Freitag, 02. Mai 2014, 17:59 Uhr

"Die Spiegel-Affäre": Super-Politthriller um zwei Alpha-Männer

“Die Spiegel-Affäre” – Der politische Skandal im Nachkriegs-Deutschland auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges wurde unter der Regie von Roland Suso Richter als Doku-Drama fürs Fernsehen neu verfilmt.

klatsch-tratsch.de hat sich bereits vor der Ausstrahlung des Filmes heute Abend um 20.15 Uhr bei Arte (und am 7. Mai um 20.15 Uhr im Ersten) angesehen.

Die Macher der „Spiegel-Affäre“-Produktion hatten sogar den ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust (war auch zur Premiere anwesend) zur Mitarbeit am Drehbuch bewegen können.

Worum geht es da eigentlich? „Die Spiegel-Affäre” war eine politische Affäre, wie es sie vorher noch nie gegeben hat. Der Film steigt ein in das Jahr 1962. Der Kalte Krieg ist auf dem Höhepunkt: ausgelöst durch die Kuba-Krise taumelt die Welt dem 3. Weltkrieg entgegen. Und Deutschland als geteiltes Land steht im Zentrum des geplanten Erstangriffs. Vor diesem bedrohlichen Hintergrund fechten zwei außergewöhnliche Alpha-Männer eine beinahe archaisch anmutende Fehde aus: der Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (Francis Fulton-Smith, 47, „Familie Dr. Kleist“, „Die Gustloff“) und der „Spiegel”-Gründer und Herausgeber Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph, 44, „Manta – Der Film“, „Stalingrad“).

Mitarbeiter des „Spiegel“ wurden auf Grund des kritischen Artikels „Bedingt abwehrbereit“, in dem es um die Fähigkeit der Bundeswehr im Falle eines Angriffs ging der Strafverfolgung durch den Staatsanwalt ausgesetzt und wegen Landesverrats angeklagt. Franz Josef Strauß (Fulton-Smith) ist der Strippenzieher hinter den Kulissen. Er manipuliert, verbietet ganz bewusst die Weiterleitung von Informationen und hebelt somit das Prinzip der Demokratie aus. Für die Darstellung des Politikers Strauß hat sich Francis Fulton-Smith richtig reingehängt, er hat sich innerhalb von vier Monaten sogar über 20 kg rangefuttert.

Im Zuge der Verhaftung der Spiegel-Mitarbeiter werden auch die Räume der Redaktion von der Polizei durchsucht und wochenlang (!) gesperrt und besetzt. Landesverrat ist scharfes Schwert, auch der Chefredakteur Rudolf Augstein (toll: Sebastian Rudolph) landet tatsächlich hinter Gittern.

Das alles bleibt von der Bevölkerung nicht unbemerkt, es hagelt Proteste, die Zeitungen solidarisieren sich und es sind längst nicht alle Politiker mit dem einverstanden, was da passiert. Und das ist erst der Anfang: spannend wie ein Kammerspiel und gleichzeitig die Dokumentation eines politisches Flächenbrandes.

Das Doku-Drama „Die Spiegel-Affaire“ fängt ganz gut die Stimmungen und Beweggründe der einzelnen Beteiligten ein. Die Spiegel-Affaire endet mit dem Freispruch der Presse („Spiegel-Urteil“) und mit nichts geringerem als der Umbildung der Bundesregierung. Wer will da noch behaupten das Politik langweilig sei? Tolle Schauspieler, gründliche Recherche und absolut spannend. Unbedingt ansehen! (KW)

Fotos: BR/Wiedemann & Berg/Stephan Rabo