Sonntag, 11. Mai 2014, 12:45 Uhr

Conchita Wurst: Die Königin von Österreich wird bejubelt

8,96 Millionen Zuschauer haben am Sonnabendabend im Ersten das Finale des Eurovision Song Contests verfolgt – das sind 750.000 mehr als im vergangenen Jahr.

Besonders erfolgreich war der Wettbewerb bei den Jüngeren: Der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen betrug 41,9 Prozent, das entsprach 4,48 Millionen – der Hälfte aller Zuschauer insgesamt.

Für Deutschland stand in Kopenhagen die Band Elaiza mit ihrem Song “Is It Right” auf der Bühne. Sie erreichte den 18. Platz mit 39 Punkten aus 8 Ländern. Gewinnerin des Wettbewerbs ist Conchita Wurst aus Österreich mit ihrem Song “Rise Like A Phoenix”. Der nächste ESC – der insgesamt 60. – wird voraussichtlich in Wien stattfinden.

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Ela, Yvonne und Natalie von “Elaiza” sagten dazu: “Wir sind sehr glücklich, dass wir diese tollen Tage in Kopenhagen erleben durften und dass uns Deutschland diese Chance gegeben hat. Wir haben wirklich unser Bestes gegeben, um unser Land würdig zu vertreten. Natürlich hofft man auf ein paar Punkte mehr, aber beim ESC ist es ein bisschen wie bei Olympia: Dabei sein ist fast alles! Herzlichen Glückwunsch an Conchita Wurst und Österreich!”

“Ist das lässig”, “wie geil das ist”, “nimmt das jemand auf?” – der Kommentator des ORF war am Sanstagabend komplett aus dem Häuschen.

Die Alpenrepublik schickt also einen Mann in Frauenkleidern zum Eurovision Song Contest – und gewann absolut souverän. Nicht weniger als 13 Länder gaben der Dragqueen Conchita Wurst die Höchstwertung von zwölf Punkten, darunter auch das Mutterland der Popmuisik – Großbritannien.

Allerdings ausgerechnet die deutschen Nachbarn waren – ganz im Gegensatz zu Schweizern und Slowenen – mit sieben Punkten dabei ziemlich knauserig. “Die Deutschen liegen aktuell auf Platz 21”, wies der Moderator süffisant auf den Misserfolg des deutschen Beitrags ‘Is It Right’ von Elaiza hin.

Wie aus einem Guss wirkten dagegen der Song ‘Rise Like a Phoenix’, die Sängerin und die Botschaft ‘Made in Austria’. Ein Mann, der schon als Kind lieber wie ein Mädchen herumlaufen wollte, der als Jugendlicher in der Schule wegen seines Andersseins gehänselt wurde, der schließlich als Künstlerin mit Bart ein Signal für Geschlechter-Toleranz gibt. Dazu eine Hymne über den legendären Vogel Phönix, der sich verwandelt aus der Asche erhebt – die Truppe um Conchita Wurst hatte unter den vielen Songvorschlägen lange gesucht. Die Zeit sei schon knapp geworden, als kurz vor Einsendeschluss das Stück im Stil eines James-Bond-Songs das Team sofort überzeugte, erzählte der 25-jährige Tom Neuwirth alias Conchita Wurst im Vorfeld.

Auf der ersten Pressekonferenz nach ihrem Sieg sagte die 25-Jährige: “Es hat mir gezeigt, dass es in unserer Gesellschaft Leute gibt, die nach vorne schauen wollen und nicht in der Vergangenheit stecken bleiben wollen”. Er fügte hinzu: “Prinzipiell schließe ich auch nicht aus, dass ich irgendwann die Perücke zu Hause lasse, aber das wird in näherer Zukunft sicher nicht passieren. Meine Mission ist dann erreicht, wenn wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, wen wir lieben dürfen.”

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Und auch Russland gab es zumindest von einer Seite versöhnliche Töne: Filipp Kirkorow, der Dieter Bohlen Russlands, sagte im dortigen Staatsfernsehen, der Song sei sehr schön: “Ob er einen Bart hat oder keinen Bart, ob er Mann ist oder Frau – das ist unwichtig, es ist ein Wettbewerb”. Süffisanter Kommentar des berühmten amerikanischen Bloggers Michael K.: “Ja, es ist traurig, dass wir in einer Welt leben, in der Kim Kardashian auf dem Cover der amerikanischen Vogue ist, aber nicht diese bärtige Schönheit.”

Der Weg zu diesem Triumph war für Conchita Wurst steinig. Für nicht wenige in Österreich schien es lange Zeit eher peinlich oder gar eine Schande zu sein, dass eine geschlechterübergreifende Kunstfigur das Land in Europa vertreten sollte. Wurst wurde in Lokalen angepöbelt, in sozialen Netzwerken angefeindet. Nach der Zitterpartie im Halbfinale – Wurst wurde als letzte der zehn Finalisten genannt – war die Freude unverkennbar. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hatte den Finaleinzug als “ein starkes Zeichen für ein tolerantes und offenes Europa” gewertet. Das Interesse war schon beim Halbfinale riesig. Der Marktanteil auf ORF 1 betrug 44 Prozent.

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“Wir haben uns nicht blamiert”, meinte der ORF-Kommentator Andi Knoll stark untertreibend. Dabei hatte die ESC-Welt in Kopenhagen doch schon den neuen Titel für die Dragqueen parat: ‘The Queen of Austria’ oder wahlweise auch die ‘Queen of Europe’. Die landete am Sonntagmittag in Wien und wurde von Hunderten Fans jubelnd empfangen.

Gegen 13 Uhr wird die Diva eine Pressekonferenz geben. (dpa/KT)

Fotos: Andres Putting (EBU)