Sonntag, 13. April 2014, 20:15 Uhr

"20 Feet from Stardome": Millionen kennen ihre Stimmen, niemand ihre Namen

Im Oscar-prämierten Film ’20 Feet from Stardome’ von Morgan Neville stehen Backgroundsängerinnen wie Lisa Fischer, Merry Clayton, Darlene Love, Tata Vega oder Judith Hill im Rampenlicht und erzählen von ihren Träumen und was es heißt, ein Leben mitden Superstars zu verbringen.

Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Mick Jagger, Sting und zahlreiche weitere Legenden der Musikgeschichte offenbaren in intimen Interviews ihre Sicht auf die Welt des Showbusiness. Sie sitzen in diesem Film auf der Rückbank und räumen die Bühne für die faszinierenden Lebensgeschichten ihrer Backgroundsängerinnen. Weitere Highlights des Films sind rares, spektakuläres Archivmaterial und natürlich ein unvergleichlich mitreißender Soundrack.

Der Film ist eine Hommage an die unbekannten Stimmen, die Profil und Stil der Popmusik geprägt haben. Zugleich reflektiert er die Konflikte und Opfer, die eine Karriere im Schatten der Stars mit sich bringt. Die begabten Künstler decken ein breites Spektrum an Musikrichtungen und -strömungen, aber auch an verschiedenen Ären der Musikgeschichte ab. Das Leben der weltberühmten Stars rückt in diesem Film in den Hintergrund und macht Platz für die Geschichten und Erzählungen der Backgroundsängerinnen.

Deutscher Kinostart ist am 24. April.

Morgan Neville dreht in seinem Dokumentarfilm einfach den Spieß um, indem er die Stars in die zweite Reihe setzt und den Spot auf die Backgroundsängerinnen richtet. Der Film blickt hinter die Kulissen einer Branche, die aus Licht und Schatten, Stars und Beiwerk besteht.
Neville erzählt die Geschichte der Künstler, die zusammen mit den größten Musiklegenden des 21 . Jahrhunderts auf der Bühne singen. Wo kommen sie her und wo wollen sie hin? Morgan Nevilles Oscar-Gewinner ist eine Hommage an weltbekannte, aber scheinbar namenlose Stimmen.

Ein unvergleichlicher Soundtrack mit Hits von „Gimme Shelter“ über „Sweet Home Alabama“ bis „Walk on the Wild Side“ bringt jeden Fuß zum Wippen, wenn rares Archivmaterial und intime Interviews mit Stars wie Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Mick Jagger, Sting und vielen anderen ein ganzes Jahrhundert Popmusik aus einer ganz anderen Perspektive Revue passieren lassen.

Endet der Traum von der Solokarriere an der Seite der ganz großen Stars oder fängt er an dieser Stelle erst so richtig an? Morgan Nevilles Dokumentarfilm reflektiert die Möglichkeiten, aber auch die Sackgassen, die eine Karriere im Schatten der Stars mit sich bringt. Tourneen an der Seite von Musiklegenden und Soundtracks für große Hollywoodfilme haben manch einen von der eigenen Solokarriere abgehalten.

„Manche Leute tun alles dafür, bekannt zu werden, andere wollen einfach nur singen“, sagt Lisa Fischer (Foto oben, rechts neben Sting). Sie war Backgroundsängerin bei den Rolling Stones und ist mit Tina Turner auf Tournee gewesen. Sting sagt über Lisa Fischer, sie sei ein stimmliches Kraftwerk, ein echter Star. Doch der echte Durchbruch blieb ihr verwehrt.

Faszinierende und anrührende Geschichten mischen sich mit skurrilen Anekdoten.

In einem Moment erzählt Darlene Love, wie sie sich zeitweise als Putzfrau über Wasser halten musste, und wenig später beschreibt Merry Clayton jene Nacht, in der sie Hals über Kopf ins Studio fuhr, um „Rolling irgendwas aus England“ als Backgroundsängerin zu unterstützen. Immer wieder treffen in ’20 Feet from Stardome’ derlei Extreme aufeinander und zeigen die Musikbranche in all ihren Facetten.

Regisseur Morgan Neville sagte über seinen Film: Die Arbeit veränderte mein eigenes Hörverhalten. Plötzlich achtete ich überall auf den Backgroundgesang und sammelte Hunderte toller Songs mit fantastischen Background-Passagen. Das Thema des Films ließ sich schnell enger fassen: Wir hatten es mit Leuten zu tun, die ihr Berufsleben damit verbracht hatten, anderen Leuten dabei zu helfen gut zu klingen. In jedem Song geht es in der Regel um das gleiche Ziel: Der Backgroundgesang soll für einen Klangteppich sorgen, in dem jede individuelle Note der einzelnen Stimmen verloren geht. Der Sänger verschmilzt mit der Gruppe. Musik wird dann fast etwas Spirituelles. Manche macht das glücklich, andere empfinden es als Qual.”

Je weiter die Produktion voranschritt, desto häufiger stellten er fest, dass nicht jeder Teil eines Dokumentarfilms werden wollte: “Es gab Leute, die nicht im Rampenlicht stehen wollten und stattdessen lieber im Hintergrund blieben. Sie hatten den Ruhm aus nächster Nähe gesehen und dabei auch bemerkt, wie viele Fallstricke er mit sich bringt. Letztlich sahen sie dann aber doch den Wert unsere Arbeit und erzählten uns ihre Geschichten.”

Nach der Beendigung des Films ließen sich für Neville ein paar Grundregeln ableiten:
– Background-Sängerinnen bezeichnen sich nicht als solche. Sie sind einfach Sängerinnen.
– Background-Sängerinnen begannen ihre Karriere in der Regel in einem Kirchenchor.
– Background-Sängerinnen u?bertreffen mit ihren Fähigkeiten viele Lead-Sänger.
– Keinen bekannten Namen zu haben, bedeutet noch lange nicht, keine Diva zu sein.

Fotos: Weltkino