Donnerstag, 08. Mai 2014, 22:19 Uhr

"Rosie" ist ein schöner Film, bitterböse und beißend witzig

Heute startet in den deutschen Kinos die außergewöhnlich schräge Komödie ‘Rosie’. Die Schweizer Theater-Ikone Sibylle Brunner spielt die Hauptrolle.

Rosie (Sibylle Brunner, Jahrgang 1939) ist eine, die Pfeffer im Hintern hat. Rosie ist aber auch alt und sie mag den Alkohol. Sie ist Witwe und lebt mit ihrer Katze allein in den Haus, in dem auch ihre zwei Kinder aufgewachsen sind.

Ihr Sohn Lorenz (Burgtheater-Star Fabian Krüger, 38) wurde Schriftsteller, er legt temporeich sechs Bücher mit 39 Jahren vor. Die Themen seiner Romane kreisen immer wieder über seine eigene schwule Identität. Er ist sehr erfolgreich, lebt in Berlin und kommt natürlich sofort in die Schwyz zur „Mami“, die aus den Pantoffeln gekippt ist. Rosie hatte nämlich einen Schlaganfall und bockig ist sie auch noch dazu!

Ihre ehegestresste Tochter Sophie (Judith Hofmann, 46, seit 2009 am Deutschen Theater Berlin) hat genug mit sich selbst zu tun und selbst am Rande eines Zusammenbruchs. Rosie will sich nichts vorschreiben lassen, Schutzbehauptungen und Trotz kommen in ihr hoch, weil sie merkt, dass ihr das eigene Leben entgleitet..

Lorenz bleibt eine Zeit bei ihr, er trifft Mario (Debütant: Sebastian Ledesma, 27, Foto unten), den er aus Jugendzeiten kennt. Sie treffen sich, sie gehen aus, sie fallen übereinander her und Lorenz meint das Ende der Geschichte schon zu kennen, so satt und neunmalschlau kommt er daher und verwechselt den Schriftsteller als öffentliche Person mit dem freien unabhängigen Willen, den man haben darf wenn einem jemand gefällt. Mario ist so frei und unabhängig, Lorenz nicht. Und während Lorenz seiner Mutter immer wieder helfen muss auf ihren letzten Entscheidungen erkennt er nicht, dass er gerade dabei ist sein Glück zu versemmeln.

Und dann brabbelt Rosie eines Nachts traumwandelnd auch noch was von Markus daher und das der gar nicht hinter ihr her war… Der Schriftsteller Lorenz nimmt die Fährte auf, er kann gar nicht anders…

Ein schöner Film, bitterböse, beißend witzig. Ein Film über mehr als ein verpasstes Leben, wenn man nicht die die Sexualität mit dem Menschen leben kann, nach dem man sich sehnt und nur noch ganz viel Sport bleibt. Und wer schon länger nicht in der Schweiz war kriegt garantiert Sehnsucht. Ein Dank aber auch an die Untertitel-Lieferanten.

Fotos: Kool Film