Freitag, 18. April 2014, 14:49 Uhr

First Husband: Angela Merkels Göttergatte Joachim Sauer wird 65

Angela Merkel steigt aus der Limousine, schreitet sogleich die Stufen des Weißen Hauses empor und hält plötzlich inne.

Sie hat etwas vergessen: ihren Mann. Der eilt um die Karosse herum, um noch zeitgleich zur Treppe zu kommen, wo Michelle und Barack Obama zum Empfang bereitstehen. Das war 2011, als der Präsident die Kanzlerin mit der Freiheitsmedaille der USA auszeichnete – einer der seltenen Fälle, in denen Joachim Sauer seine Frau begleitete. Für sie ein ungewohnter Moment. Meistens steht sie allein auf großer Bühne.

Der Chemieprofessor scheut die Öffentlichkeit und will auch als First Husband nicht in deren Licht treten. Interviews außerhalb seines Fachbereichs lehnt er für gewöhnlich ab. Und auch während besagter USA-Reise hält er sich von mitreisenden Journalisten fern. Er kam zu keiner der bisher drei Vereidigungen seiner Frau als Bundeskanzlerin, wo er eines der begehrtesten Motive von Fotografen gewesen wäre. Und es gibt es kaum öffentliche Äußerungen von ihm. Ganz zu schweigen von einer Homestory zum Geburtstag. Am 19. April wird er 65 Jahre alt.

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Prof. Dr. Sauer hat sein eigenes Leben. Er ist ein weltweit renommierter Quantenchemiker, der in Prag geforscht, in Kalifornien gearbeitet hat und seit mehr als 20 Jahren an der Berliner Humboldt- Universität lehrt. Allein den Titel seiner Habilitationsschrift „Quanten-chemische Untersuchungen aktiver Zentren und adsorptiver Wechselwirkungen von Siliciumdioxid- und Zeolithoberflächen“ dürfte nur ein kleiner Teil der Bevölkerung verstehen. Persönliches, Vorlieben, Abneigungen sind kaum bekannt. Nur, dass er Opernfan ist, weiß man.

Merkel lernte ihn Anfang der 80er Jahren an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften kennen, wo er die junge Physikerin bei ihrer Doktorarbeit betreute. Seit 1998 sind sie – jeweils in zweiter Ehe – verheiratet. Er hat zwei Söhne aus erster Ehe.

Merkels dritte Amtszeit als Kanzlerin ist gewissermaßen auch seine dritte Amtszeit. Joachim Sauer hat das „Damenprogramm“, das inzwischen Partnerprogramm genannt wird, beim G8-Gipfel in Heiligendamm und beim Nato-Gipfel in Straßburg bestritten, mit George W. Bush gegrillt, mit Barack Obama zu Abend gegessen, Michelle Obama und deren Töchter durch Berlin begleitet und die Camerons auf Schloss Meseberg getroffen. Es ist eine Zeit, in der die Ehe den Geschicken des Landes wohl untergeordnet wird.

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Merkels Terminkalender kennt eigentlich kein Privatleben. Mal ein freier Samstag, mal ein halbwegs entspannter Sonntag, ein gemeinsames Essen oder ein Opernbesuch. Und auch er hat ein volles Programm. Wenn sich Obama nach dem in Hosena bei Senftenberg in der Niederlausitz geborenen Sauer erkundigt, fragt er Merkel nur: Wie geht es dem Professor? Die meisten gemeinsamen Bilder von den beiden können Fotografen noch in ihren kurzen Urlauben aus der Ferne machen. So wie jetzt im Osterurlaub in Süditalien. Dort ist der Mann mit dem Mecki-Haarschnitt wie oft mit Rucksack zu sehen.

Viele in der CDU finden ihn gerade wegen seiner Zurückhaltung und Bescheidenheit sympathisch. Und Anerkennung bekam er dafür im vorigen Jahr auch von Gertrud Steinbrück, der Frau von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. „Er sagt: Sie macht ihr Ding, ich meins, und dazwischen haben wir ein Privatleben, das geht keinen etwas an. Als die Kandidatur anfing, da hab ich jedenfalls gesagt: Ich mach‘ das so wie Herr Sauer“, verriet sie damals dem Magazin ‚Stern“‚

Wie gut oder schlecht die Ehe wirklich funktioniert, ist nicht bekannt. Merkel vermittelt den Eindruck von trauter Eintracht. So antwortete sie einmal auf die Frage, welchen Politiker sie mit auf eine Insel nehmen würde: keinen Politiker – „meinen Mann“. Und obwohl sie üblicherweise nicht persönlich wird, erwähnte sie ihn am Abend der Bundestagswahl im September. Während die CDU ihren Sieg ausgelassen feierte, zeigte Merkel keinerlei Geste des Triumphs.

Aber sie strahlte und sagte: „Und ich danke auch meinem Mann, der dort an der Seite steht. Der muss auch manches ertragen.“ Sauer hatte sich unbemerkt unter die Anhänger gemischt – natürlich nur ganz am Rande.

Fotos: WENN.com, Boris Roessler/Archiv