Montag, 05. Mai 2014, 22:28 Uhr

Jetzt kommt Rosie: Unwiderstehlich und rotzfrech!

Das Alter mit all seinen Schattenseiten wie zum Beispiel Einsamkeit und Demenz spielt in der Kunst nur selten eine Rolle. Wenn darüber nachgedacht wird, geschieht das meist mit zu viel Pathos und Sentimentalität.

Beides braucht der Schweizer Regisseur Marcel Gisler in ‘Rosie’ nicht. Er und seine exzellenten Akteure beleuchten das komplizierte Thema leichtfüßig mit Gefühl und Witz.

In geradezu perfekter Balance von Komik und Tragik erzählt der Film eine recht alltägliche Geschichte: Die verwitwete Rosie (Sibylle Brunner, bekannt u.a. aus ‘Soko wismar’ und ‘Tatort’) gleitet mit dem Alter in den Alkohol. Als ihr in Berlin lebender Sohn Lorenz (Fabian Krüger) zu Besuch ins kleine Schweizer Heimatdorf kommt, wird ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann. Doch was tun? Weder er noch seine in der Nähe lebende Schwester (Judith Hofmann) wissen Rat. Zudem sind der schwule Künstler und die gestresste Mutter und Ehefrau mit eigenen Problemen überfordert.

Chöre aus Verdi-Opern und Klaviersonaten bestimmen den Tonfall der Erzählung, Bilder von satten Wiesen und schroffen Bergen den optischen Rahmen. Darin entwickeln die Schauspieler ein zündendes komödiantisches Feuerwerk. Allen voran fasziniert und amüsiert Sibylle Brunner in der Titelrolle. Von vulgär über bösartig bis kindlich und schutzbedürftig entfaltet sie unzählige Facetten eines hoch komplizierten Charakters.

Wohl jeder im Publikum verliebt sich sofort in die “unwürdige Greisin”.

Regisseur Marcel Gisler sagte über die Besetzung seines Films: “Ich hab zum ersten Mal ausschließlich mit Schweizer Schauspielerinnen und Schauspielern gedreht. Auch in dieser Hinsicht musste ich Vorurteile korrigieren. Wir haben großartige Schauspieler und Schauspielerinnen schweizerischer Herkunft. Sibylle Brunner, Fabian Krüger und Judith Hofmann arbeiten alle an deutschsprachigen Theatern im Ausland, und sind selten in Schweizer Filmen zu sehen. Sebastian Ledesma ist ein Naturtalent, das ich vom Küchentisch eines Freundes weg gecastet habe.”

Die Regie von Gisler setzt auf eine pointierte Balance von Tragik und Komik. Dabei ist der Humor gelegentlich sogar satirisch zugespitzt. Als Ko-Autor des Drehbuchs hat er zudem einige autobiografische Aspekte einfließen lassen. Das sorgt bei allen spannungsgeladenen Überraschungen im Geschehen für eine durchgehende Wahrhaftigkeit. Dadurch wirkt die Geschichte absolut lebensprall. Hier gelingt die Kunst, ein schweres Thema federleicht zu spiegeln. Man verlässt das Kino geradezu beglückt.

Am 8. Mai startet die Komödie in den deutschen Filmtheatern. (Peter Claus, dpa/KT)

Fotos: Kool Film