Montag, 21. April 2014, 11:13 Uhr

Die Damenkapelle Elaiza blickt gelassen in die Zukunft

Für Ela, die deutsche Stimme beim Eurovision Song Contest (ESC), ist es eine ganz große Chance. Aber falls sie mit ihrer Band Elaiza in Kopenhagen nicht siegt, geht die Welt für sie nicht unter.

“Ganz ehrlich, für uns geht es nicht ums Gewinnen”, sagt die 21-jährige Sängerin in Saarbrücken. “Was kommt, das kommt.” Die Newcomer-Band sei einfach nur glücklich, am 10. Mai mit ihrem Hit ‘Is It Right’ für Deutschland ins Rennen zu gehen. “Wir freuen uns auf den Moment, dass wir an dem Abend unsere Musik mit Europa teilen dürfen und die Bühne mit den ganzen Künstlern. Das ist für uns das absolute Highlight.”

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Unabhängig vom Ausgang des ESC: “Wir werden immer Musik machen”, sagt die quirlige Sängerin, die im saarländischen Schiffweiler wohnt. Das Trio plane bereits eine Tour. Mit Konzerten quer durch Deutschland. “Und vielleicht auch ein bisschen Ausland, in Polen oder so”, sagt Ela, die als Tochter eines ukrainischen Musikers und einer polnischen Sängerin in der Ukraine (Smila) geboren wurde. “Für uns gibt es nichts Schöneres, als live zu spielen.”

Die vor einem Jahr in Berlin gegründete Neo-Folk-Band, die vor kurzem noch kaum einer kannte, feilt eifrig an dem großen europäischen Auftritt. Klar ist, dass Sängerin Ela Steinmetz, Akkordeonspielerin Yvonne Grünwald (29) und Kontrabassistin Natalie Plöger (28) nur zu dritt auf der Bühne stehen werden. “Wir wollen so sein, wie wir sind”, sagt Ela mit ihrer wasserstoffblonden, kurzen Haaren. Dazu gehöre auch, dass “wir uns nicht verkleiden. Uns ist wichtig, dass es unser Elaiza-Style ist”.

Die Frage der Outfits sei aber noch nicht geklärt. “Am besten wäre bunt. Ich mag ja Tutu und flippige Sachen”, gibt Ela zu. Und einen Schuhtick habe sie auch: “Ja, ich finde High Heels mit Plateau ganz toll.” Sie habe aufgehört, ihre Schuhe zu zählen. “Ich weiß nicht mehr, wo ich sie hinpacken soll.”

Lampenfieber ist für die drei jungen Frauen kein Problem. “Musik sollte ja keine Angst machen.” Bei ihnen gebe es immer große Vorfreude – und Ungeduld, auf die Bühne zu kommen. Und bei Nervosität werde einfach Quatsch gemacht. “Das lenkt ab”, sagt Ela. Wenn sie auf der Bühne stehen, schauen sie sich an, nicken sich zu. “Und dann wissen wir, es geht los!”

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Vor dem Auftritt erholt sich Ela noch ein paar Tage zu Hause bei ihrer Mutter dem Stiefvater. “Ich finde das Saarland einfach schön. Ich fühle mich da wohl. Es ist meine Heimat und mein Ruhepol.” Es gebe viele “grüne Ecken”, es sei gemütlich, jeder kenne jeden. Ela zog nach dem frühen Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter nach Polen – wo diese einen Bergmann aus Schiffweiler kennenlernte.

Mit acht Jahren kam Ela dann ins Saarland – und lernte relativ schnell Saarländisch. “Ich war erst überrascht, was die da reden. Saarländisch ist so weich.” Zudem spricht Ela Russisch, Polnisch und Englisch. “Wir hatten zwar Ukrainisch in der Schule, haben aber Russisch gesprochen.”

Mit zehn fing sie an, Klavier zu spielen, mit zwölf Jahren schrieb sie ihre ersten Songs. “Ich habe schon immer Musik gemacht. Es war immer schon da. Für mich gab es auch nie einen Plan B.” Auch nach dem Abi hätten viele ihr geraten, sie solle studieren. Sie entschied sich aber für die Musik. Umso schöner sei es, dass beim ESC-Vorentscheid Mitte März in Köln so viele Fans für Elaiza gestimmt hätten.

Dass am 10. Mai noch viel mehr Fans aus ganz Europa für Elaiza anrufen, hofft unter anderem der Bürgermeister von Schiffweiler, Markus Fuchs. «Wir sind stolz auf unsere Ela», sagt er. Die 16 000-Einwohner-Gemeinde plane ein Public Viewing am ehemaligen Grubenstandort Landsweiler-Reden. Fuchs meint, dass Elaiza gute Chancen hätten, in Dänemark “ganz vorne zu sein”. “Wir alle drücken Ela fest die Daumen.”

Die osteuropäischen Wurzeln könnten Ela auch in Polen und in der Ukraine zugutekommen. “Da würde man sich natürlich extrem freuen, wenn die eigenen Landsleute mitfiebern und ein paar Punkte locker machen”, sagt Ela. “Aber im Endeffekt hängt es wirklich davon ab, wie die Leute uns aufnehmen, und ob sie den Song überhaupt mögen.” (Birgit Reichert, dpa)