Donnerstag, 15. Mai 2014, 18:52 Uhr

Vogel und Bleibtreu in "Stereo“: Ensembleleistung mit Bravour

Seit heute ist ‘Stereo’ in den Kinos!

Erik (Jürgen Vogel) ist ein Bastlertyp. Er hat in einem ländliche Idyll eine Motorradwerkstatt und wenn er nicht gerade unter einer Maschine liegt, dann braust er bei schönstem Postkartenwetter mit der Tochter seiner neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) durch blühende Felder.

Doch so schön und klar die äußere Welt ist, desto häufiger treten bei Erik innere Störungen auf. Er panikt, er sieht Leute an seiner Werkstatt vorbeiziehen, die ihn verstören. Die sehen so schräg zu ihm herüber, Männer, die nicht gerade nach Bürojob aussehen.

Ein besonders hartnäckiger Unbekannter dringt schließlich in Eriks Leben ein – wie ein Parasit lässt er sich nicht mehr abschütteln, provoziert und treibt Erik mit seiner zynischen Art an den Rand des Wahnsinns.

Eines der stärksten Bilder in ‘Stereo’ ist, wenn Erik nachts im Dunklen regungslos am Fenster steht und hinausstarrt. Im Kornfeld steht diese eine dunkle Gestalt mit Kapuze, ebenfalls wie hingepflanzt. Jürgen Vogel ist ein Charakterdarsteller mit enormer Köperpräsenz; wenn also sein Erik ernsthaft anfängt an seinem Verstand zu zweifeln und Hilfe sucht, dann wird es wirklich spuky.

Erik beginnt beim Arzt (nicht nur in der Sockenwahl hervorragend: Fabian Hinrichs) von der Gestalt zu sprechen, die er sieht und immer dichter kommt, aber offensichtlich niemand anderes wahrnimmt.

Der Arzt ist cool, er schickt ihn zu einer Art Medium (wie immer ein Ereignis, nicht nur im Theater: Valery Tscheplanowa), die Erik auf die erste Spur Richtung Vergangenheit bringt: allein, schöner wird sein Leben für ihn jetzt nicht mehr. Suspense! (Musik wow! Enis Rotthoff) Wer der Mann mit Hoodie (Moritz Bleibtreu) ist und was all diese schrägen Typen in der Werkstatt von ihm wollen, Erik weiss es nicht. Henry (Moritz Bleibtreu) ist ein extrem unbequemer Unsichtbarer.

Er zwingt Erik sich zu erinnern und so beginnt ein Trauma aufzubrechen, in dessen Zentrum eine ganz besonders böse Spinne (mit seiner österreichischen Singsang-Stimme der einzigartige Georg Friedrich) die Fäden zieht. ‘Stereo’ lief mit großem Erfolg auf der Berlinale. Eine Ensembleleistung mit Bravour.

Und wer hätte das gedacht: Suspense im Deutschen Kino! (KW)

Fotos: Wild Bunch