Mittwoch, 07. Mai 2014, 12:56 Uhr

Sowas haben wir noch nie gesehen: Splitterfasernackt im 2. Weltkrieg

Wer bei einschlägigen Onlineauktionshäusern das Stichwort „nackt“ eingibt, mag überrascht sein, wie viele Treffer er damit in der Kategorie “Militaria“ landet.

Tatsächlich hat eine unerwartet hohe Zahl von Soldaten des zweiten Weltkrieges Spaß daran gehabt, die eigenen Kameraden nackt oder halbnackt abzulichten oder sich selbst hüllenlos vor die Kamera zu stellen – ob an den Stränden des Pazifiks oder in den Weiten Russlands.

Jeder Tag konnte für einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg potenziell sein letzter sein. Um die Moral der Truppe zu stärken, ermutigten kommandierende Offiziere das „male bonding“. Unter den Männern, die 24 Stunden des Tages miteinander verbrachten und sich blind aufeinander verlassen mussten, entstanden enge Freundschaften. Wenn sie nicht gerade Seite an Seite kämpften, spannten sie zusammen aus und ließen bei ausgelassenen – und manchmal unbekleideten – Spielen Dampf ab.

Wie weit das nackte Herumtollen ging, bleibt zwar gänzlich verborgen, da Kameras selten waren und Filme sich nicht leicht entwickeln ließen, doch einige Männer dokumentierten diese ungewöhnliche Intimität trotzdem, in Form kleiner anonymer Fotos, die sie meist bis zu ihrem Tod versteckt hielten.

Fotograf Michael Stokes hat über Jahre hinweg derartige Aufnahmen gesammelt und ein Archiv mit über 500 Bildern zusammengetragen. In seiner Sammlung finden sich Fotografien von Soldaten und Matrosen aus Australien, England, Frankreich, Italien, Polen, Russland und den USA, die sich im südpazifischen Sand räkeln, im osteuropäischen Schnee bibbern, allein vor Baracken posieren und in großen fröhlichen Gruppen vor so ziemlich allem und jedem. Die Bilder zeigen junge Männer, kaum erwachsen und vor Vitalität strotzend, die der Realität des Krieges pure Lebensfreude entgegensetzten – eine Seite des Krieges, die in den Wochenschauen keinen Platz fand.

Daraus ist nun der oppulente Bildband ‘My Buddy. World War II Laid Bare’ aus dem Taschen-Verlag geworden, der noch in diesem Monat erscheinen soll. (Die Fotos daraus mußten wir hier allerdings pixeln.)

Scotty Bowers, ein 89 Jahre alter Ex-Marine und Autor des Bestsellers ‘Full Service’ über seine Zeit als Callboy und Vermittler erotischer Dienstleistungen in Hollywood, schildert im Begleittext, wie der Krieg seine Einstellung zu Hetero- und Homosexualität grundlegend verändert hat. Vielleicht verändern diese Fotos ja unsere Einstellung zum Zweiten Weltkrieg und dem Phänomen der Kriegskameradschaft.

Herausgeberin Dian Hanson hat von 1976 bis 2001 verschiedene Herrenmagazine produziert, darunter Juggs, Outlaw Biker und Leg Show, bis sie 2001 schließlich Herausgeberin der TASCHEN-Sexy Books wurde. Zu ihren mehr als 60 Büchern für TASCHEN gehören The Art of Pin-up und Psychedelic Sex. Sie lebt in Los Angeles.

Scotty Bowers, ein 89 Jahre alter Ex-Marine und Autor des Bestsellers Full Service über seine Zeit als Callboy und Vermittler erotischer Dienstleistungen in Hollywood, schildert im Begleittext, wie der Krieg seine Einstellung zu Hetero- und Homosexualität grundlegend verändert hat.

Fotos: Jim Heimann Collection/TASCHEN, Michael Stokes Collection/TASCHEN