Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:11 Uhr

Keep Your Light Shining: Zuschauer müssen in 30 Sekunden entscheiden

“Das Internet ist für uns alle Neuland”. Mit diesem Satz sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einigen Monaten für reichlich Gelächter im ganzen Land.

Mittlerweile verkauft die Produktionsfirma von Jörg Pilawa T-Shirts mit diesem Spruch. Der TV-Moderator nimmt die langwierige Panne seiner neuen interaktiven Rateshow ‘Quizduell’ äußerlich mit Humor. Heute Abend um 20.15 Uhr startet der Privatsender ProSieben ein ähnliches Format, die Musikshow ‘Keep Your Light Shining’.

Die deutschen TV-Macher stellen sich seit Monaten die Frage, wie sie die so beliebten Smartphone-Apps in ihre glamourösen TV-Shows einbinden können. Den Anfang machte vergangene Woche das Erste. Mit der ‘Quizduell’-App sollten Nutzer live gegen Kandidaten im Studio spielen können. Daraus wurde aber nichts, technische Probleme machten die interaktive Live-Sendung von Anfang an zur Pannen-Show.

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ProSieben glaubt unterdessen fest daran, dass es bei ihnen  besser laufen wird. Ein Sendersprecher erklärte dazu auf dpa-Anfrage: “Unabhängig vom ‘Quizduell’ arbeiten wir seit Monaten an der Voting-Plattform über ProSieben-Connect und testen die Anwendung in den verschiedensten Szenarien und unter verschiedensten Voraussetzungen”. Man habe, ähnlich wie die ARD-Show, einen Plan B in der Tasche, falls die Systeme tatsächlich streiken sollten. Jörg Pilawa hatte statt der App-Nutzer einfach das Studiopublikum abstimmen lassen.

Das Konzept der ProSieben-Musikshow ‘Keep Your Light Shining’ sieht vor, dass die Zuschauer innerhalb von 30 Sekunden entscheiden, ob sie ein Gesangstalent in der nächsten Runde sehen wollen oder nicht. Dazu sollen sie via App oder Browser (connect.prosieben.de) auf den ‘Gefällt mir’- oder ‘Gefällt mir nicht’-Button drücken.

Die neun Kandidaten, über die die Fernsehzuschauer abstimmen, stehen zeitgleich in einem Kölner Studio in einem Kreis. Wer plötzlich im Scheinwerferlicht steht, ist an der Reihe und muss die Zuhörer zu Hause unmittelbar daraufhin überzeugen. “Ich glaube, der Zuschauer wird sehr, sehr schnell merken, ob ihn ein Sänger begeistert oder nicht. Dementsprechend fällt dann auch das Voting aus”, sagt die bildschöne Moderatorin Annica Hansen (siehe Foto).

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In den lediglich drei geplanten Shows beurteilen außerdem zwei Musikexperten die Auftritte, in der ersten Sendung Frida-Gold-Frontfrau Alina Süggeler und Gary-Barlow-Ersatz, Latino-Star Ricky Martin. Diese haben aber keinen Einfluss auf das Voting und den Gewinner, der mit 50 000 Euro Preisgeld nach Hause geht.

Die interaktive Musik-Show sei eine Weltpremiere, sagt ProSieben. Der Sender RTL hatte sich bereits im Oktober vergangenen Jahres die Rechte an dem nahezu identischen israelischen Format ‘Rising Star’ gesichert. Die Kölner Fernsehmacher werden wohl nun sehr genau beobachten, ob eine Live-Sendung mit App-Voting funktionieren kann – oder ob das Internet auch fürs Privatfernsehen noch Neuland ist… (Thomas Bremser, dpa)

Foto: ProSieben/Stephan Pick, Marc Rehbeck