Samstag, 10. Mai 2014, 19:32 Uhr

Eurovision Song Contest: Hier gibts alles über die 26 Finalisten

Vom wummernden Bass bis zur leisen Country-Nummer: Die Finalisten beim Eurovision Song Contest 2014 haben eine extrem breite Palette von Musikstilen. Hier sind sie in der Startreihenfolge. (Achtung: Die Einschätzung der Erfolgschancen erfolgt natürlich ohne Gewähr.) Spannend wird, wer den eisglänzenden Pokal am Ende in der Hand halten wird!

01 UKRAINE: Maria Jaremtschuk – «Tick-Tock»: Die Bühnenshow mit dem Hamsterrad ist wieder soetwas, was man nur beim ESC zu sehen bekommt. Der Ohrwurm ist mitreißend. Und die voll aufgedrehte Windmaschine legt an Maria Jaremtschuks langer Schleppe soviel Bein frei, als habe sie einen Bikini an. Chancen: Top fünf.

02 WEISSRUSSLAND: Teo – «Cheesecake»: Das Land schaffte es seit 2004 erst dreimal ins Finale und jetzt wieder. Die Weißrussen tun sich schwer und haben’s schwer. 2011 das peinliche «I Love Belarus», das im Halbfinale scheiterte, und jetzt geht es also um Käsekuchen (als Spitzname). Chancen? Käse!

03 ASERBAIDSCHAN: Dilara Kazimova – «Start A Fire»: Es ist schon komisch: Sechs Mal war Aserbaidschan dabei, sechs Mal gab es Topplatzierungen – trotz zuweilen mittelmäßiger Songs. So wird’s wohl auch diesmal sein: Dilara Kazimowa schmachtet, eine Trapezartistin turnt und die Punkte werden schon kommen. Chancen: Top 15.

04 ISLAND: Pollapönk – «No Prejudice»: Die Vollbart-Männer aus dem hohen Norden sind bunt gekleidet wie Teletubbies. Sie singen kindgerechten Gute-Laune-Punk. Und zwar darüber, dass man keine Vorurteile haben soll. Das Lied erinnert an den Party-Klassiker «Centerfold» von 1981. «Leg die Vorurteile beiseite/ Diskriminiere nicht/ Toleranz ist Glück/ darüber müssen wir uns einig werden.» Chancen: Top 15.

05 NORWEGEN: Carl Espen – «Silent Storm»: Zeit für Gänsehaut? Der Norweger Carl Espen sieht aus wie ein tätowierter Holzfäller, bringt mit zerbrechlicher Stimme aber eine echte Ballade auf die Bühne. Etwas fürs Herz. Chancen: Top Ten.

06 RUMÄNIEN: Paula Seling & Ovi – «Miracle» (Foto unten mit dem runden Keyboard): Ja, Sie sehen richtig, die waren schon mal da. 2010 nahmen Paula Seling & Ovi mit «Playing With Fire» teil und erreichten im Finale einen respektablen dritten Platz. Ob sie diesen Erfolg wiederholen können? Tipp: nein.

07 ARMENIEN: Aram MP3 – «Not Alone» (Foto unten): Das zündet. Ein sich beeindruckend steigender Song mit Ohrwurmcharakter, Dramatik und Dubstep-Sound im weiteren Verlauf. Gehört seit Wochen zu den Favoriten. Allerdings wurde der studierte Apotheker mit schwulenfeindlichen Äußerungen zitiert. Noch Chancen auf Top drei?

08 MONTENEGRO: Sergej Cetkovic – «Moj Svijet»: War diese Melodie nicht erst gestern in der Eck-Pizzeria zu hören? Sergej Cetkovic singt wie Eros Ramazotti, nur dass man bei ihm keine Silbe versteht. Gewinnendes Lächeln, Hundeblick und Solidarität slawischer Nationen könnten dem Mann Punkte bringen. Die Rollerblade fahrende Ballerina in seiner Bühnenshow ist ein Hingucker. Dennoch: Chance auf hinten.

09 POLEN: Donatan & Cleo – «My Slowianie – We Are Slavic»: Was bitte soll das? Dieses sogenannte Lied setzt voll auf die Oberweite der Sängerinnen. Dazu eine absurde Landlust-Szene mit einer Wäsche schrubbenden Bäuerin. Chance: nah an der null wahrscheinlich.

10 GRIECHENLAND: Freaky Fortune feat. RiskyKidd – «Rise Up»: Hip-Hop und Trampolin auf der ESC-Bühne, das ist selten. Mit Balkan-Bläsersätzen, die einen irgendwie erdigen Sound heraufbeschwören, gelingt den Griechen ein Dancekracher. Beinahe wäre das Land nicht dabei gewesen, da Griechenlands TV-Sender in der Krise abgewickelt worden war. Chancen: Party-Song mit Potenzial.

11 ÖSTERREICH: Conchita Wurst – «Rise Like A Phoenix»: Dragqueen for Bond Girl. Dieser durch und durch gewagte ESC-Beitrag bezaubert mit einer glamourösen Vollbart-Diva, die fast wie Shirley Bassey klingt, und einer Hymne wie aus einem James-Bond-Film. Die Bühne brennt, die Halle bebt, Conchitas Rehaugen strahlen. Kaiserin von Österreich, Königin des Abends? Triumph der Toleranz? Chancen: ganz vorne oder ganz hinten. Oder 007? Die Kampfparole: The Wiener Takes It All.

12 DEUTSCHLAND: Elaiza – «Is It Right»: Was kann man noch zu Deutschlands Fräuleinwunder schreiben? Als Elaiza im März mit ihrem Neo-Folk-Lied «Is It Right» den Vorentscheid gewannen, kamen sie aus dem Nichts. Inzwischen kennt sie immerhin fast jeder zweite Deutsche. Hoher Sympathiefaktor, schönes Lied, Top Ten dürfte drin sein.

13 SCHWEDEN: Sanna Nielsen – «Undo»: Helene Fischer kommt aus Skandinavien? Ach so, nein, das ist die schwedische Teilnehmerin. Ihr Lied ist eine eingängige Powerpopballade im Céline-Dion-Stil und gehört zu den Top-Favoriten. Beim populären schwedischen Vorentscheid Melodifestivalen trat die beliebte Sängerin siebenmal an – dieses Jahr klappte es endlich. Chancen: Top drei.

14 FRANKREICH: Twin Twin – «Moustache»: Das soll ein ESC-Lied sein? Der coole Wumm-Wumm-Bass in diesem Loblied auf Schnauzbärte lässt den Kopfhörer platzen und ist extrem Dancefloor-tauglich. Das Video ist lustig und lässt an alte Clips des Rappers Eminem wie «Slim Shady» denken. Auf die ESC-Bühne wird das schwer rüberzuretten sein. Chancen: Adieu, Chéri.

15 RUSSLAND: The Tolmatschewy Twins – «Shine»: Obwohl die goldblonden Zwillinge so zart lächeln und ihre Stimmen geschmeidig in einander klingen, mussten sie beim Halbfinale Buh-Rufe ertragen. Die galten eigentlich Putin. Doppelt ungerecht, denn «Shine» ist ein schöner kleiner ESC-Hit, der sich sehr nach Klassikern von ABBA anhört. Chancen: Schwierig, Russland punktet zurzeit bei kaum einem Land.

16 ITALIEN: Emma Marrone – «La mia città»: Die Kandidatin aus Bella Italia erinnert mit ihrem goldenen Lorbeerkranz im Haar entfernt an Lady Gaga – oder an Julia Timoschenko mit zuviel Lidschatten. Solider Italo-Pop, dessen Refrain im Schnelldurchlauf vor der Abstimmung im Ohr hängen bleiben dürfte. Dennoch eher hinteres Mittelfeld, weil der Song recht eintönig ist.

17 SLOWENIEN: Tinkara Kovac – «Spet (Round And Round)»: Einer der wenigen Songs mit Folk-Anklängen. Romantischer, eingängiger Querflöten-Rock, auf Englisch und Slowenisch gesungen. Als Soloflötistin mit dem Sinfonieorchester des Vatikans spielte Tinkara Kovac bereits in Rom auf dem Petersplatz. Chancen: ziemlich gering.

18 FINNLAND: Softengine – «Something Better»: Mit finnischem Tango haben Topi, Ossi, Eero, Henri und Tuomo nichts am Hut. Softengine aus dem Städtchen Seinäjoki spielen blitzsauberen und radiotauglichen Pop-Rock, der an Coldplay erinnert. Nicht nur wegen der smarten Frisuren sollte das Quintett vor allem bei Teenagern punkten. Chancen: Mittelfeld.

19 SPANIEN: Ruth Lorenzo – «Dancing In The Rain»: Passend zu den Regentropfen im Bühnenbild plätschert diese Ballade etwas fade vor sich hin. Ruth Lorenzo hat zwar eine beeindruckende Stimme. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ganze irgendwie nach Céline Dion oder den Drei Tenören klingt. Siegesschancen: eher gering.

20 SCHWEIZ: Sebalter – «Hunter Of Stars»: Pfeift und geigt sich der Schweizer Sebalter als «Hunter Of Stars» weiter nach oben? Immerhin hat der singende Anwalt aus Giubiasco schon das Halbfinale heil überstanden, obwohl die Prognosen alles andere als gut waren. Der Ausflug nach Dänemark war jedenfalls nicht umsonst: «Nirgendwo sonst habe ich so viele schöne Menschen auf einem Fleck gesehen», sagte er der Zeitung «Blick» und meinte damit vor allem die Däninnen.

21 UNGARN: Andras Kallay-Saunders – «Running»: Kallay-Saunders ist Sohn des Lou-Reed-Bassisten Fernando Saunders und eines Models aus ungarischem Adel. Der Song «Running» handelt von Kindesmissbrauch, ist aber klassischer Chart-Pop, könnte auch aus England kommen und geht schnell nach vorn. Dieser Mann hat das Zeug zum ESC-Sieger.

22 MALTA: Firelight – «Coming Home»: Im dicht besiedelten Mittelmeer-Inselstaat Malta gibt es eine große Leidenschaft für den ESC. Dennoch wird die Country-Folk-Pop-Band Firelight mit ihrem Möchtegern-Südstaaten-Sound wohl eher kein Abräumer sein. Tipp: zwischen Platz 16 und 26.

23 DÄNEMARK: Basim – «Cliche Love Song»: Im Gegensatz zu Lena wird Emmelie de Forest nicht als Titelverteidigerin auftreten. Stattdessen verbreitet Basim auf der Bühne gute Laune. Hat was von Bühnenshow in einem Ferienclub. Banal, aber irgendwie nett. Top-Ten-verdächtig.

24 NIEDERLANDE: The Common Linnets – «Calm After The Storm»: Was für ein großartiges Paar, was für ein großartiges Lied! Sie eine klassische Antje-Schönheit, er ganz in Schwarz und schüchtern, zwischen ihnen ein klasse Country-Song und viel erotisches Knistern. Erinnert an Johnny Cash und June Carter, die einen U2-Song covern. Für den ESC vermutlich zu ruhig und zu wenig Glitzer. Tipp: vorne.

25 SAN MARINO: Valentina Monetta – «Maybe (Forse)»: Dreimal haben sie es schon gemeinsam versucht, nun stehen sie endlich im Finale: Die Sängerin Valentina Monetta als Venus in der Muschel, der Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel entrückt am Flügel. Das Lied klingt ein bisschen nach einem alten James-Bond-Song oder Katja Ebstein in den späten 70ern. Chancen: nicht allzu gut.

26 GROSSBRITANNIEN: Molly – «Children of the Universe»: Auf dieser brünetten Dame ruhen die Hoffnungen der Popnation Großbritannien nach vielen ESC-Niederlagen in jüngerer Zeit. Korrekter Stampf-Beat zum Mitklatschen, schluchzende Geigen und sehr einfache Refrains zum Mitsingen. Die Stimme? Naja. Nee, das wird wohl wieder in die Hose gehen. Die Briten haben eine Anwärterin auf den letzten Platz. (dpa)

Fotos: Andres Putting, Thomas Hanses (EBU)