Freitag, 16. Mai 2014, 9:06 Uhr

Conchita Wurst "lebt in ihrer eigenen homosexuellen Blase"

Conchita Wurst hat den Eurovision Songcontest 2014 gewonnen und damit bei vielen Menschen die Hoffnung auf mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen ausgelöst.

Berlins erfolgreichste und bekannteste Dragqueen Nina Queer, die selbst aus Österreich kommt, hat daran allerdings große Zweifel, die sie gestern im N24-Talk ‘Studio Friedman’ klar aussprach: “Conchita Wurst lebt in ihrer eigenen kleinen homosexuellen Blase, in der ich natürlich auch lebe. Wir leben als gefeierte Stars in dieser Szene. Natürlich, uns rollt man den roten Teppich aus, und da ist es ganz schnell und einfach zu glauben, jetzt ist das alles erledigt. Ich werde überall eingeladen, bin total etabliert, ich bin total toleriert, akzeptiert. Aber so ist es nicht. Wenn man aus dieser homosexuelle Blase raus geht, gibt es ganz viele spießige, heterosexuelle, konservative Menschen, die sagen: So, mein Freundchen, hier hört die Toleranzgrenze auf. Hier hört deine kleine Welt auf und da fängt meine an.”

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Schon als junger Mensch litt Nina Queer unter den schwulenfeindlichen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt war – und geändert hat sich bis heute nichts: “Das ist die Hölle, durch die ich meine ganze Kindheit gegangen bin, durch die ich in meiner Jugend durch musste, und das war die Hölle, bis ich alt und reif genug war, mich mit meinem Mundwerk verteidigen zu können. Jetzt, wo ich es kann, warum muss ich es dann noch? Ich bin es leid und frage mich, warum? Wir haben 2014, die Hexenverbrennung, die Nazi-Zeit – es ist längst vorbei.”

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CSU-Politiker und Rechtsanwalt Norbert Geis dagegen fordert in der Sendung von Schwulen und Lesben mehr Toleranz gegenüber Menschen, die mit offen ausgelebter Homosexualität ein Problem haben: “Sie müssen auch mir gegenüber tolerant sein. Ich habe eine andere Meinung zu dieser Frage als sie. Ich habe noch nie so viel Intoleranz erlebt, wie gerade in solchen Fragen – von ihrer Seite und von Seiten ihrer Anhänger.”

Fotos: N24