Samstag, 17. Mai 2014, 17:33 Uhr

Ulrike Folkerts kritisiert "Pseudowichtigkeit" von Krimis

Ulrike Folkerts, seit 25 Jahren als Lena Odenthal im ‘Tatort’ zu sehen, klagt über schlechte Drehbücher: “Lena ist doch in 25 Jahren als Kommissarin austauschbar geworden. Das liegt natürlich auch an den Geschichten”, sagte die 53-Jährige heute der ‘Neuen Osnabrücker Zeitung’.

Die Erfolge des “Tatort”, die hohe Aufmerksamkeit für das Format, versteht Folkerts nicht: “Nicht ohne Grund wird ja sogar wissenschaftlich untersucht, warum der ‘Tatort’ so eine gesellschaftliche Rolle spielt. Ich lese das gern und besonders gern auch Polemiken dazu, die diese Pseudowichtigkeit angreifen. Zum Glück! Nicht jeder ‘Tatort’ ist ein Meisterwerk, nicht wahr?”

Unverblümt benannte Folkerts die Ursache für ihre Enttäuschung: ‘Tatort’ und ‘Polizeiruf 110’, sagte sie, seien “eben keine Serien, die weitergesponnen werden. Es kommen immer wieder neue Autoren. Die interessiert der Plot, die Kommissare werden gegebenenfalls austauschbar.” Umso wichtiger sei deshalb “eine starke Redaktion, die sich jeweils für die Persönlichkeiten der Kommissare einsetzt”. Auch dramaturgisch ist Folkerts mit dem ‘Tatort’ oft unzufrieden.

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An ihrem Fall ‘Tod einer Lehrerin’ etwa, einem Krimi um Genitalverstümmelung, monierte sie: “75 Minuten ging es in 08/15-Manier um falsche Fährten. Das war mir zu wenig.” Statt der immer gleichen Suche nach dem Mörder, wünscht sie sich Mut zu anderen Erzählformen. Als positives Beispiel nannte die 53-Jährige Fälle, bei denen der Täter von Beginn an bekannt ist -wie Lars Eidingers Serienmörder in ihrem Fall “Hauch des Todes”.

Gemischte Gefühle löst bei Folkerts im Übrigen ‘Tatort’-Star Til Schweiger aus: “Den ersten Schweiger-Fall fand ich auch gut, die Action, den knallharten Gangsterfilm. Der zweite Fall hat mich enttäuscht: Die Figuren waren entweder nur gut oder nur böse. Worum ging es? Nur um die Frage, wer wen zuerst killt. Das war mir zu viel Testosteron. Verstehen Sie mich nicht falsch. Schweigers Versuch, den ‘Tatort’ neu zu erfinden, amerikanischer zu erzählen, finde ich total gut. Aber er spricht eben nur eine bestimmte Klientel an, zu der ich nicht gehöre.”

Eines werde aber auch in weiteren 25 Jahren nicht geschehen: ein Coming-out von Lena Odenthal. “Ich werde aus der homosexuellen Community immer wieder gefragt, wann Lena Odenthal endlich lesbisch wird. Nie!”

Im Oktober ist Ulrike Folkerts in ihrem 60. Krimi mit dem Titel ‘Blackout’ (siehe Foto) zu sehen.

Fotos: SWR/Alexander Kluge