Montag, 26. Mai 2014, 16:19 Uhr

KC Rebell über sein neues fettes Album, Bushido und Hasskommentare

KC Rebell ist dabei einer der wichtigsten Rapper im deutschen HipHop-Game zu werden. Alleine sein Track “Anhörung” wurde innerhalb von nur einem Monat über 10 Millionen Mal bei Youtube angeklickt. Sein Album “Rebellution” steht in den Startlöchern und könnte seinen Stand im Business manifestieren. klatsch-tratsch.de hat sich mit ihm zum Gespräch getroffen.

In deinen Videos fällt oft das Wort “Hayvan”. Was ist denn ein Hayvan?
Ein Hayvan ist ein bestialischer Mensch, der sich daneben benimmt. Ein Mensch, der sich sehr grob benimmt und in manchen Situationen sehr ausfällig wird, wird in der orientalischen Welt oft so genannt. Da wir so eine Art oft an den Tag legen, ist dieses Wort bei uns im ständigen Gebrauch.

Du hast vor genau einem Monat „Anhörung“ bei Youtube hochgeladen. Mittlerweile hat das Video über 10 Millionen Klicks. Inhaltlich räumst du mit Vorurteilen gegen dich auf. Was hat dich dazu gebracht diesen Song zu machen?
Ursprünglich wollte ich eigentlich ein Intro für mein Album machen. Da ich einen großen Deal unterschrieben habe, wollte ich diese große Plattform auch nutzen, um mich den Leuten mal richtig vorzustellen. Mir kam dann die Idee den Song im Frage-Antwort-Stil zu machen. Dass das Ganze unter „Anhörung“ fällt und mich ein Richter befragt, das hätte nicht zwangsläufig sein müssen. Mich hätte auch ein Lehrer etwas fragen können, ein Sozialpädagoge oder sonst wer. Diese Idee hat sich einfach so entwickelt und kam gut an.

Welches Vorurteil nervt dich am meisten?
Gerade wenn man Straßenrap bedient, hört man dieses „Frauenfeindlich“- oder „Schwulenfeindlich“-Ding recht häufig. Das wird mit der Zeit echt lästig. Seit ich diesen Song gemacht und mich zu diesen Vorurteilen geäußert habe und sogar noch offen sage, dass ich mich von diesem Klischee distanzieren will, werde ich um so mehr darauf angesprochen. Ich sage ich bin dominant, aber nicht frauenfeindlich und auf einmal heißt es ich bin frauenfeindlich.

10 Millionen Leute haben sich den Clip angesehen.
Das ist echt cool. Als ich den Song geschrieben habe, habe ich den zwei-drei Leuten vorgetragen, mit dem Zweifel, ob ich ihn überhaupt aufnehmen soll, ob er wirklich gut ist. Ich fand ihn einen coolen Meinungsmacher, aber ich hätte nie gedacht, dass er so erfolgreich werden könnte. Der Song war für mich total unkommerziell, da er noch nicht mal einen Refrain hat. Der ist einfach vier Minuten durchgerappt. Für mich ist das eine Bestätigung und ich freue mich sehr.

Du bringst am 30. Mai dein Album „Rebellution“ raus …
Auf meinem Album sind 17 Songs. Es gibt spezielle Editionen, auf denen drei weitere Songs drauf sind. An Feature-Gästen habe ich unter anderem Farid Bang, Kollegah, Summer Cem, Manuellsen und einigen anderen. Das Album ist inhaltlich sehr vielseitig, aber sehr punchlinelastig. Es gibt aber auch Songs mit ernsten Themen. Ich denke da ist für jeden etwas dabei.

Deine Familie hat sicher Dein Album schon gehört. Welchen Track feiern die denn am meisten?
Es ist der Song „Zu spät“. Der Song ist sehr persönlich. Beim ersten Hören ist vielleicht nicht gleich ersichtlich, dass ich mich selbst damit meine, da ich die Themen darin auf den ersten Blick doch sehr verallgemeinere. Meine Familie liebt diesen Song, weil er halt sehr persönlich ist. Wenn ich jetzt einen Freund nach seinem Lieblingssong auf der Scheibe fragen würde, dann würde der mir vermutlich einen Song nennen, der cool im Auto oder zum Pumpen ist. Bei Family ist das aber immer etwas anders, die mögen eher die persönlichen Dinge.

Deine Musik polarisiert. Bei Youtube stehen auch Hass- und Beleidigungskommentare. Liest Du die Kommentare unter deinen Videos?
Ich habe mir irgendwann vorgenommen die Kommentare nicht mehr zu lesen. Habe dann aber trotzdem immer mal wieder reingeschaut. Jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich einfach keine Zeit mehr finde, mich damit auseinander zu setzen. Ich bin mit so vielen Dingen beschäftigt, dass ich manchmal meine eigenen Videos nur einmal zur Abnahme sehe. Meine Musik wird nicht von den Kommentaren von irgendwelchen Leuten beeinflusst. Auch nicht von den Meinungen aus meinem Umfeld, weil wenn die es besser wissen, dann hätten sie ja selbst Rapper oder Musiker werden können. Klar, wenn mir Leute aus dem Business einen Tipp zur Plakatierung geben, dann denke ich darüber nach, aber in meine Musik lasse ich mir absolut nicht reinreden. Ich mache die Musik, die ich machen will und die Leute, die ihren Senf bei Youtube dazu abgeben sind meistens alle unter 18. Erwachsene Typen hören sich das an, klicken vielleicht gefällt mir oder schreiben „Ist nicht so mein Fall“, aber sie schreiben keine Hatekommentare. Die stammen dann doch eher von heranwachsenden Leuten, die nicht viel Ahnung von der Materie haben.

Was hört Du privat für Musik?
Ich höre vielleicht 20% Deutschrap. Oft auch nur, um mich auf dem neusten Stand zu halten. Ansonsten höre ich türkische Musik und sehr viel amerikanischen Rap wie beispielsweise Eminem, Mac Miller, oder auch Wiz Khalifa. Beim Autofahren höre ich die gern. Da höre ich übrigens auch meine Songs. Mein absoluter Lieblingsrack zum Autofahren ist „Sweet Serenade“ von Pusha T und Chris Brown.

Peinlichste MP3 auf deinem Handy?
Als dieses „Gangnam-Style“ rausgekommen ist, hatte ich das auf dem Handy. Ich glaube andere hätten den peinlich gefunden, aber ich fand den damals cool.

Du hast in einem Interview erzählt, dass du dir vorstellen könntest auch zu schauspielern. Vorausgesetzt die Rolle passt …
Ich bin da eigentlich offen für fast alles. Wenn ich etwas spielen würde, dann würde ich gerne etwas spielen, das nicht mit meiner Musik zu tun hat. Also nicht der xte Rapper, der das Rapper-Klischee erfüllt. Ich hätte dann lieber eine Rolle, die auch jemand anders hätte spielen können … Ich habe tatsächlich ein paar Angebote aufgrund meiner Musikvideos bekommen. Da haben dann irgendwelche Drehbuchautoren und Regisseure Potenzial gesehen. Ich fand die Angebote bisher nur nicht so lukrativ.

Was sagst Du zu Bushido?
Bushido muss man für das, was er erreicht hat und für das, was er für den deutschen HipHop getan hat, respektieren. Seine alten Sachen fand ich sehr cool. Ab „Electro Ghetto“ hat er eine Richtung eingeschlagen, mit der ich dann nicht mehr viel anfangen konnte. In letzter Zeit hat er sich aber wieder gefunden. Eine Zeit lang hatte ich kein Verständnis und konnte nicht verstehen warum er versucht hat sich so anzupassen, weil von vornherein schon klar war, dass er in der Gesellschaft, in der er gerne wäre, nicht akzeptiert wird. Deshalb war es, meiner Meinung nach, die richtige Entscheidung, sich davon wieder abzuwenden. Man muss dazu aber auch sagen, dass Kay One ihn mächtig wieder zurück ins Business geholt hat. Dieser Beef war wirklich ausschlaggebend für seinen weiteren Karriereverlauf, damit er wieder ganz oben mitspielen kann.

Wie findest Du PR-Beef?
Ich hatte noch nie PR-Beef. Ich würde aber auch niemanden dissen mit dem ich kein Problem habe. Ich würde vermutlich aber auch niemanden dissen mit dem ich ein Problem habe. Es gibt tatsächlich ein-zwei Rapper mit denen ich ein Problem habe, aber mit denen rede ich dann direkt oder eben nicht. Es muss ja nicht immer auf Beef hinauslaufen. Ich finde es aber gut, wenn man entertainmenthalber mal eine lustige Zeile über jemanden macht, aber so bitterernsten Beef, wie das einige Rapper machen oder irgendeinen Grund suchen, ist nicht mein Ding.

Hattest Du mal ein peinliches Bühnenerlebnis?
Mir selbst ist auf der Bühne noch nichts passiert. Auf meiner letzten Tour habe ich mal ein Mädchen auf die Bühne geholt und wir haben da den Harlemshake performt und getanzt. Dabei ist das Mädchen dann aber von der Bühne gefallen. Ich bin nicht schadenfroh, aber da mussten wir schon laut lachen, weil es ziemlich lustig aussah.