Donnerstag, 03. April 2014, 14:50 Uhr

Bibel-Epos "Noah": Das Aussehen der Arche überrascht

Gleich für seinen ersten Langfilm wurde Darren Aronofsky 1998 beim Sundance Film Festival ausgezeichnet: ‘Pi’, umgesetzt für nur 60 000 Dollar, erzählt in schwarz-weißen Bildern von einem paranoiden Mathematiker.

Vier weitere Filme, ‘The Fountain’ oder ‘The Wrestler’, folgten, nie aber hatte der US-Regisseur (45) ein auch nur annähernd so großes Budget zur Verfügung wie dieses Mal: Mit 115 Millionen Dollar im Rücken durfte sich Aronofsky an die Neuerzählung der biblischen Geschichte um Noah und die Sintflut machen.

Der Oscarpreisträger Russell Crowe schlüpft in diesem bildgewaltigen Drama in die Rolle des Noah, auch Jennifer Connelly (‘Hulk’) und Emma Watson (‘Harry Potter’) sind beim Bau der Arche, beim Kampf ums Überleben mit dabei.

Es steckt mehr in dieser filmischen Kraftanstrengung, als man zunächst annimmt. Wobei vor allem das Aussehen der Arche überrascht, für das sich Aronofsky am 1. Buch Mose (“Dreihundert Ellen sei die Länge…”) orientierte: mehr Kasten denn Boot, rechteckig, drei Stockwerke hoch. Tatsächlich ließ Aronofsky auf Long Island einen Gutteil der Arche nachbauen, fünf Monate hat das gedauert. Die Tiere indes, “alles, was da kreucht und fleucht”, die dort Obdach finden, wurden digital ins Leben gerufen – und es ist atemberaubend, mit anzusehen, wie all die Spezies gen Arche strömen. Nebst großartigen Bildern (Kamera: Matthew Libatique) ist es auch der Umgang mit der Kreatur, der an ‘Noah’ berührt: Zärtlich streichelt Noah zu Beginn des Films ein totes hundeartiges Wesen, später heißt es: “Wir müssen sanft sein und beschützend”.

Noah als Tier-, als Umweltschützer: Man kann aus Aronofskys Epos auch Botschaften herauslesen an die Erdbewohner des 21. Jahrhunderts.

In Crowe (‘Gladiator’) hat der Regisseur einen idealen Hauptdarsteller. Die Rolle des entschlossenen, doch zweifelnden Noah scheint dem gebürtigen Neuseeländer wie auf den Leib geschrieben. Nicht nur spricht Crowe im Film seine Worte mit alttestamentarischer Wucht, auch vom Habitus kann man sich derzeit kaum einen anderen Mimen in der Rolle vorstellen. Egal ob Crowe, dessen wildes Haupt im Verlauf immer grauer wird, mit verzweifeltem Blick am Himmel nach einer Antwort Gottes sucht oder sich gar betrinkt: Stets findet er den rechten Ausdruck.

Zusammen mit Crowe gelingt Aronofsky die faszinierend vielschichtige (Neu-)Interpretation einer biblischen Figur, gleichsam brutal wie sanftmütig. Jennifer Connelly dagegen fällt es schwer, sich an Crowes Seite zu behaupten, Emma Watson hat einige tolle Momente, Anthony Hopkins – er gibt Noahs Großvater – ist stark wie eh und je.

Aronofsky, der es einem nie leicht gemacht hat mit seinen so verstörenden (etwa: ‘Requiem for a Dream’) wie bewegenden (vor allem: ‘The Wrestler’) Filmen, der mal als Wunderkind des unabhängigen US-Kinos galt, vollzieht nun mit seinem ‘Noah’ einen veritablen Spagat: Aronofsky bleibt sich und seinen Wurzeln treu, zugleich aber deutet er mit dieser Großproduktion, die Potenzial zum Blockbuster hat, an, dass er sich nach seinem Erfolg mit dem Ballett-Thriller ‘Black Swan’ (Oscar für Natalie Portman) längerfristig im Mainstream-Sektor etablieren könnte. Nach nun sechs Langfilmen jedenfalls kann man Aronofsky in einem Atemzug nennen mit ähnlich kreativen US-Kollegen seiner Generation: einem David Fincher, Paul Thomas Anderson oder Steven Soderbergh, denen es bisweilen ebenfalls gelingt, den Geist des US-Indie-Kinos mit Hollywood zu versöhnen. (Matthias von Viereck, dpa)

Foto: Paramount Pictures Germany GmbH