

Dein Sohn hat lange in der Band Bell, Bock & Candle gespielt, die ebenfalls sehr erfolgreich waren. Warum hört man nichts mehr von ihnen?
Sie hatten einen Superhit und die nachfolgenden Singles konnten daran nicht mehr anknüpfen. Aber sie machen immer noch Musik zusammen und spielen tolle Konzerte. Außerdem spielt mein Sohn bei den Puhdys mit, wenn wir auf Akkustik-Tour sind.

Wie ist denn eigentlich dein Spitzname Maschine entstanden?
Ich habe früher immer sehr viel und gerne gegessen, vor allem Steak mit Pommes. Da mir das so gut geschmeckt hat, habe ich mir dann oft noch eine Portion bestellt und da hieß es dann, „der ist eine richtige Fressmaschine“. Daraus wurde dann Maschine.

Am 25. März spielt Maschine mit Gästen ein Record Release Konzert im Kesselhaus in Berlin. Derzeit ist er außerdem gemeinsam mit den Puhdys auf Akkustik-Tour. (KV)

Fots: WENN.com