Mittwoch, 02. April 2014, 17:25 Uhr

Der Knastarzt: Nach der Sprechstunde geht's zurück in die Zelle

Ein Arzt muss ja auch hart im Nehmen sein. Besonders in einem Gefängnis, wo man nicht nur Krankheiten bekämpfen, sondern sich auch mal gegen seine eigenen Patienten zur Wehr setzen muss. Ein Gefängnisarzt kann nach getaner Arbeit den Knast wieder verlassen. Was aber, wenn der Arzt selbst einsitzt?

Was, wenn er neben einem „Halbgott in Weiß“ Dr. Tobias Falk aber nur ein ganz gewöhnlicher Knacki ist, der seine privilegierte Stellung nur einem Deal mit der Gefängnisdirektorin verdankt? Schwerverbrecher statt Privatpatienten und nach der Sprechstunde geht’s zurück in die Zelle: Wie sich der Arzt in seiner neuen Welt behauptet, zeigen sechs Folgen der neuen Drama-Serie „Der Knastarzt“ – ab Donnerstag, 3. April, um 21.15 Uhr.

Hauptdarsteller Bernhard Piesk (35) sprach jetzt über seine neue Herausforderung.

Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen, worum geht es in der Serie?
Bernhard Piesk: Die Zuschauer dürfen sich auf eine Serie freuen, die es so im deutschen Fernsehen wohl noch nicht gegeben hat. Großes Drama trifft auf einen kleinen Schuss feiner Komik. Es geht um den jungen, talentierten Dr. Falk, der einer befreundeten, älteren, unheilbar kranken Patientin Sterbehilfe leistet und dafür wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt wird. Im Knast trifft Falks einigermaßen heile Welt und seine tendenziell positive Weltsicht dann auf die harte, ihren ganz eigenen Regeln folgende Knastwelt.

Welche Rolle spielst du, was ist Dr. Tobias Falk für ein Typ?
Ich spiele den Knastarzt Dr. Tobias Falk, der anfangs mehr oder weniger dazu gezwungen wird, den Posten als Arzt im Knast zu übernehmen. Falk ist in erster Linie und im allerbesten Sinne ein guter Mensch. Er folgt höchsten moralischen und ethischen Standards und kämpft, wenn es sein muss, auch bis zur Selbstaufgabe für die gute Sache. Deshalb leidet er immens unter den Bedingungen im Knast, der Ausweglosigkeit seiner Situation hinter Gittern und den gnadenlosen Machtspielen all der Menschen, mit denen er im Knast so konfrontiert wird. Die Frage wird sein, ob sein eigentlich starker Charakter diesem Druck und dem unguten Einfluss auf Dauer standhalten wird.

Plötzlich sitzt man zwischen Schwerverbrechern im Knast: Wie stellst du dir seine Situation vor und wie würdest du damit umgehen?
Schwer zu sagen, wie ich damit umgehen würde. Knast ist erst mal und ganz grundsätzlich – Verzeihung für den Ausdruck – scheiße! Ob schuldig oder unschuldig. Von der Enge und der Tatsache, dass man sich nicht frei bewegen kann, mal abgesehen. Knast ist eine Parallel-Welt, in der man Kräften ausgesetzt ist, denen absolut nicht jeder gewachsen ist. Wenn du weich bist, hast du verloren. Das prägt. Die Frage ist grundsätzlich, ob diese Form der Bestrafung die Menschen in irgendeiner Art besser macht. Mein persönliches, ideales Weltbild ist eher ein liebevolles, weitestgehend friedliches. Also quasi der Gegenentwurf zur Knastwelt. Ich bin ganz froh und außerordentlich dankbar, dass ich mein Leben bis jetzt in Freiheit und mit dem Streben nach Liebe und dem Geben von Zuneigung verbringen kann. Nicht mit dem Zwang zu Härte und Feindseligkeit.

Wolltest du schon immer Schauspieler werden?
Nein. Ursprünglich wollte ich Cellist werden. Wobei sich der Gedanke, Schauspieler werden zu können, schon recht früh in mir eingenistet hat, so mit sechs oder sieben Jahren etwa. Unsere damalige Nachbarin hat immer, wenn ich wieder mal irgendwelche Faxen gemacht habe, zu mir gesagt: „Mensch Berni, so wie du hier jetzt schon wieder rumspinnst, könntest du auch Schauspieler werden!“ und ich dachte mir dann so: „Joa, stimmt eigentlich, das geht ja wirklich, dass ich Schauspieler werden könnte…!“ Bis zur Umsetzung dieser Erkenntnis hat es dann aber noch ca. zehn Jahre gedauert.

Du bist auch als Musiker unterwegs, was für Musik machst du?
Meine Musik ist irgendwas zwischen Singer-Songwriter-Pop und Progressive Rock. Keine Ahnung, ob es dafür eine Schublade gibt. Meine Musik ist auf jeden Fall immer melodisch, mal sehr zart, mal ziemlich wuchtig und meistens mit einem leicht melancholischen Einschlag. Mehr Moll als Dur, soviel steht fest.

Gibst du auch Konzerte?
Ja. Meine Jungs und ich proben seit ein paar Wochen am neuen Live-Programm. Anfang März geht’s erst mal ins Studio, die neue Platte einspielen, darauf freue ich mich schon sehr. Und ab voraussichtlich Mitte April gibt’s dann erste Konzerte…

Zur Person: Bernhard Piesk wurde am 3. November 1978 als Sohn einer Malerin und eines Musikers in München geboren. Schon sehr früh wusste Piesk, der eigentlich Cellist werden sollte und auf ein musisches Gymnasium ging, dass er Schauspieler werden will. Nach einem kurzen Intermezzo auf einer Münchener Schauspielschule gab er 1997 in der Familienserie „Bei aller Liebe“ (1997-2002) sein Fernseh-Debüt. Seitdem ist er in mehr als 40 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen gewesen, darunter „Bodyguard – Dein Leben in meiner Hand“ (1998), „Baal“ (2003), „Peer Gynth“ (2006), „Das Duo“ (2006-2012), „Weißensee“ (2009), „Lotta & die alten Eisen“ (2010), „Johanna & der Buschpilot“ (2013) u.a.. Zudem ist Piesk nach wie vor als Musiker aktiv. Seit 2003 schreibt er unter seinem Pseudonym „pieska“ feine Indie-Popmusik. Er hat bis heute drei Alben veröffentlicht. Das letzte 2011 mit dem Titel „Euphoria“ (FinestNoise). (RTL/Karin Kleibel PR)

Fotos: RTL/Guido Engels, WENN.com