Mittwoch, 23. April 2014, 23:45 Uhr

"Irre sind männlich": Fahri Yardim ist der neue Schweighöfer

Guter Schauspieler, komödiantisches Talent, attraktiv und: zur Abwechslung mal nicht Matthias Schweighöfer. Fahri Yardim dürfte deutschen Filmproduzenten gefallen.

Spätestens seit Til Schweiger mit dem Millionenerfolg ‘Keinohrhasen’ eine deutsche romantische Komödie zum Kassenschlager machte, werden neue Helden für das Genre gesucht. Schweighöfer (‘Vaterfreuden’, ‘Schlussmacher’) war bislang der Einzige, der in Serie daran anknüpfen konnte. Die Folge: ziemlich viele Schweighöfer-Filme. Nun darf sich in ‘Irre sind männlich’ der in Hamburg geborene Yardim als Hauptdarsteller an der richtigen Mischung aus Humor und Herz probieren.

Allein das macht die Geschichte um den Spiele-Entwickler Daniel zu einer wohltuenden Abwechslung. Manche Frau würde wohl sagen, dass Daniel treu und romantisch ist. Seine Freundin Mia (Josefine Preuß) meint, dass er klammert und lässt ihn sitzen – mit dem Hinweis, besser mal eine Therapie zu machen.

Daniel und sein nicht minder unreifer Kumpel Thomas (Milan Peschel) finden bald heraus, dass sich Gruppentherapien – und vor allem Familienaufstellungen – bestens eignen, um psychisch angeknackste Frauen kennenzulernen. Und die wiederum lassen sich mit ein paar Tricks leicht ins Bett kriegen. So weit, so sehr Mistkerl. Aber alles wird anders, als in einer Sitzung die bezaubernde Bernadette (Peri Baumeister) auftaucht – und Daniel in diverse Konflikte stürzt. Zwischen Bernadette und Mia, zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen Hallodri und Erwachsensein.

Bislang war Fahri Yardim eher ein heimlicher Star. Einem großen Publikum dürfte er als Kommissar Yalcin Gümer aus dem Hamburger ‘Tatort’ bekannt sein. Dort spielt er an der Seite von Til Schweiger. Die Rolle ist eigentlich als Sidekick angelegt, aber nicht wenige sagen, dass Yardim mit seinem schnoddrigen Schauspiel Schweiger gehörig die Schau stiehlt. Dass er nun auch mal ganz offiziell der große Star eines Kinofilms sein darf, schien also  fast logisch.

Ihm und auch seiner Kollegin Peri Baumeister ist es zu verdanken, dass der Film nicht so aufdringlich wirkt, wie es der Plot vermuten lässt. Die beiden spielen ihre Figuren mit vielen stillen Momenten. Begünstigt werden sie dabei auch vom Drehbuch, das für Daniels Kumpel Thomas die deftigeren Zoten vorgesehen hat – unter anderem einen pantomimischen Ganzkörpersamenerguss.

Die Welt der Psychologie ist dabei im Grunde nur ein Milieu unter vielen, in dem sich die Geschichte erzählen ließe. Und dennoch: Wenn jemand etwas auf die “Bühne der Struktur” holen will oder “in Kontakt mit den Gedanken” steht, werden gekonnt die Floskeln selbst ernannter Seelenheiler offengelegt.

Auch in einigen Nebenrollen ist die Komödie klug besetzt. Herbert Knaup spielt den Psycho-Guru Schorsch Trautmann, die Komikerin Carolin Kebekus eine der gelinkten Bett-Bekanntschaften. Und ein recht bekannter deutscher Schauspieler kommt auch zu einem Kurzauftritt: Matthias Schweighöfer. Ganz ohne ihn scheint romantisch und lustig dann wohl doch nicht zu gehen.

Ach ja und seine Mama Gitta spielt auch ‘ne kleine Rolle… (Jonas-Erik Schmidt, dpa)

Fotos: Constantin