Sonntag, 11. Mai 2014, 15:19 Uhr

Honeckers geheimnisvoller Hi-Tech-Bunker: So kommt man wieder rein

Überraschungen der besondern Art erlebten ein paar Reporter von klatsch-tratsch.de bei einem Ausflug nach Brandenburg. Eigentlich hatten wir frei. Aber Leute wie wir haben eben nie wirklich frei – die Neugier bleibt ja immer. Und das hier wollten wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Denn es geht um ein mythenumwobenes Bauwerk und Geld. Womöglich auch um Deins!

Auf einem Spaziergang in der Nähe von Prenden im Norden Berlins, wollten wir nur kurz nach dem sogenannten „Honecker-Bunker“ schauen. Das hatten wir uns allerdings einfacher vorgestellt, als es dann war. Auf Google-Earth waren einige Hinweise zum Bunker mit der Projektierungsnummer 17/5001 zu erkennen gewesen und nun irrten wir durch einen Wald auf einem ehemaligen, seinerzeit streng abgeschirmten Kasernengelände umher, scherzten über diverse Horrorfilmchen unterschiedlicher Qualität, die genauso anfangen und in denen die Anzahl der Mitwirkenden am Ende auf ein Minimum reduziert wurde.

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Vom Bunker, der einer der modernsten überhaupt gewesen sein soll, keine Spur, nur alte Gebäude, uns taten langsam die Füße weh. „Entschuldigung – bleiben Sie bitte einmal stehen!“ ertönte es plötzlich. Ein großer Mann war uns auf den Fersen, war mit seinem Jeep herangeprescht und schien so gar nicht erfreut über unsere Anwesenheit. Auch das noch – erwischt!

Wir wurden gefragt, was wir den hier verloren hätten. Klar, dass der Mann die Antwort bereits kannte und die Frage nicht zum ersten Mal stellte. Selbst nachts hatte er schon Eindringlingen mit Taschenlampen aufgelauert. Was WIR hier zu suchen hatten? „Wir suchen den Honecker-Bunker.“ Diese ehrliche Antwort erfreute ihn offenbar und er sagte uns, dass dies nicht möglich sei, da der Bunker seit 2008 verschlossen und versiegelt ist: „Das Betreten des Geländes ist übrigens verboten, auch wenn man dies vom Wald kommend nicht gleich erkennen mag.“

Wir wollten uns allerdings nicht so schnell vertreiben lassen,  die Neugier siegte: „Wird er denn vielleicht in Zukunft geöffnet?,“ fragten wir. Das war das Stichwort für unseren kompetenten Gesprächspartner Hannes Hensel: “Nun, wir arbeiten daran!“  Er erzählte, dass 2008 schon einmal Begehungen durch den Bunker angeboten wurden. Und, dass der Bunker unmittelbar danach aus Kostengründen verschlossen werden musste. Auf unsere Frage, ob es nicht doch  ein „Schlupfloch“ gäbe, lachte er. „Das fragt jeder.“ Hensel hatte die Begehungen damals organisiert, danach vertraglich verpflichtet war, den Verschluss durchzuführen und dies auch ordnungsgemäß getan hat. Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Ich habe natürlich auch überlegt, einen Zugang offen zu lassen. Aber wenn das raus kommt, ist man gegenüber Vertragspartnern nicht mehr glaubwürdig. Daher gibt es tatsächlich keine Möglichkeit mehr.“

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Nun war das Eis gebrochen und wir bekamen sogar noch eine ganz private Führung über das Gelände angeboten. Hannes zeigte uns ein harmloses DDR-Plattenbau-Gebäude, durch dessen Keller man in den ehemaligen Tunnel zum Bunker gelangte. Dem einzigen Zugang zu dem Bunker, von dem von hier aus weit und breit nichts zu sehen ist. Ja der schlichte Bau diente auch als Tarnung. Darauf muß man erstmal kommen! Der Grusel-Tunnel führt schließlich 200 Meter durch den Wald (!), mündet dann in einen riesigen weitläufigen, ebenso harmlosen Hügel, von dem man nicht ahnt welches Geheimnis er verbirgt.

Der Tunnel selbst ist seit 2008 mit Sand verfüllt. Dahinter, vor dem eigentlichen Bunker, sind noch einmal 4 Meter Stahlbeton, die den Weg in Bauwerk versperren. Heute kommt man nur noch bis zur verschweißten Tür im Keller des Gebäudes. Wir gingen also oberirdisch durch den Wald, folgten dem Tunnelverlauf durch eine Schneise. „Hier stand die Hochspannung-Sicherungs-Anlage mit 15 Tausend Volt und dort hinten, unter dem Berg, ist das Schutzbauwerk“ sagte unser Begleiter. „Es ist rund 65 mal 50 Meter groß und hat drei Etagen.“

Es war überwältigend. So riesig hatten wir uns den Bunker nicht vorgestellt. Wir erkannten die Ränder der 4,2 Meter dicken Bomben-“Zerschellschicht” durch den Wald – sie hatte die Aufgabe, direkte Treffer konventioneller Waffen aufzunehmen und das Bauwerk darunter zu schützen. Hannes erzählte, dass eine Atombombe von einer Megatonne Sprengkraft in 750 Metern Entfernung hätte detonieren können und der Bunker trotzdem intakt geblieben wäre. Zum Vergleich erklärte er, dass die Bombe von Hiroshima rund 12 Quadratkilometer vollständig verwüstet hatte, obwohl sie nur den achtzigsten Teil dieser Sprengkraft besessen hatte. „Wir stehen vor dem technisch aufwendigsten Schutzbauwerk des Warschauer Paktes außerhalb der Sowjetunion,“ sagte Hannes „und um die enormen Verschiebungskräfte im Boden auszugleichen, waren die Räume  im Innern in bis zu 500 Tonnen schweren Stahlcontainern untergebracht. Diese hängen wie riesige Schaukeln an Stickstoffdämpfern an der Decke und können Beschleunigungen von bis zu 15 g ausgleichen.“

Trainierte Kampfpiloten vertragen kaum mehr als 7 g und hier hingen Tragwerke in der Größe von Zweifamilienhäusern, die mehr als das Doppelte verkraftet hätten. Uns drängte sich eine Frage auf – warum konnte man nicht hinein? Warum ist dieser weltweit einmalige und komplett intakte Ort des Kalten Krieges kein Museum oder sowas?

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Als wir unseren Begleiter danach fragten, sagte er „Wie ich schon sagte: Wir arbeiten daran. Wir suchen aktuell Sponsoren und Spender, die uns helfen, die Startphase zu finanzieren. Wenn wir das schaffen, könnten wir den Bunker öffnen und der weitere Betrieb würde sich durch die Einnahmen aus Besichtigungen selbst tragen. Damit könnten wir dieses einmalige Denkmal dauerhaft erhalten.“ Wir sprachen noch lange über verschiedene Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin, über zeitliche Abläufe und weiterer Nutzungskonzepte für die umgebende Liegenschaft. Was sich anfangs fast unmöglich anhörte, wurde immer klarer und hatte Hand und Fuß. Für jedes Problem, dass uns in den Sinn kam, hatte Hannes eine Lösung parat. Abschließend sagte er „Der Weg ist natürlich schwierig, aber wenn es niemand in die Hand nimmt, passiert eben auch nichts. Daher machen wir es.“

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Auf der Internetseite bunker5001.com gibt es auch eine „3D-Tour“. Der gesamte Bunker kann – ähnlich wie bei Google Street View – angeschaut werden. Rund eintausend Panoramafotos stehen zu Verfügung, jedes mit einer Beschreibung des jeweiligen Raumes und dessen Funktion.

Zudem gibt es auch das Buch „Honeckers geheimer Bunker 5001“. Vom ehemaligen stellvertretenden Bauwerkskommandanten Jürgen Freitag geschrieben, bietet es quasi einen Erfahrungsbericht aus erster Hand. Zusätzlich werden laut der Internetseite tausende Originaldokumente digitalisiert und sollen später verfügbar gemacht werden. Hinter all diesen Dingen steht Hannes Hensel und sein Team von Mitstreitern. Auch hierzu gibt es detailierte Informationen auf der Website.

Der derzeit wichtigste Abschnitt scheint uns die „Zukunft 5001“ zu sein. Hier finden sich genaue Erklärungen zur möglichen musealen Nutzung des Bunkers und der Liegenschaft sowie der Aufruf zur Unterstützung als Video auf YouTube. Dort findet man ebenso Filme über den Bunker, das Kasernengelände, Originalaufnahmen aus der Betriebszeit und weitere Informationen.

Darüber hinaus sind die als „Projekt 5001“ bezeichneten Bemühungen unter dem Namen „Bunker5001com“ auf Facebook, Google+ und Twitter vertreten. Umfassende Informationen zu einem beeindruckendem Vorhaben.

Wer sich, ebenso wie wir, am Gelingen beteiligen will, geht auf die Website www.bunker5001.com, direkt zur aktuellen Crowdfunding Kampagne  oder erzählt seinen Freunden auf Facebook und Google+  von diesem tollen Projekt. Je mehr Menschen einen Teil beitragen, umso schneller kann der „Honecker-Bunker“ wieder live besichtigt werden. Es bleibt also auch nach unserer Rückkehr spannend.

Fotos: klatsch-tratsch.de/HH