Donnerstag, 10. April 2014, 21:50 Uhr

"Spuren": Alles über Robyn Davidson, die einsame Wüsten-Wanderin

Anfang 1977 setzte die Australierin Robyn Davidson ein unglaubliches Vorhaben in die Tat um: die 27-Jährige machte sich auf den Weg, 2.700 Kilometer australische Wildnis bis zur Westküste zu durchqueren – lediglich begleitet von vier Kamelen und ihrem Hund Diggity. In den folgenden Wochen und Monaten lernte Davidson das Land und seine Bewohner auf eine ganz neue, intensive Art kennen…

Ab heute können wir in ‘Spuren’ die von den Aborigines als „Camel Lady“ bezeichnete Australierin – verkörpert von der brillanten Mia Wasikowska – auf ihrer Reise durch das australische Outback begleiten und sich von faszinierenden Bildern begeistern lassen.

Robyn Davidson wurde 1950 auf einer Viehfarm im australischen Bundesstaat Queensland geboren. Sie besuchte das „Saint Margaret’s Girl’s School“-Internat in Brisbane, wo sie 1966 gleich mit zwei Stipendien bedacht wurde, darunter einem für das Brisbane Conservatorium of Music. Beide Stipendien lehnte Davidson jedoch ab und übernahm stattdessen zwischen 1967 und 1972 lieber etliche Gelegenheitsjobs, während sie sich an allerlei Studiengängen versuchte: ein Jahr lang Zoologie und Philosophie an der Queensland University, ein Jahr Klavier am Sydney Conservatorium of Music und zwei Jahre lang Japanisch, abermals an der Queensland University.

Mitte der 1970er Jahre ging sie nach Alice Springs im Northern Territory, um sich auf eine gleichermaßen spannende wie körperlich und geistig extrem fordernde Wanderung vorzubereiten. Anfang 1977 brach sie von dort dann zu ihrer einzigartigen Tour auf, begleitet lediglich von vier Kamelen – Dookie, Bub, Zeleika und Goliath – und ihrem Hund Diggity. Zwischen dem Start und Ziel der Reise, der Westküste, lagen über 2.700 Kilometer australische Wildnis. Die Route war vor allem geprägt von den kargen, weitestgehend menschenleeren Wüstenlandschaften der „Great Sandy“ und der „Gibson Desert“.

Dass Robyn Davidson sich ausgerechnet für Kamele als Reisebegleitung entschied, war natürlich kein Zufall: Die äußerst widerstandsfähigen, aber schwer abzurichtenden Lastenträger, welche ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus Afghanistan und Indien nach Australien importiert worden waren, stellten für eine solch anstrengende Wanderung schlicht die erste Wahl dar – Pferde beispielsweise hätten jene Tour niemals überstanden. In den folgenden Wochen und Monaten lernte Davidson das australische Outback von einer Seite kennen, die so heute wohl nur noch den Aborigines bekannt ist, welche jene Region ihre Heimat nennen und der „Camel Lady“ stets mit freudiger Neugier begegneten. Nach entbehrungsreichen neun Monaten erreichte Davidson schließlich den Indischen Ozean.

Die Geschichte dieser Reise wurde erstmals 1978 im Magazin „National Geographic“ und im folgenden Jahr auch von der „Sunday Times“ in London veröffentlicht. Beim „National Geographic“ wurde die Ausgabe mit Davidson auf dem Cover zur bestverkauften seit mehreren Jahren. Rund 90 Zeitschriften auf der ganzen Welt nahmen die Geschichte in der Drittverwertung ebenfalls auf ihren Titel.

Später baute die Australierin ihre Aufzeichnungen weiter aus und veröffentlichte sie unter dem Titel „Spuren – Tracks“ als Buch, welches 1980 in ihrer Heimat und ein Jahr später auch in England sowie den USA erschien und seither immer wieder aufgelegt wird. Insgesamt wurde „Spuren“ in 18 Sprachen übersetzt und entwickelte sich neben Australien, England und den USA auch in Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Schweden zum Bestseller. Das Buch stand viele Jahre lang auf Schul- und Universitätslehrplänen in Australien, England und Deutschland. In den USA, Kanada, Großbritannien und Australien wurde Davidson immer wieder in Fernseh- und Radiosendungen so wie zu zahllosen Literaturfestivals eingeladen.

Zwischen 1980 und 1986 unternahm Robyn Davidson etliche weitere Reisen, über die sie Artikel in Zeitschriften wie „Bunte“, „Geo“, „Granta“, „Traveler Magazine“ und „National Geographic“ veröffentlichte. Ihre literarischen Essays, Kolumnen und Kritiken erschienen in zahlreichen englischen, australischen und amerikanischen Tageszeitungen und Magazinen.

Daneben arbeitete Davidson, die heute in Australien und Indien lebt, unter anderem auch als Drehbuch-Autorin und -Beraterin.

Fotos: Ascot-Elite